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Jeden Tag stellt sich Benjamin erneut vor

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Benjamin Anzer im "Café Rotkehlchen" des DRK Bad Homburg.
Benjamin Anzer im "Café Rotkehlchen" des DRK Bad Homburg. © FR/Roessler

Der 20-jährige Benjamin Anzer arbeitet mit und für Demente. Den Alltag eines "Zivis" beim Roten Kreuz in Bad Homburg beschreibt FR-Mitarbeiterin. Jenny Hinz

Von Jenny Hinz

Am frühen Nachmittag betritt Benjamin Anzer das Zimmer, in dem die Betreuungsgruppe schon auf ihn wartet. Da stellt er sich den Senioren zuerst einmal vor. Genau das tut er jeden Dienstag und Donnerstag als Erstes, denn Benjamin betreut demenzkranke Senioren, die ihn nicht immer wiedererkennen. An zwei Tagen in der Woche bietet das Rote Kreuz in Bad Homburg Menschen mit Demenz im "Café Rotkehlchen" die Möglichkeit, gemeinsam einen schönen Nachmittag zu verbringen.

Nach seiner Ausbildung und dem Fachabitur hat sich der 22-jährige Benjamin Anzer für den Zivildienst beim DRK entschieden. "Ich wollte gern Menschen helfen, die in ihrem Alltag auf Pflege und Betreuung angewiesen sind", erklärt der junge Mann aus Usingen. Von Oktober bis Juni arbeitet er in Bad Homburg und betreut pflegebedürftige Menschen. Er bringt ihnen Essen nach Hause, geht bei Bedarf für sie einkaufen oder kümmert sich um Aufgaben im Haushalt, die die Senioren selbst nicht mehr erledigen können.

Das "Café Rotkehlchen" findet dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr statt. Benjamin kümmert sich dann um die fünf bis sechs Damen, die gemeinsam singen, Spiele spielen oder Erinnerungen aus der Vergangenheit austauschen. "Je nach Wetterlage verbringen wir auch Zeit draußen und unternehmen etwas im Freien", erzählt der Zivildienstleistende. Man müsse sich am Anfang an die Aufgaben gewöhnen und sich auf die Menschen einstellen, aber das gehe recht schnell. "Mir macht die Arbeit mit den Menschen sehr viel Spaß", sagt Benjamin.

Den Beschluss zur Verkürzung der Zivildienstzeit kann Benjamin nicht nachvollziehen: "Ich finde das schwachsinnig, man muss sich schließlich erst einmal einarbeiten. Vor allem die Demenzkranken müssen sich ja auch an die Betreuer gewöhnen und Vertrauen aufbauen". Es sei für die Menschen verwirrend, wenn ständig neue Leute auftauchen.

Da er nach der Zivildienstzeit ein Studium mit der Fachrichtung Logistik beginnen möchte, kommt für Benjamin Anzer eine Verlängerung der neun Monate nicht in Frage. Die Zivildienstzeit ist oft studiumsabhängig, da viele junge Menschen zum Wintersemester mit Ihrem Studium beginnen möchten.

Ihn betrifft die Verkürzung der Zivildienstzeit noch nicht, er könnte sich aber vorstellen, dass die freiwillige Verlängerung eine sinnvolle Möglichkeit für zukünftige "Zivis" darstellen könnte.

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