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Kaiserliches Postamt erstrahlt in neuem Glanz

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Von: Torsten Weigelt

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Antonia und Peter Löw vor der Alten Post  an der Louisenstraße.
Antonia und Peter Löw vor der Alten Post an der Louisenstraße. © Monika Müller

Die Handwerkerfamilie Löw hat das historische Postgebäude gegenüber dem Bad Homburger Kurhaus originalgetreu rekonstruiert und damit so manch eine Herausforderung bewältigt.

Wer die neuen Räume im Dachgeschoss des früheren Kaiserlichen Postamtes beziehen wird, sei noch nicht endgültig entschieden, sagt Eigentümer Peter Löw. Wahrscheinlich eine Werbeagentur. Eines steht aber jetzt schon fest: Die Mitarbeiter werden in einem der prominentesten Gebäude Bad Homburgs residieren und von der Galerie aus einen prächtigen Blick über die Stadt inklusive Weißem Turm und Erlöserkirche genießen. 

Vor einem Jahr haben die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Bau gegenüber dem Kurhaus begonnen. Nun sind im Inneren der modern eingerichteten Büroräume nur noch Kleinigkeiten zu erledigen. „Wir haben es nicht bereut“, sagt Peter Löw. Allerdings hätten sich vor allem während der Wiederherstellung des Daches „immer wieder neue Schwierigkeiten“ aufgetan. 

Dabei ist Löw vom Fach. Die Mitarbeiter seiner Firma, der Willy A. Löw AG, haben in der Rhein-Main-Region schon so manches Dach gedeckt – vom Commerzbank-Hochhaus über die IG-Farben-Gebäude, in denen sich nun die Universität befindet, bis hin zu mehreren Messehallen. Das ehemalige Postamt sei dennoch eine besondere Herausforderung gewesen. „Wir konnten nicht Stück für Stück arbeiten“, schildert Löw. Stattdessen habe man die 23 Tonnen schwere Dachkonstruktion wie einen Hut auf einen zuvor gegossenen Betonrahmen aufsetzen müssen. 

Das Gebäude sei dadurch zeitweise nur noch durch die Geschossdecke geschützt gewesen, schildert Löws Tochter Antonia. So habe das Risiko bestanden, dass Wasser in die darunterliegenden Räume eindringt. Das ist zum Glück nicht geschehen. „Und jetzt sind wir happy, wie es geworden ist.“ 

Auch ihr Vater schwärmt von einem „phantastischen Gebäude“. Dass er es überhaupt habe erwerben können, sei eine Folge der Finanzkrise gewesen – ein früherer Eigentümer war durch den Zusammenbruch der Lehman-Bank in Schwierigkeiten geraten. Die Investitionssumme möchte er allerdings nicht verraten, sie bleibt Familiengeheimnis.

Weil für das Geschäftshaus eine energetische Sanierung unumgänglich war, entschloss sich die Familie Löw zum großen Wurf. Nicht nur die Sandsteinfassade wurde saniert, auch das alte Walmdach mitsamt Uhrtürmchen präsentiert sich nun wieder so, wie es zur Entstehungszeit 1892 ausgesehen hat. Als Vorlage dienten Fotos und Pläne aus der damaligen Zeit. 

Bei einem Bombenangriff war das alte Kaiserliche Postamt im März 1945 stark beschädigt worden. Er hoffe, dass es nun für die nächsten 70 Jahre in der jetzigen Form erhalten bleibe, sagt Peter Löw. 

Wie die neue Frankfurter Altstadt zeige, liege die Rekonstruktion historischer Gebäude derzeit im Trend, so Löw. Dennoch sei selbst er überrascht, wie groß das Interesse der Bad Homburger an der Alten Post mit ihrer wilhelminischen Fassade ist. Bei einer Führung auf Einladung der SPD wollten nun rund 40 Teilnehmer einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Durch das neue Dachgeschoss sind 450 Quadratmeter zusätzliche Bürofläche entstanden. Insgesamt stehen in dem Gebäude 2000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Im Erdgeschoss ist derzeit noch das Handelsunternehmen Butlers mit einem Geschäft vertreten. Bis spätestens 2021 wird jedoch die Taunussparkasse in die unteren beiden Stockwerke ziehen. 

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