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Die Kassen klingeln

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Von: Olaf Velte

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Abmarsch vom Einkauf  in  der Loisenstraße.
Abmarsch vom Einkauf in der Loisenstraße. © Rolf Oeser

Die Bad Homburger sind in Konsumlaune: Das Weihnachtsgeschäft läuft für die Einzelhändler besser als im vergangenen Jahr.

Die meisten sind zufrieden, sehr sogar. Es herrscht gute Laune beim Bad Homburger Einzelhandel. Und in der laufenden Woche, so die allgemeine Erwartung, wird es in den Läden nochmals richtig hoch hergehen.

Nach der Krise im Vorjahr hat sich die wirtschaftliche Lage erstaunlich schnell erholt: Die Konsumlaune hat sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich verbessert, der Handelsverband Deutschland konnte schon nach dem ersten Adventswochenende jubilieren. Dass die vorweihnachtlichen Umsätze auch in Bad Homburg – dem Mittelpunkt des Kreises mit der meisten Kaufkraft in Deutschland – anziehen, wer wollte daran zweifeln? Wegen des frühen und starken Wintereinbruchs waren besonders die Bekleidungs- und Ausrüstungshäuser gut besucht. Die Louisenstraße entpuppt sich als Goldgrube.

Von „deutlich besseren Umsätzen als 2009“ spricht Volker Knauer, Geschäftsführer bei Karstadt. In dem Kaufhaus, das ab März für drei Millionen Euro renoviert werden soll, gehen Uhren, Schmuck, Düfte und Winterkleidung derzeit am besten. Engpässe drohen wenige hundert Meter weiter beim Ausrüster Reisefieber, dessen hochwertiges Stiefelsortiment etliche Lücken aufweist. Inhaber Michael Calic rechnet mit dem besten Monat der Firmengeschichte: „Wenn das so weitergeht, werden wir Mitte Januar ausverkauft sein.“

Probleme mit Nachlieferungen hat auch Intersport, wo Winterschuhe und Funktionsunterwäsche die „Knaller“ sind. Und wer noch einen Holzschlitten ergattern möchte, sollte sich sputen. „Lange reicht unser Sortiment nicht mehr“, so Marc Michel, der ausschließlich bei deutschen Schlittenbauern bestellt. Die könnten aber nicht mehr liefern, befänden sich teilweise bereits in der Produktion von Sommerartikeln. „Wegen der milden Winter in der Vergangenheit wurde die Produktion in diesem Bereich heruntergefahren.“

Zwar finde Flanellwäsche jetzt verstärkt Abnehmer, doch sensationell sei der Absatz bei Dessous, sagt Andrea Bous vom gleichnamigen Textilhaus in der oberen Louisenstraße. Für das Traditionsgeschäft, mittlerweile seit drei Generationen in Familienhand, war das Jahr 2010 „sehr zufriedenstellend“. Genauso wie für Schuhhändler Bickel, wo sich derzeit dicke Winterstiefel und warme Hausschuhe am besten verkaufen. „Die Konsumenten erwarten wieder mehr Qualität“, so Sylvia Frieder. Geiz ist geil sei nicht mehr angesagt.

Bei Hillmann Moden hat der Umsatz in den vergangenen Tagen „deutlich angezogen“: Hemden, Strickjacken und Pullover sind auch als Festgeschenke gefragt. Inhaber Frank Sadtler: „Die Trendfarben sind kräftige Töne, Beerenfarben zum Beispiel.“ Während im neuen Louisencenter von „überdurchschnittlichen Erlösen“ die Rede ist, erwartet Susanne Siedlecki, Filialleiterin der Drogerie Müller, in den letzten Tagen vor Weihnachten den „Hauptschub“. Im Spielwarensegment seien Klassiker wie Lego und Playmobil, aber auch Filly-Pferde und Tiptoi-Produkte begehrt. „In der Kosmetikabteilung sind in diesen Wochen die Geschenksets der Renner.“

Der Homburger kümmert sich aber nicht nur darum, was an und auf seinen Körper kommt – zum Christfest soll auch etwas hinein. Zum Beispiel Hummer und Gänse. Die werden bei Feinkost Lautenschläger in Mengen vorbestellt. Dazu müssen viele Präsentkörbe gepackt werden. „Vierzig Leute sind jeden Tag im Einsatz“, so Andreas von der Brüggen. Für andere Bedürfnisse ist Günter Lang zuständig. Als Inhaber der 1903 gegründeten Buchhandlung Supp’s empfiehlt er „den neuen Asserate“. Sein vorläufiges Resümee ist positiv – immerhin sei das Weihnachtsgeschäft der Hauptverdienst des Buchhändlers. Auf einen bestimmten Bestseller könne man sich in diesem Jahr nicht stützen: Koch- und Reisebände gingen genauso gut wie Loki Schmidt, Franzen und die Schopenhauer-Biografie. Nur Glatteis dürfe es nicht geben: „Dann bleibt die Laufkundschaft weg.“

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