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Sonja Meyer war zu Gast bei Martina Gedeck.
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Sonja Meyer war zu Gast bei Martina Gedeck.

Bad Homburg

Karten als „Stück vom Glück“

  • Fabian Böker
    VonFabian Böker
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Sonja Meyer und Rolf Schmidt genießen Teilhabe dank Ticket-Vermittlung der Kulturloge.

Für die einen sind es einfach nur Eintrittskarten. Für Sonja Meyer sind es Trophäen. Es sind wertvolle Schätze, die sie an die wunderschönen Stunden erinnern, die sie bei Veranstaltungen verbracht hat. Schöne Stunden, die sich eigentlich nicht leisten kann. Gut, dass es für Menschen wie Sonja Meyer die Kulturloge Hochtaunus gibt.

Sonja Meyer heißt eigentlich anders. Ein bisschen Scham ist dann doch dabei, wenn man finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Sie ist 44 Jahre alt, wohnt in Bad Homburg, hat zwei Töchter im Teenager-Alter, war lange Zeit alleinerziehend und auch schon Kundin der Bad Homburger Tafel. Kurz: Es könnte ihr besser gehen.

Mit ihren Töchtern und ihrem Partner mal eben so zu einem Auftritt von Comedian Ingo Oschmann zu gehen, würde sie 68 Euro kosten. „Das sind vier GEZ-Gebühren“, sagt sie. Die Dimension wird deutlich.

Wo Wunsch und harte Wirklichkeit aufeinanderprallen, kommt die Kulturloge ins Spiel. Der Verein vermittelt Tickets für Kulturveranstaltungen, die nicht verkauft wurden. An Menschen, die sie sich im Normalfall nicht leisten können. So wie im Fall des Auftritts von Ingo Oschmann am 26. März in Friedrichsdorf. Für Sonja Meyer war der Abend mit dem Comedian „richtig toll“.

Ein Stapel Karten als „Trophäen“

Fängt die 44-Jährige einmal an zu erzählen, gerät sie regelrecht ins Schwärmen. Vor ihr ausgebreitet liegt ein Stapel Karten, „meine Trophäen“, aus ihr heraus sprudeln die zahlreichen Erinnerungen. An eine Lesung von Christian Berkel in Bad Homburg; „das war so genial.“ An das Kammermusikfest in Bad Homburg, das für Sonja Meyer auch „genial“ und „fantastisch“ war. An ein Gitarrenkonzert von Pfarrer Fabian Vogt aus Oberstedten, das „so toll gemacht“ war. An den Kammerchor Kammerchor „Swensk Ton“ aus Frankfurt: „Sensationell. Da habe ich mir hinterher sogar eine CD gekauft“.

Auch von Comedian Vince Ebert könnte sie noch erzählen, von diversen Aufführungen im Kurtheater, vom Fugato-Festival oder von einer Lesung mit Martina Gedeck, die sonst „mal eben 40 Euro gekostet hätte“. Sonja Meyer eigentliches Highlight aber ist, „dass ich da auch dran teilnehmen darf“, egal an welcher Veranstaltung. Diese Teilhabe bleibt Menschen wie ihr sonst meist verwehrt. Sie sieht die Eintrittskarten, dieses kleine Stück Papier, daher als „eine Art Organspende“, als „ein Stück vom Glück“.

Rolf Schmidt ist nicht ganz so euphorisch. Das liegt aber eher an seinem Typ, Schmidt ist eher gemütlich und ruhig. Er ist 60 Jahre alt, wohnt in Bad Homburg, ist alleinstehend und ohne Kinder. Er lebt vom Arbeitslosengeld. Und natürlich heißt auch er nicht Rolf Schmidt. Er sagt, dass er aus gutem Elternhaus komme und in seinem Leben auch alles gut lief. Dann starb 2007 seine Mutter, und es ging bergab für ihn.

Jetzt ist auch er auf die Karten der Kulturloge angewiesen. Er, der „ein Leben lang auf Kultur geeicht war“. Aber mittlerweile muss er bei seinem Geld „in Zehner-Kategorien rechnen“, ein normaler Besuch sei einfach nicht drin. Dank der vermittelten Karten kam Rolf Schmidt in der jüngeren Vergangenheit in den Genuss, Auftritte von Roger Willemsen („ein genialer Mann“) oder Pit Knorr („ein Schmankerl“) zu sehen. Er war bei einem Konzert der Swinging-Castle-Reihe, bei einem Gitarrenduo und bei diversen Jazz-Veranstaltungen in der Marienkirche.

Bevor es die Kulturloge gab, profitierte Schmidt manchmal von den Ermäßigungen seines Bad Homburg-Passes. Wenn er damit aber an der Kasse stand, „wurde ich schon manchmal schief angeguckt“. Das habe sich nun geändert. „Ich sage ganz offen und selbstbewusst, dass ich der von der Kulturloge bin“, so Schmidt. „Dieser Name wirkt ja auch schon ganz anders, geradezu erhaben.“

Rolf Schmidt ist „sehr, sehr dankbar“ für die Arbeit der Kulturloge. Für Sonja Meyer wäre ohne die Tickets das Leben nur halb so schön, wie sie sagt.

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