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Kein Aufschrei nach Wahldebakel in Oberursel

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Von: Jürgen Streicher

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Zwei aus seiner Mannschaft haben Thorsten Schorrs Wahl zum Ersten Stadtrat verhindert. (Archivbild)
Zwei aus seiner Mannschaft haben Thorsten Schorrs Wahl zum Ersten Stadtrat verhindert. (Archivbild) © Michael Schick

Die CDU versucht, die verpatzte Wahl von Stadtkämmerer Thorsen Schorr zum Ersten Stadtrat aufzuarbeiten. Doch es überwiegt eine Beerdigungsstimmung.

Der CDU-Stadtverband, das war nach nur wenigen Minuten der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend überdeutlich, hat den Schock vom vergangenen Donnerstag noch lange nicht verdaut. Den Moment, „als nichts mehr war, wie es sein sollte“. Die völlig unerwartete Situation, als die Oberurseler CDU-Welt „aus den Fugen geriet“. So hat es der Fraktionsvorsitzende Jens Uhlig in seinem Bericht an die Parteibasis beschrieben, in einem Ton, der einer Beerdigung würdig war.

Die durch zwei Abweichler in der CDU/SPD-Koalition verpatzte Wahl von Stadtkämmerer Thorsten Schorr zum Ersten Stadtrat hängt den Christdemokraten noch arg in den Knochen, die Funktionsträger können das nicht verhehlen. Trotz seines gewohnten Lächelns kann es auch Thorsten Schorr nicht, das „kalt erwischte“ Opfer von politischen Ränkespielen, die noch immer keiner wirklich erklären kann. Zwei aus der Mannschaft haben ihm die Treue versagt, der 47-Jährige ist tief getroffen, das ist deutlich zu spüren. Der dadurch entstandene Vertrauensverlust im Zweierbündnis werde „Auswirkungen auf die Fraktion, die Koalition und die Partei haben“, so Schorr im gleichen Beerdigungston wie Uhlig. Eine Jetzt-erst-recht-Stimmung wollte im Saal nicht aufkommen, immerhin ein Viertel der Basis mit rund 275 Mitgliedern war bei der versuchten Aufarbeitung dabei.

Poppitz neuer Parteichef

Es war auch kein Aufschrei zu hören, keine Frage aus dem Publikum, was denn da schief gelaufen sei im bisher scheinbar so gut funktionierenden System und wie es hatte passieren können. Keine Fragen, kein Wunsch nach offener Diskussion, aber viel Beifall für den Verlierer vom treuen CDU-Publikum. Lang anhaltend, wie ihn sonst Gewinner bekommen, am Ende stehend. Es tat Thorsten Schorr gut nach dem „Nackenschlag“, den auch der Ex-Bürgermeister und heutige Stadtverordnetenvorsteher Gerd Krämer als persönlichen Angriff interpretierte. Es war seine letzte Rede als Parteivorsitzender, seinen Abschied aus dieser Funktion hatte er bereits vor dem Wahl-Desaster angekündigt. Er wolle sich ganz auf den Job als zweiter Mann im Rathaus hinter Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) konzentrieren, hatte er gesagt, bevor es ganz anders kam.

Werbung für seinen später mit großer Mehrheit gewählten Nachfolger war der letzte Akt Schorrs als Parteivorsitzender. Er sei „ein Mann, der sich schnell Ansehen erworben habe, ein echter Aktivposten, fleißig, kritisch, initiativ auf vielen Ebenen“. So beschrieb er den 49-jährigen Wirtschaftsingenieur Thomas Poppitz, den Geschäftsführer eines kleinen Familienbetriebes im Ortsteil Bommersheim. Ein Mann „ohne klassische Laufbahn in der CDU“, der erst im vergangenen Jahr zu den Christdemokraten gestoßen war und auf Anhieb einen Platz im Stadtparlament bekommen hat. Hochkumuliert von seinen vielen Fans in Bommersheim, die ihn als „Protokoller“ in der Bütt des örtlichen Carneval-Vereins kennen und schätzen. Von den anwesenden 72 Parteimitgliedern wählten ihn 52, der überraschende Gegenkandidat Uwe Hambückers bekam 20 Stimmen.

Erste Pluspunkte holte sich Poppitz direkt nach seiner Wahl mit dem Bekenntnis, Teamplayer zu sein, das er sofort praktisch umzusetzen gedachte. Auf seinen Antrag hin wurden statt bisher zwei nun drei stellvertretende Parteivorsitzende gewählt. Der Bundestagsabgeordnete Markus Koob und Kerstin Giger bleiben im Amt, auf Vorschlag von Poppitz wurde sein unterlegener Gegenkandidat zum dritten Stellvertreter gekürt. Auch dafür gab es dankbaren Beifall.

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