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Peter Lingens versammelt für das Museum im Gotischen Haus Gemälde des Homburger Malers Carl Stolz aus dessen Frühwerk.

Carl Scholz

Bad Homburg entdeckt einen Maler neu

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Das Städtische Museum fahndet nach dem „anderen Carl Stolz“.

Viele Rückläufe auf die Anfrage des Städtischen historischen Museums von Bad Homburg hat es nicht gegeben. Seit Ende September wurden Kunstwerke aus der Frühphase des ortsbekannten Malers Carl Stolz gesucht. „Fünf Personen haben sich mit uns in Verbindung gesetzt“, sagt Peter Lingens, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Gotischen Haus und Kurator der kommenden Stolz-Ausstellung. „Hier ist eher die späte Schaffenszeit präsent.“

Gemeldet hat sich aber – „unser großes Glück“ – die in der Kurstadt ansässige Familie Mais, eine wertvolle Leihgabe offerierend. Zu dem damit vorliegenden Teilnachlass des 1894 in Frankfurt geborenen Malers gehört eine Mappe mit Skizzen und Studienblättern aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Was die Familie stets im Haus behielt, stammt von der Ehefrau des Künstlers, einer geborenen Mais. Dass auch die Nachfahren von Carl Stolz – heute in Homburg, Oberursel und in Westfalen beheimatet – ein Album mit Fotografien, Zeitungsausschnitten und persönlichen Notizen zur Verfügung gestellt haben, befeuert die Spurensuche zusätzlich.

Obwohl sich zahlreiche Bilder des Künstlerbund-Taunus-Mitbegründers in örtlichen Privathaushalten und im hiesigen Museumsdepot befinden, ist die Auswahl zur Ära 1920 bis 1935 recht überschaubar. „Niemand kennt den spannenden, frühen Carl Stolz“, so Lingens. Was sich nach nationalsozialistischer Kulturbeeinflussung nur noch konventionell, fast bieder, ausdrückt, hatte in seinem Anfang spätimpressionistische Klasse. Mehrere Dutzend dieser qualitativ feinen Arbeiten sollen ab dem 7. April unter der Überschrift „In neuem Licht“ im Museum Gotisches Haus ausgestellt werden.

Entdeckungen sind garantiert

Schon jetzt, im Angesicht der von Peter Lingens zusammengestellten Auswahl, kommt Vorfreude auf. Entdeckungen sind garantiert. Stark im Gestus das 1924 geschaffene und heute im Besitz des Museums befindliche Selbstporträt: ein junger Mensch, seiner Berufung folgend, allen Widerständen trotzend. Fast neusachlich ausgreifend die Porträts von Knabe und Mädchen, der Homburger Schlossgarten von 1922, ein sieben Jahre danach in Szene gesetzter „Skifahrer an der Saalburg“. „Bei der Motivfindung kannte er keine Grenzen.“

Eine Pinselführung, die auch die in der Mais-Mappe geborgenen Atelier-Szenen auszeichnet, nach 1935 aber restlos abhandenkommt. Zum „Hauptstück“ der Präsentation ist das 2,04 mal 1,55 Meter große „Die vier Lebensalter“ erkoren – einst Bestandteil der Stolz’schen Wohnstatt in der Brendelstraße 6, seit April 2018 im städtischen Eigentum. Eine ähnliche Monumentalmalerei ist im Weltkriegs-Fanal untergegangen: Nur auf einer historischen Fotografie hat sich jener ausgreifende und 1933 für die Restauration im Frankfurter Hauptbahnhof gestaltete „Blick auf Homburg von Südwesten“ erhalten.

Es ist rätselhaft, warum der in Weimar ausgebildete und zur „verlorenen Generation“ gerechnete Berufsmaler seine Handschrift aufgegeben hat. Die sich entwickelnde Bundesrepublik erlebt den angesehenen und oft ausgestellten Homburger als „Stilist gefälliger Sujets“. Vier Kinder sind zu ernähren, im Dachgeschoss-Atelier Dorotheenstraße 4 entsteht der Verkaufsschlager „Blick auf Homburg vom Platzenberg“. Die handkolorierte Lithografie erreicht Serienreife, wird von der Stadtverwaltung erworben und dutzendfach zu Jubiläen oder Geburtstagen verschenkt. Auch der Friedhofswärter Herr wird zum Abschied nach langen Dienstjahren mit dem populären Motiv geehrt.

Am 15. Januar 1978 stirbt Maler Stolz hochbetagt. Seine Bilder der 50er und 60er Jahre halten ihn im öffentlichen Gedächtnis, bis in unsere Tage. „Es ist an der Zeit, auch den anderen Carl Stolz kennenzulernen“, sagt Peter Lingens. Den künstlerisch Wagemutigen, den impressionistisch Berufenen. Dafür sind jetzt alle Voraussetzungen geschaffen.

„In neuem Licht“ ist die kommende Ausstellung zum Frühwerk des Bad Homburger Malers Carl Stolz überschrieben. Eröffnet wird sie am 7. April im Museum Gotisches Haus, Tannenwaldweg 102. Ein Katalog ist geplant. Im Blickpunkt stehen Kunstwerke, die zwischen 1920 und 1935 entstanden sind. Diese Phase gilt als die bedeutendste innerhalb des Stolz-Oeuvres. Peter Lingens wird am 19. Mai einen Lichtbilder-Vortrag zu dem bekannten Homburger Künstler halten. Schauplatz ist ab 15.30 Uhr das Städtische historische Museum im Gotischen Haus. Infos: www.bad-homburg.de/museum.

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