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Wer kauft die Hugenottenstraße?

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Vermögenswerte als Verlustbringer - Bürgermeister Horst Burghardt legt die Eröffnungsbilanz der Stadt vor und hat dabei nicht nur Gutes zu berichten. Von Anton J. Seib

Von Anton J. Seib

Die Stadt Friedrichsdorf verfügte zum 1. Januar 2009 über ein Vermögen von 131017479,67 Euro. Das ist das Ergebnis der Eröffnungsbilanz, die Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) und Kämmereileiter Heinz-Günter Müller gestern vorlegten. Die Bilanz erfasst sämtliche Vermögensgegenstände in städtischem Besitz und stellt sie den Verbindlichkeiten gegenüber.

"Wir sind ein Top-Unternehmen mit einer riesigen Eigenkapitalquote von 70 Prozent", sagte Burghardt mit leicht ironischem Unterton. Denn trotz der vordergründig guten Zahlen ist er mit der finanziellen Situation alles andere als zufrieden. "Ein Vermögensproblem haben wir nicht, wohl aber ein Einnahmeproblem. Deshalb sind die Zukunftsaussichten angesichts des Millionendefizits schlecht." Kämen weiterhin zu wenig Steuern in die Kasse, "ist das Eigenkapital in vier Jahren aufgebraucht".

Denn die meisten städtischen Besitztümer bringen Jahr für Jahr Verluste ein, etwa das Schwimmbad, die unverzichtbaren städtischen Kindergärten oder das Straßennetz. Zu Geld machen lassen sie sich nicht. Burghardt: "Wir können doch die Hugenottenstraße nicht verkaufen." Die 1276 Meter lange innerstädtische Hauptverkehrsader ist in der Bilanz übrigens mit 42095,29 bewertet. Lediglich durch den Verkauf von Grundstücken und den 256 städtischen Wohnungen könnte die Stadt an liquide Mittel kommen.

Zufrieden zeigt sich Burghardt mit dem städtischen Finanzmanagement. Den rund 14 Millionen Verbindlichkeiten aus Krediten stehen immerhin 13,6 Millionen Euro flüssiger Mittel gegenüber, eine fast ausgeglichene Bilanz. 12 Millionen Euro sind als Festgeld angelegt. "Alles sichere Anlagen, keine Spekulationsgeschäfte", betont der Rathauschef.

Die Eröffnungsbilanz war nötig geworden durch die Umstellung von der herkömmlichen Haushaltsrechnung auf die doppelte Buchführung, Doppik genannt, die in der Wirtschaft üblich ist. Dafür haben drei Mitarbeiter der Verwaltung, eine Hilfskraft und - in kleinerem Rahmen - externe Büros seit 2006 Tausende von Akten durchgearbeitet, haben Gebäude vermessen und erfasst.

Darunter auch ein Ein-Euro-Jobber, der das 75 Kilometer lange Netz städtischer Straße per Fuß erlaufen und vermessen hat, den Zustand von Fahrbahnen und Bürgersteigen dokumentierte und anhand bundesweit gültiger Berechnungstabellen den Wert ermittelte. Alle Daten für die erste Bilanz der Hugenottenstadt sind in 60 Aktenordnern versammelt, die nebeneinandergestellt vier Meter Regalwand erfordern.

Der Sinn dieser enormen Arbeit, die reichlich Arbeitskraft und rund 150000 Euro kostete, ist für Burghardt und Müller nicht ganz ersichtlich. Man müsse sich fragen, ob Aufwand und Ertrag in einem Verhältnis ständen. "Dass wir 8,6 Millionen Euro Defizit haben, hätte ich auch mit der alten Haushaltssystematik gewusst", sagt Burghardt.

Friedrichsdorf ist nach Oberursel die zweite Kommune, die nach der Umstellung auf Doppik eine Eröffnungsbilanz vorgelegt hat.

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