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Kiras Strahlen ist der Lohn

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Von: Jürgen Streicher

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Kira am Klavier.
Kira am Klavier. © Privat

Das soziale Rehabilitationszentrum für Menschen mit Behinderung ist eine Frucht der deutsch-russischen Partnerschaft. Von Jürgen Streicher

Ohne Küsschen auf die Wange lässt Kira den Besucher aus der fremden Welt nicht gehen. Stolz hat die Fünfjährige im rot-weiß karierten Kleid und weißer Papierblüte im Haar ihre Künste auf dem elektrischen Klavier gezeigt und mit ihrer Betreuerin Sandkuchen für die Stofftiere gebacken. Ihr Lächeln ist ansteckend, das Mädchen mit dem Down-Syndrom gibt allen Kraft, die lange dafür gearbeitet haben, dass Kira hier spielen kann.

Oder dafür, dass Sergej, ein junger Mann mit schelmischem Blick und zarten Händen, seine Geschicklichkeit an der Laubsäge ausleben kann. In der kleinen Holzwerkstatt im ersten Stock stapeln sich Schachspielfiguren, Phantasietiere und Eiffeltürme aus Holz, im Nebenraum lagern hunderte bunte Kerzen. Geformt von behinderten jungen Erwachsenen, die neben den Kindern das Haus bevölkern. Kira und Sergej sind zwei von 100 Menschen, die im zweistöckigen grünen Holzhaus betreut werden.

Mittendrin - statt nur da

Für den Besucher aus dem Westen mag das Rehabilitationszentrum für Menschen mit Behinderung ein bisschen wie ein altmodisch eingerichteter Kindergarten mit Beschäftigungsmöglichkeit auch für Erwachsene wirken. Für Russland ist das Projekt indes landesweit ein Vorbild. Behinderte waren dort nie Teil des öffentlichen Lebens, jetzt gibt es ein Bewusstsein dafür. Das sei der Fortschritt in der Sozialarbeit, so Udo Keidel-George. Der heutige Geschäftsbereichsleiter Kultur und Sport im Rathaus, gehörte als Geschäftsführer der Internationaler Bund (IB)-Behindertenhilfe zu den Wegbereitern des Projekts.

Vom Sozialzentrum blickt man auf die russisch-orthodoxe Michaelskirche mit blauen Zwiebelturmspitzen, die Lomonossower Markthalle ist nur einen Steinwurf entfernt. Mittendrin also und nicht mehr weggesperrt, das ist die eigentliche Revolution.

Erwachsen aus einem Auftritt der integrativen Rockband "Satisfactory", die 2003 bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages in Lomonossow aufspielte.

Damals begann die zähe Aufbauarbeit. Mit dem Elternverein "Mosaika", der für die Interessen behinderter Kinder kämpfte. Und mit der Bezirksverwaltung, die erst für die Idee begeistert werden musste. Nur weil 80 Prozent der Fördermittel aus Deutschland kamen, wurde sie verwirklicht. Fachkräfte der Behindertenhilfe Hochtaunus des IB und Fachleute aus der Oberurseler Verwaltung haben die Betreuerinnen ausgebildet, für deren Qualifizierung gab es knapp 50000 Euro von der Aktion Mensch.

Die Bezirksverwaltung Petrodworetz, die auch für die benachbarte Bad Homburger Partnergemeinde Peterhof zuständig ist, hat das 100 Jahre alte grüne Holzhaus zur Verfügung gestellt und übernimmt inzwischen auch Personal- und andere Folgekosten.

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