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Cornelia Genschow  rückt Gräser ins Licht.
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Cornelia Genschow rückt Gräser ins Licht.

Sinclair-Haus

Hommage ans Gras

Eine neue Ausstellung im Sinclair-Haus nähert sich der Natur. Zu sehen sind Werke von Georg Baselitz, Bernd Zimmer und Cornelia Genschow. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

Rund 600 Gemälde, Skulpturen, Installationen fasst die Kunstsammlung der Altana-Kulturstiftung. Die meisten Werke liegen verschlossen im Depot des Inge-Quandt-Hauses. Knapp 30 teils neu gekaufte Kunstwerke aber sind jetzt im Sinclair-Haus neben dem Schloss zu sehen. Alle haben einen Bezug zum Motto der ganzen Sammlung: An die Natur. Von Georg Baselitz hängt zum Beispiel ein bunter Teichrohrsänger im Treppenhaus. Bernd Zimmer lieferte zwei Großgemälde voller Sterne und kosmischer Schleier. Die prägen nun den Erdgeschoss-Raum gleich hinter der Kasse. Letztere bleibt jeden Mittwoch geschlossen. Denn die Stiftung lässt alle Besucher fortan mittwochs kostenlos ins Haus.

Zunächst unscheinbar, bei näherer Betrachtung am eindrucksvollsten ist der von Cornelia Genschow gestaltete Themenraum "Icons Schlosspark". In der Mitte steht eine Vitrine mit einem Buch, in dem zwei Gräser gepresst sind. Eine davon ist die Zarte Binse (Juncus tenuis) - ein zierliches Gewächs, das Cornelia Genschow am 26. Mai in der ungemähten Wiese neben dem Schloss fand. Neunzehn Grasarten mit zumeist poetischen Namen fand die 35-jährige Künstlerin aus Bonn auf diesen paar Quadratmetern: Draht-Schmiele und Englisches Raygras, Flatterbinse, Haar-Hainsimse, Hasenpfoten-Segge und Wolliges Honiggras.

Die Künstlerin barg die Pflanzen aus dem Schlosspark, fotografierte sie, produzierte originalgroße Folien und sprayte die Abbilder schließlich schwarz an die Wände des Themenraumes im Sinclair-Haus. Die zarte Binse platzierte Genschow prominent und übergroß rechts neben der Tür. Nirgendwo sonst kommen Gräser so groß raus.

Unscheinbarer Schatz

Es ist die Mühe wert, findet die Künstlerin. "Gras liefert unsere Nahrungsgrundlage auf allen Kontinenten. Ich habe mir bewusst eine Pflanze ausgesucht, die man eigentlich übersieht. Das unscheinbare Gras spielt eine große Rolle. Es gibt zehntausend Arten auf der Welt." Genschows herbarisierte Fundstücke bleiben auf Dauer in der Altana-Sammlung; die Gras-Graffiti an der Wand bis zum Ende der Ausstellung am 1. November.

Wenige Schritte entfernt findet die Arbeit "Natural Luz" von Richardo Calero ihr Publikum. Der 54-jährige Spanier hat im Taunuswald ein abgefallenes Blatt, eine Samenschote, eine Rispe fotografiert, dann aufgesammelt, auf Papier fixiert und fotokopiert. Während das Original lichtgeschützt weggeschlossen war, ließ Calero die Kopien zwei Jahre lang in freier Natur altern. Im Sinclair-Haus hängen nun beide Versionen nebeneinander - als Hinweise auf die Endlichkeit des Lebens.

Wer dem wenig abgewinnen kann, der hat noch das Ölgemälde "Laubentor" von Markus Lüpertz als Anschauungsobjekt. Und Roni Horns Groß-Fotografien von Themse-Wellen, die sich nur einen Moment in der ganzen Ewigkeit genau so gekräuselt haben. Als surrealen Aspekt integrierten die Kuratoren Andrea Firmenich und Johannes Janssen das rätselhafte Okapi von Stefan Mannel in die Ausstellung. Und die Figurengruppe von Elke Härtel: Drei zottelige Ameisenbären aus Polyurethan, die sich den zitzen- oder wurmartigen Auswächsen an der rechten Fußsohle einer nackten weißen Frau nähern.

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