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Kindern Sicherheit geben

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Von: Miriam Keilbach

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Ines Kurek-Bender und Sabine Grollmann-Serve bringen ihre Erfahrung als Adoptiv- und Pflegemütter in die Vereinsarbeit ein.
Ines Kurek-Bender und Sabine Grollmann-Serve bringen ihre Erfahrung als Adoptiv- und Pflegemütter in die Vereinsarbeit ein. © Martin Weis

Der Verein Pfad kümmert sich im Hochtaunuskreis um Pflegeeltern und deren Familienzuwachs, denn die Liebe der neuen Familien hilft nicht allein, um seelische Wunden vernarben zu lassen.

Es gibt Kinder, die nicht mehr bei ihren Eltern leben können. Weil die Eltern Drogen nehmen, psychisch krank oder überfordert sind. 195 stammen aus dem Hochtaunuskreis, weitere 36 aus Bad Homburg. 119 davon leben im Heim, zu viele für den Verein Pflege- und Adoptivfamilien (Pfad) Hochtaunus mit Sitz in Oberursel. „Das Heim ist einfacher für das Jugendamt“, sagt Pfad-Vorstand Ines Kurek-Bender. „Pflegeeltern müssen gut begleitet werden, im Heim sind professionelle Pfleger angestellt.“

Vorstands-Kollegin Sabine Grollmann-Serve ergänzt: „Eigentlich ist es gewollt, dass die Kinder in Pflegefamilien kommen, aber ab einem bestimmten Alter kommen sie direkt ins Heim“. Im Hochtaunus gibt es laut Pfad nur zwei Bereitschaftsfamilien, eine Inobhutnahme, ehe entschieden ist, wohin die Kinder kommen. Auch dann geht das Hin- und Herreichen manchmal weiter. Kurek-Bender berichtet von einem dreijährigen Kind, das bereits in 14 verschiedenen Unterbringungen gelebt hat.

Den Kindern fehlt Sicherheit

Die Kinder haben nie gelernt, Bindungen aufzubauen, denn schon in ihren Herkunftsfamilien würden sie von Oma zu Tante zu Eltern geschoben. „Die Bindungsstörung zeigt sich vielfältig im sozialen Leben“, sagt Grollmann-Serve, etwa im Unterricht und bei Konzentrationsproblemen. „Eben da, wo Sicherheit notwendig ist“, ergänzt Kurek-Bender. Sie haben Probleme mit sozialen Kontakten, nehmen Kritik persönlich.

Da hilft auch die Liebe der neuen Familie manchmal nicht. „Man redet sich ein, dass es gut geht, man will ja ein Kind, man gibt ihm Liebe und Geborgenheit“, sagt Grollmann-Serve, die zwei Pflegekinder und ein eigenes hat. „Wenn es trotzdem nicht funktioniert, gibt es Frustration.“

Der Verein hilft bei der Vorbereitung. 60 Familien aus dem Kreis haben sich in dem Verein zusammengeschlossen, der 1994 gegründet wurde. Für Pflegekinder sei die Situation noch schwieriger als für Adoptivkinder, sagen die Frauen. Adoption sei akzeptierter, die Eltern stimmen zu. Pflegekinder wurden aus ihren Familien gerissen, theoretisch könnten sie wieder zurückgeschickt werden.

Bei Adoptionen sei hingegen der Kontakt zu Herkunftsfamilie schwierig, denn dieser ist nicht vorgesehen. „Irgendwann kommen die Kinder in ein Alter, wo sie die Identitätsfrage stellen“, so Grollmann-Serve. Pflegekinder halten in der Regel Kontakt. „Wichtig ist aber, dass der Kontakt von den Kindern ausgeht, bei Pflegekindern gibt es da oft einen Zwang“, sagt Grollmann-Serve. Der Verein hilft auch hier: „Man muss den leiblichen Eltern vermitteln, dass sie keine Rabeneltern sind, dass es gut ist, dass sie das Kind weggeben“, sagt sie. „Herkunftsarbeit findet beim Jugendamt nicht statt“, ergänzt Kurek-Bender, die drei Adoptivkinder und ein Pflegekind hat.

Der Verein hört zu, die Hemmschwelle ist für Pflegeeltern etwa geringer, als vor dem Jugendamt zuzugeben, dass man überfordert ist. Aber der Verein gibt auch fachliche Unterstützung: Warum tut das Kind das und wie gehe ich damit um? Die Kinder fänden ihren Weg, mit ihrem Schicksal umzugehen, sagen die Frauen. „Man muss ihnen eine Geschichte mitgeben, die gut klingt: Zum Beispiel, dass sie jetzt zwei Mamas haben. Manchmal ist das das einzig Positive.“

Kontakttelefon: 06171/580353

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