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Initiative für Standort-Teilung

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Von: Miriam Keilbach

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Einige Stationen des Waldkrankenhaus erhalten, Demenzkranke verlegen.

Gegen eine komplette Standortverlegung des Waldkrankenhauses Köppern spricht sich eine neue Initiative aus. Die Initiative Patientenorientierte Psychiatrie und Psychotherapie mit einigen prominenten Fürsprechern setzt sich dafür ein, nur einzelne Stationen an die Neubauten der Hochtaunuskliniken in Bad Homburg oder Usingen zu verlegn.

Zu den Initiatoren gehören etwa der ehemalige Geschäftsführer des Waldkrankenhauses, Werner Bierschenk, der ehemalige ärztliche Direktor Eberhard Biniek, der ehemalige Stadtverordnete Erich Gerlach, der evangelische Pfarrer im Waldkrankenhaus, Sven-Joachim Haack, und Patientenfürsprecher sowie Mitarbeiter der Laienhilfe: „Wir wollen nicht das ,gegen oder für einen Standort‘, sondern das ,sowohl als auch‘“, sagt Gerlach. „Die Initiative stellt den Patienten in den Vordergrund.“

„Die Herausforderung ist eine gute oder noch bessere Behandlung, das ist nicht allein eine Standortfrage“, sagt Haack. Mit der Hilfe von Fachärzten hat die Initiative einen offenen Brief an die Gesellschafterversammlung, den Aufsichtsrat und die Geschäftsleitung der Vitos, Träger des Waldkrankenhauses, verfasst. Sechs Punkte haben die Autoren dabei aufgegriffen. 400 Menschen haben die Petition laut Gerlach unterschrieben. Der Brief kommt kurz vor den finalen Abstimmungen etwa im Aufsichtsrat der Vitos, der sich pro Standortverlegung ausgesprochen hatte – allerdings ohne das wirtschaftliche Gutachten zu kennen, so Gerlach.

Die Initiative könnte sich etwa vorstellen, die Gerontopsychiatrie und die Geriatrie, also psychische Krankheiten die mit dem Alter einhergehen, zu verlegen. Das betrifft beispielsweise Menschen mit Demenz oder Altersdepressionen. Diese brauchen aufgrund des Alters einen Anschluss an ein Allgemeinkrankenhaus, damit sie zum Beispiel auch von Internisten betreut werden können.

Die Stationen für Suchtkranke oder Patienten mit Schizophrenie oder Depressionen dürften hingegen nicht verlegt werden. Die Bedürfnisse der Patienten seien an einem anderen Standort nicht so abgedeckt wie in Köppern, so Bierschenk. Die Lage des Krankenhauses erschwere es Patienten, an illegale Drogen zu kommen. Zudem stimme das soziale Umfeld: Das Waldkrankenhaus sei akzeptiert in der Bevölkerung. Zudem sei die Nähe zur Natur gut für die Gesundheit.

Bierschenk sagte: „Die vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten würde es in der Breite am Neubau nicht geben.“ Bei einer Planung seien Therapie-, Freizeit-, Aufenthalts- und Arbeitsräume oft zu teuer, im Waldkrankenhaus gibt es dafür genug Platz. Dort gibt es derzeit sogar ein Lädchen und eine Bibliothek. „Betten sind bei Neubauten der zentrale Punkt in der Planung, aber die Gemeinschafts- und Therapieräume sind entscheidend“, sagt Biniek.

„Dazu spricht die wirtschaftliche Lage für Köppern, wir haben seit Jahrzehnten kein Defizit“, sagt Bierschenk. „Im Rating Bilanz des Landeswohlfahrtverbandes liegen wir auf Platz 1.“ Rund 30 bis 40 Millionen Euro an Steuergeldern würde die Verlegung des Waldkrankenhauses kosten. Bleibt der Standort erhalten, fielen zehn Millionen Euro Investitionskosten an. Bei einem Umzug müsste auch das Waldkrankenhaus dazuzahlen, dafür müsse man medizinisches Personal einsparen, so Bierschenk.

Eine engere Zusammenarbeit wünscht sich die Initiative im Bereich Krisenintervention in Bad Homburg. Würde man diese erweitern und Patienten beispielsweise nach einem Suizidversuch einige Tage behandeln und nicht nach der akuten Versorgung sofort in die Psychiatrie verlegen, könnten Verlegungen vermieden werden, so Haack. Auch die Tageskliniken und die Institutsambulanz, die in Bad Homburg angesiedelt sind, sollen dort bleiben – allerdings zentral und nicht am Neubau der Hochtaunuskliniken.

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