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An Nadine Schuberts launigem Vortrag über ihr (durchaus normales) Leben ohne Plastik gab es reges Interesse. Die Autorin freute sich, dass auch einige Männer gekommen waren.

Ein halber Kurpark voller Plastik

Bad Homburger produzieren 2000 Tonnen Verpackungsmüll pro Jahr

Problem Plastikmüll: Welche Massen die Bürger inzwischen produzieren und wie einfach sich der Verpackungsberg reduzieren ließe.

Bad Homburg - Eine TV-Reportage über Tiere, die mit Plastik im Magen verendet waren, hat Nadine Schubert zur Aktivistin werden lassen. Seit 2013 sammelt sie Informationen zum Thema Plastik, hat einen Blog und zwei Bücher geschrieben, war 17 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. "Ich habe einen Mann und zwei Kinder", erklärte sie den rund 150 Besuchern. "Will heißen, Leben ohne Plastik geht auch als Familie." Es gebe nur keine Überraschungseier, aber das hätten die Kinder verziehen. Und keine Tetra Paks; ihr Mann trage die Pfand-Glasflaschen.

Launig erklärte die 38-Jährige, wie jeder etwas dafür tun kann, um den täglichen Berg an Verpackungsmüll zu reduzieren. Dabei ist sie pragmatisch statt dogmatisch - etwa wenn es darum geht, vorhandene Plastik-Gefäße dauerhaft zu nutzen.

1,8 Millionen Coffee-to-go-Becher weggeworfen

Wie viel Plastikmüll allein die Bad Homburger produzieren, erläuterte Daniela Münzing, seit Jahresbeginn Abfallberaterin der Stadt. 2018 waren es 2000 Tonnen. "Nur Leichtverpackungsplastik - damit kann man den halben Kurpark bedecken." Hartplastik komme noch hinzu. Zudem würden in der Kurstadt pro Jahr rund 1,8 Millionen Coffee-to-go-Becher weggeworfen. Abfallvermeidung sei für die Stadt oberstes Ziel, so Münzing, die beim städtischen Betriebshof auch berät, wie das geht.

Eine Maßnahme war am Dienstagabend diese Premiere: eine Lesung zum Thema an einem ungewöhnlichen Ort, dem Gewächshaus am Kurpark. Weitere sollen folgen. Hier saß man zwar auf Plastikstühlen, doch die Getränke gab's mit Papp-Strohhalm. Ein Anfang.

Von Anke Hillebrecht

Tipps von der Bestseller-Autorin

Okay, die Lichtschalter und der Staubsauger sind auch im Hause Schubert aus Plastik. "Aber die haben wir ja auch länger", sagt die Autorin lächelnd. Lebensmittel-Verpackungen hingegen können vermieden werden. 

Einige Beispiele: Tetra Paks sind kaum recycelbar. Fast alle Getränke gibt es auch in Glas - dann am besten Pfandflaschen nehmen. Plastikflaschen sind nicht nur weltweit die größte Plastik-Mülllast, die Weichmacher darin sollen auch impotent machen.

Frischkäse gibt's im Handel nur in Plastik. Doch den kann man aus Joghurt selbst machen. Die überschüssige Molke nimmt Schubert (mit Citrussäure) als Badreiniger.

Nudeln, Nüsse, Haferflocken und andere lose Lebensmittel erhält man in Unverpackt-Läden ohne Plastik - einfach eigenes Schraubglas mitnehmen. Auch in Friedrichsdorf gibt es einen Laden.

Wegen der Hygiene-Vorschriften darf die Tupperdose an der Wurst- oder Käsetheke nicht hinter die Theke, obendrauf aber schon.

Auch im Bad kann man Plastik sparen

Viel Plastik kann man im Bad sparen. Generell Duschgel durch ein Seifenstück ersetzen (Schubert: Die gibt's auch mit männlich-herber Geruchsnote, heißt "Adonis"). Shampoo ist ebenfalls am Stück erhältlich. In Duschgel ist oft Mikroplastik enthalten, das durch den Abfluss ins Meer fließt.

Das Tragische an Männer-Duschgel ist, dass deren meist schwarze Plastikflaschen in Sortieranlagen oft nicht erkannt werden. Auch harte Plastikschalen mit weichem Deckel lassen sich nicht recyclen.

Bei Zahnpasta und Sonnencreme wird's schwierig. Übers Internet gibt es Bio-Produkte ohne Plastik.

Wegen Waschmittel hat Nadine Schubert ihre 90-jährige Tante gefragt, wie man früher wusch. So kam sie auf die Zutaten (Bio-)Kernseife und Soda, die auch heute noch zu bekommen sind.

Putzen ohne Plastik

Für Putzmittel nimmt sie Essig und Citrussäure. Oder Molke. Ähnlich entsteht Klarspüler, er kommt in die alte Plastik-Sprühflasche.

Tabs ade: Für die Spülmaschine mixt sie ein Pulver aus Soda, Citronensäure und Kernseife-Flocken. Alter Kaffeesatz macht den Grillrost sauber und vertreibt Blattläuse.

Lippenstift: Das Innere gibt es zum Nachfüllen in Papier.

Zum Eincremen statt Body-Lotion Kokos- oder Olivenöl nehmen.

Biomüll in Zeitungspapier einschlagen. "Recyclebare" Plastiktüten sind nicht kompostierbar. 

ahi

Weitere Infos im Blog

Viel Wissenswertes erläutert Nadine Schubert lesenswert auf ihrer Seite www.besser-leben-ohne-plastik.de/. Dort ist auch ihr Blog, in dem man Fragen stellen kann. Weitere Rezepte stehen in ihren Büchern.

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