1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Keine Angst vor Keimen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Schwimmmeister Willi Köhl entnimmt dreimal am Tag Wasserproben, um Chlorgehalt und pH-Wert zu messen.
Schwimmmeister Willi Köhl entnimmt dreimal am Tag Wasserproben, um Chlorgehalt und pH-Wert zu messen. © FR/Schick

Außer den zahlreichen Schwimmern tummeln sich im Oberurseler Freibad auch Milliarden Bakterien. Dass sie keinen Schaden anrichten, darum kümmert sich Schwimmmeister Willi Köhl. Von Jürgen Streicher

Von Jürgen Streicher

Chlor ist der Hauptkiller. Aber die richtige Dosis muss es sein. Damit unliebsame Mitschwimmer möglichst schnell abgetötet werden. Und der Badegast keiner Gefährdung seiner Gesundheit ausgesetzt ist - weder durch die mitgebrachten Keime seiner Mitmenschen noch durch die zugeführten Chemikalien, um diese zu neutralisieren. Für ein angenehmes Badevergnügen eben, in knackig-frischem Wasser auch bei Tausenden Besuchern wie an diesen heißen Tagen.

"Unser Wasser hat Top-Qualität", behauptet Schwimmmeister Willi Köhl und kann jedem dabei jederzeit in die Augen schauen. Trotz möglichen sechs Millionen bis drei Milliarden Keimen, die jeder (!) Badegast einfach so mit ins Wasser bringt. Die ganz normale mikrobiologische Verunreinigung. Die organische Verunreinigung durch Haut, Schuppen und Haare kommt noch dazu, manchmal auch festere Stoffe wie Pflaster und ähnliches. Der Blick aufs Wasser bietet aber auch an heißen Tagen ein schönes flirrendes Wasserblau fürs Auge.

Die Top-Qualität kann (und muss) Willi Köhl belegen. Dreimal am Tag - das erste Mal, bevor die ersten Schwimmer um 7 Uhr kommen - zieht er mit einem kleinen grauen Köfferchen zum Becken, spült drei Küvetten mit dem Badewasser vor, füllt dann ein paar Tropfen seiner Messreagenzien in die kleinen Glasbehälter und entnimmt dann drei Wasserproben. Der Chlorgehalt und der pH-Wert wird nun mit einem Photometer gemessen, eine zarte Lilafärbung zeigt dem erfahrenen Schwimmmeister schon vor der Messung, dass der Chlorgehalt stimmt. Liegt der Messwert zwischen 0,3 und 0,7 mg pro Liter Wasser, ist alles bestens, das gilt auch für einen pH-Wert um 7,0.

Die Werte fließen neben den Besucherzahlen und Angaben über die Dienste in die täglichen Betriebsberichte ein. Sie müssen sechs Jahre aufbewahrt werden. Sollte es Klagen oder Beschwerden von Badbesuchern geben, sind sie wichtiges Dokumentationsmaterial. Nein, sagt Willi Köhl, es habe nie Beanstandungen gegeben. Auch nicht von den Hessenwasser-Kontrolleuren, die zweimal im Monat unangemeldet zur Probeentnahme kommen. "Immer top, kein Problem".

Schnelle Keimtötung

Das Herz des Freibades liegt unauffällig im hinteren Bereich am Sandweg. Das im abfallenden Gelände fast versenkte Technik-Gebäude, zur Badseite hin mit Efeu überwachsen. Von hier aus wird alles gesteuert und kontrolliert, was die Badewasserqualität regelt. Die Anlage steuert sich nach eingegebenen Parametern sozusagen selbst, der Schwimmmeister ist der Oberaufseher für die Maschine. Weil der Chlorverbrauch bei intensiver Sonneneinstrahlung höher ist, kann er hier die Dosierung stets anpassen.

Im Technik-Gebäude sind auch die drei riesigen Filter-Behälter untergebracht. Von hier wird später das neue Reinwasser zurück ins große Becken gepumpt. Und das Schwallwasser, auch Verdrängungswasser genannt, das durch die Rinne am Beckenrand ins Schwallwasserbecken abfließt. Der Wasserstand muss konstant hoch sein, die Steuerung erkennt das. Beim Ablaufen aus dem Becken wird fünf Meter vor Erreichen der Filter ein Flockungsmittel eingesetzt, das etwa viele tausend Schamhärchen und Hautschuppen zu Klumpen bündelt. "Der Filter ist der Mülleimer", sagt Willi Köhl, auf dem Rückweg ist das Wasser wieder sauber. Durch die täglichen Filterspülungen gehen etwa 65000 Liter Wasser verloren. Das Nachfüllen und 30 Liter "Füllwasser" pro Gast und Tag sorgen dafür, das auf die Saison umgelegt etwa dreimal das komplette Wasser ausgetauscht wird.

Apropos Keime: Wenn die Redox-Spannung, ein Maß für die Reduktions- oder Oxidationskraft eines Mediums, an einer ins Wasser getauchten Edelmetallelektrode nicht unter 650 Millivolt liegt, ist alles bestens. Die Keimtötungsgeschwindigkeit liegt dann unter den geforderten zehn Sekunden. Gestern um 14 Uhr hat Willi Köhl 740 mV gemessen.

Auch interessant

Kommentare