Hier könnte es bald plätschern: Der Spielplatz auf dem Houiller Platz. Foto: Gligoric-Fürer

Diskussion über Wasserspielgeräte

"Matschlösung" ist der Favorit für den Houiller Platz

Offen blieb die Frage: Soll das Wasser in heißen Sommern abgestellt werden? Immerhin können bis zu 600 000 Liter Trinkwasser pro Saison für so einen Spielplatz verbraucht werden.

Friedrichsdorf - An Ort und Stelle lassen sich Ideen besser veranschaulichen, als auf dem Papier. Dr. Birgit Brigl, Fraktionsvorsitzende der SPD und Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Soziales, Kultur und Sport, hatte die Mitglieder des Gremiums zum Ortstermin auf den Houiller Platz eingeladen. Treffpunkt war an der Tischtennisplatte, den Spielplatz auf der einen und den Springbrunnen auf der anderen Seite im Blick. Denn irgendwie ging es um beides - um den Spielplatz und Wasser, das von den Leitungen des Brunnens abgezweigt werden könne: Es ging darum, dass die Koalition aus FWG, Grünen und SPD im Februar in der Stadtverordnetenversammlung den Wunsch geäußert hatte, am Houiller Platz solle ein Wasser-Erlebnis-Spielplatz eingerichtet werden.

"Jeder hat eine andere Vorstellung von einem Wasser-Spielplatz", räumte Doris Staab, stellvertretende Garten- und Tiefbauamtsleiterin bei der Stadt und zuständig für die städtischen Spielplätze gleich zu Beginn ein. Es gebe da "kleine Lösungen", fuhr sie fort und reichte eine Kopie mit Wasser-Spielgeräten in die Runde. Darauf zu sehen waren Geräte mit kleinen Rädchen zum Kurbeln, mit Handpumpe oder mit Knopf, mit höhenversetzten Edelstahlbecken, in die das Element Wasserfall-artig fließen kann. Bei diesen Modellen fließt das Wasser nur bei Betätigung der Spielgeräte. Es strömt über die Becken und Rinnen. Und die Kinder können damit spielen, bis es schließlich im Sand versickert - und zu Matsch wird.

Ein Gerät dieser Variante, so Staab, verbrauche zwischen 300 000 und 600 000 Liter Wasser pro Saison und koste gut 35 000 Euro. "Und bei Wassermangel in einem heißen Sommer?", wollten weitere Mitglieder wissen, "stellt man das Wasser dann ab?" Eine Frage, die noch geklärt werden muss.

Staab zeigte noch das Foto eines Beispiel-Wasserspielplatzes, der in Bad Nauheim angelegt worden ist. Kosten hier etwa 230 000 Euro. Wasserverbrauch: Nicht bekannt. Das Wasser fließe in einem Kreislaufsystem, müsse immer Badewasserqualität haben und die Anlage erfordere häufige Reinigung, Kontrolle und Wartung, sagte sie. Ein solches Vorhaben auf dem Houiller Platz zu verwirklichen, erschien den meisten Ausschussmitgliedern als zu hoch gegriffen.

Eine Bereicherung für den Houiller Platz

Die FWG-Mitglieder waren sich rasch einig darüber, dass sie die "Matschlösung", wie Martina Ropel (FWG) sie nannte, bevorzugen: "Vielleicht zwei solcher Geräte", schlug Claudia Schlick (FWG) vor. "Das Wasser soll erst von den Kindern beim Spielen angefordert werden", waren sich Ropel und Ruth Hübner-Gerling (FDP) einig. Wenn auch die FDP-Politikerin der Verwirklichung dieses Projekts etwas kritischer gegenüber stand. Für die FWG dagegen sind Wasserspielgeräte eine Bereicherung für den Houiller Platz. "Ein Alleinstellungsmerkmal", wie Schlick formulierte.

"Aber wo machen sich die Kinder ihre matschigen Hände und Füße wieder sauber?", wollte Hübner-Gerling wissen. Die Vermutung, die prompt einige scherzhaft äußerten, lag nahe: "Im Springbrunnen." Das aber sei keine gute Idee, weil dann die Pumpenanlage des Brunnens vom Sand verstopft werde, warf Amtsleiter Lars Plitt-Geissler ein. Der Brunnen übrigens verbrauche im Jahr rund 500 000 Liter - nur durch "Verdunstung und Versprühung".

Staab schätzte die Kosten für Anschaffung und Aufbau eines Wasserspielgeräts auf etwa 35 000 Euro. Der FDP-Politikerin fehlten da die laufenden Kosten für Wartung, Reinigung und Instandhaltung. Und wie sehen die Geschäftsleute rund um den Houiller Platz das Thema Wasserspielplatz? "Anwohner und Geschäftsleute haben die Idee angenommen", sagte Schlick, auch seien die Geschäftsleute in die Planung eingebunden: "Die Kosten und die Attraktivität müssen passen. Aber sie dürfen natürlich nicht aus dem Ruder laufen", räumte Schlick ein.

Dann ging es um den Standort der Wasserpumpen: Ein freier Platz von 4,50 Meter ist notwendig für ein Gerät. Dort wo die Bäume stehen wird es eng, so Staab: "Außerdem ist dort kein Sand", man müsse ein Fundament bauen und dabei könnten Bäume Schaden nehmen. Das aber wollten weder Lars Keitel (Grüne) noch Matthias Heinrich (CDU). Die kleine Mauereinfassung am unteren Teil des Spielplatzes wurde schließlich als potenzieller Platz für das Gerät auserkoren: "Die Mauer müsste entfernt werden", sagte Staab, aber dort sei Sand und vom Platz her müsse es reichen.

Schutz vor Vandalismus

Diese Stelle sowie weitere mögliche Stellflächen innerhalb der Spielplatzgrenze werden nun geprüft. Dann wird eine wenig "vandalismusanfällige" Variante der Spielgeräte ausgesucht und die Kostenkalkulation wird aufgestellt. Das Ganze soll als Beschlussvorlage in einer Magistratssitzung besprochen und dann dem Haupt- und Finanzausschuss vorgelegt werden. "Wie sieht es mit den anderen Spielplätzen in Friedrichsdorf aus, gibt es für die dann weniger Geld?", fragte Heinrich noch. Er fand, ebenso wie Hübner-Gerling den Spielplatz in seinem aktuellen Zustand bereits attraktiv. Denn er werde stark frequentiert. 

"Dieses Jahr ist das Vorhaben noch nicht umsetzbar", warf der Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) ein und versicherte ferner: "Die anderen Spielplätze werden nicht unter dieser Investition leiden." Keitel schlug den kompletten Umzug des Spielplatzes an die Stelle des Brunnens vor, um in der Mitte des Houiller Platzes für kulturelle Veranstaltungen oder Feste Raum zu schaffen.

Der Brunnen sei zwar in die Jahre gekommen, bestätigte Plitt-Geissler. Doch das wichtigste Argument dafür, den Spielplatz an seinem angestammten Platz zu lassen, fand Hübner-Gerling: "Der Spielplatz liegt meist im Schatten, der Brunnen aber nicht."

Von Olivera Gligoric-Fürer

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