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Ungleiches Duo: Die Meierei (links) muss noch dringend saniert werden, die Schweizerei ist schon schmuck wieder hergerichtet.

Bad Homburg

Kindergarten in der alten Meierei

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Verein präsentiert Konzept für Sanierung des maroden Gebäudes im Kleinen Tannenwald von Bad Homburg.

Bad Homburg braucht dringend zusätzliche Kindergartenplätze; die ehemalige Meierei im Kleinen Tannenwald bietet schon seit Jahren einen mehr als traurigen Anblick. Warum nicht beide Probleme gemeinsam anpacken?, findet der Vorstand des Fördervereins Kleiner Tannenwald und hat nun bei seiner Mitgliederversammlung einen entsprechenden Vorschlag gemacht.

Eine Kita könne für eine „nachhaltige Nutzung“ des denkmalgeschützten Gebäudes sorgen, sagte der Vorsitzende des Fördervereins, Franz-Josef Mues, der gleichzeitig einräumte, dass dies bei der bereits schmuck wiederhergerichteten Schweizerei bislang noch nicht so recht gelungen ist. Vier bis fünf Gruppenräume und ein großer Versammlungsraum seien in der einstigen Meierei möglich, erklärte der Architekt Micha Barsties, der den Vereinsmitgliedern bereits einen ersten Entwurf präsentierte. Im Dachgeschoss sei zudem Platz für Büros. In einem Gespräch, das er mit Vertretern der Caritas geführt habe, sei die Idee mit der Kita bereits auf Interesse gestoßen.

Auch bei den Vertretern der Stadt findet der Förderverein Kleiner Tannenwald Gehör. Das Projekt könne „Sinn machen“, sagte der Leiter der Bad Homburger Stadtplanung, Holger Heinze. Schließlich habe man bereits die Remise im benachbarten Gustavsgarten als zusätzlichen Kita-Standort ins Auge gefasst. Da dort aber nur eine sehr kleine Einrichtung möglich sei, könnte sich eine Verbindung mit der Meierei anbieten. Heinze sagte zu, ein gemeinsames Gespräch mit dem Hochbauamt und dem für die Kinderbetreuung zuständigen Fachbereich zu vermitteln.

Der Kleine Tannenwald habe sich in den vergangenen Jahren wieder zu einer „regelrechten Augenweide“ entwickelt, lobte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Die Meierei sei nun „der letzte Baustein, der noch fehlt“. Allerdings mahnte er eine „konsequente Nutzung“ des Gebäudes an.

Noch handele es sich bei den Kita-Plänen um erste Überlegungen, betonte Franz-Josef Mues im Gespräch mit der FR. Auch eine genaue Kostenschätzung gibt es bislang nicht. Vor ein paar Jahren habe es schon einmal einen Vorstoß zur Sanierung der Meierei gegeben, erinnert Mues. Damals sei von mehr als zwei Millionen Euro die Rede gewesen, allerdings inklusive eines großen Anbaus, der nun nicht mehr vorgesehen sei.

Für die Wiederherstellung der benachbarten Schweizerei hatte der Förderverein Kleiner Tannenwald 400 000 Euro aus eigenen Mitteln und Spenden aufgebracht. 150 000 Euro hatten Handwerker beigesteuert, meist in Form kostenfreier Arbeiten. Die Stadt wiederum hatte die Kosten für die Außenanlage der Schweizerei und das Eingangstor am Leopoldsweg in Höhe von 175 000 Euro übernommen. Wie eine entsprechende Aufteilung im Fall der Meierei aussehen könnte, sei noch offen, sagte Mues. Der Förderverein sei aber selbstverständlich wieder bereit, seinen Beitrag zu leisten.

Parallel dazu möchte der Verein den Kleinen Tannenwald und vor allem die Schweizerei stärker beleben. Dafür sollen mehrere Arbeitsgruppen zusätzliche Ideen entwickeln. Derzeit sei ein Besuch des Parks allerdings nicht möglich, teilte Holger Heinze mit. Wegen Sturmschäden sei die Sicherheit nicht gewährleistet. Betroffen ist davon auch eine Führung, die für Sonntag geplant war.

Landgräfliche Gärten

Der Kleine Tannenwald ist Teil der Landgräflichen Gartenlandschaft, die sich einst vom Bad Homburger Schloss bis zum Römerkastell Saalburg zog. Ab etwa 1770 ließ die Landgrafenfamilie die insgesamt 380 Hektar nach ihrem Willen gestalten.

Um 1780 erhielt der Kleine Tannenwald sein jetziges Aussehen. Teich und Inselkolonnade wurden angelegt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ Landgräfin Elisabeth Schweizerei, Meierei und Eiskeller bauen. Es entstand eine kleine Musterfarm, die Weiden und Äcker lagen aber außerhalb des ursprünglichen Parkbereichs.

Die Schweizerei entstand 1822 und war zunächst das Zentrum der Landwirtschaft; nach dem Bau der Meierei 1832 wurde sie immer mehr zur Rückzugs- und Erinnerungsstätte für die Landgräfin.

Im 20. Jahrhundert war der Kleine Tannenwald mehrere Jahrzehnte in Privatbesitz. Der Garten verwilderte zunehmend, der Teich wurde abgelassen, Schweizerei und Meierei verfielen. Ende der 1980er wäre der Park beinahe von einem Hotelkomplex überbaut worden. Eine Bürgerinitiative verhinderte das.

Seit 2002 ist der Garten im Besitz des Fördervereins Kleiner Tannenwald und der Stadt. Der Park ist inzwischen wiederhergestellt. 2016 wurde auch die sanierte Schweizerei wieder eröffnet. Der Förderverein hat dafür 400 000 Euro aufgebracht. (twe)

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