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Alles im Griff: Darsteller beim "Theater im Park".
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Alles im Griff: Darsteller beim "Theater im Park".

Theater im Park

Die Irren spielen verrückt

Die Premiere des Oberurseler Sommertheaters im Park bietet mal wieder eine ganz ansehnliche Komödie. Von Eva Sigrist

Von Eva Sigrist

Hand aufs Herz, wer diktiert eigentlich jedes Jahr die Premierenbesprechung des Sommertheaters im Park? Richtig, der Wettergott. Und der will, das stand am Donnerstagabend außer Frage, in diesem Jahr ein Lob hören: Die Komödie "Die Irren von Valencia" von Lope de Vega hat den Sommer eingeläutet. Zumindest für die politische Prominenz aus Oberursel und dem Hochtaunuskreis und, jawohl, auch aus Wiesbaden.

Sie alle kamen, sahen und ließen sich verwirren von Irren, die nicht verrückt waren und Verrückten, die an sich irre wurden. Alles gut vermengt mit Liebesfuror und Blicken und Seufzern und richtig guten Sprüchen. Kostprobe: "Je mehr man weiß, desto mehr vermag man zu leiden." Oder: "Irre gibts, die gehen in ein Theater und schauen zu wie andere eine Komödie spielen."

Liebesschwüre und Zickereien

Der Plott der Geschichte ist von verwirrend einfacher Banalität, und muss, da sich am Ende alles wieder geordnet liebt, an dieser Stelle auch nicht referiert werden. Lope de Vega hat Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts rund 1500 Komödien geschrieben, und das ist eben eine davon.

"Wenn du auch verrückt bist, dumm bist du nicht", beschreibt Tomàs, der Verrückte, den verrückt spielenden Floriano. Besser könnte auch Woijtek Wellengers hervorragendes Bühnenbild nicht beschrieben werden: eine auf vielen Ebenen konstruierte Irrenanstalt aus verrückten Stellwänden, verbunden mit offenen und verborgenen Treppen. Verwirrende Verfolgungsjagden im Staccato eingespielter Musik sind hier ebenso überzeugend wie in die Ferne gerichtete Liebesschwüre und Zickereien von Stockwerk zu Stockwerk. Wellenger hat mit diesem funktionalen, abstrakten Bühnenbild durchaus die Möglichkeit eröffnet, die spanische comedia in einen modernen Kontext zu fassen.

Regisseur Andreas Walther-Schroth wollte diese Chance aber offenbar nicht ergreifen, denn seine Schauspieler verharren in historischen Kostümen und Gebärden. So wird das Fazit des klugen Irren Tomàs, "die ganze Welt ist ein Irrenhaus, aber die Insassen merken nichts davon", reduziert auf eine ewig gültige Wahrheit die niemanden anficht.

Dafür hat sich Walther-Schroth und das muss aus Liebe zu seinem Schauspielteam geschehen sein dem Detail verschrieben. Choreographisch genau, auch originell sind die Gebärden und Gesten einstudiert. Väterlich gibt er seinen Schauspielern mit der schmissigen Musik des Trio di Clarone einen Schubs oder zwingt sie zum Anhalten. Und hat für sie so elegant die Szenen strukturiert. Denn einfach ist diese sprachlastige Komödie nicht zu spielen.

Einige Zuschauer empfanden "das alles auch als recht lang", andere hätten gerne lauter gelacht, und wieder andere fragten sich, warum das Theater im Park auf Komödien abonniert zu sein scheint. Begeistert geklatscht haben sie aber dennoch alle. Und wünschten mit Tomàs, dem Irren, für die kommenden Vorstellungen: "Das Wort muss nicht nur lieblich klingen, es muss auch genügend Geld einbringen."

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