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Noch ist einiges zu tun. Arbeiter verputzen die Wände im zweiten Obergeschoss des Bad Homburger Schlosses.

Schloss

Bad Homburg: Decke in Kaiserwohnung wieder stabil

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Die Arbeiten in der einstigen Wohnung des letzten deutschen Kaisers im Bad Homburger Schloss sollen im Herbst 2020 abgeschlossen sein. 

Die Wände sind kahl, lose Kabel baumeln von der Decke, und noch muss man sich auf Holzplatten durch das zweite Obergeschoss des Königsflügels bewegen. 

Vor acht Jahren musste der Gebäudetrakt des Bad Homburger Schlosses, in dem sich die einstige Wohnung des letzten deutschen Kaiserpaares befindet, wegen Problemen mit der Statik geschlossen werden, sogar von Einsturzgefahr war die Rede. Die Folge waren eine langwierige Sanierung und immer neue Prognosen, wann der Königsflügel wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein würde. 

Das Wichtigste sei inzwischen geschafft, versichert der Direktor des zuständigen Landesbetriebes Bau und Immobilien Hessen (LBIH), Thomas Platte. Gemeinsam mit „Hausherrin“ Kirsten Worms, der Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten (VSG), präsentierte er nun bei einem Baustellenrundgang die Fortschritte. Beide sind optimistisch, dass die Arbeiten im Herbst 2020 endgültig abgeschlossen sein werden. 

Grund für die statischen Probleme waren nach den Erkenntnissen der Fachleute Umbauten, die der Darmstädter Baumeister Georg Moller bereits im 19. Jahrhundert vorgenommen hatte. Dabei waren zwei Gebäudeteile zusammengefügt worden, um unter anderem einen großen repräsentativen Speisesaal zu schaffen. Allerdings sei dabei auch erheblich in die historische Tragstruktur eingegriffen worden. 

Um die Lasten abzufangen, hatte Moller einen großen hölzernen Bogen konstruiert, an dem die Decken aufgehängt wurden. Das sei damals auch eine „tolle Ingenieurskunst“ gewesen, lobte Thomas Platte. Doch mit den Jahren habe sich das Holz so stark verformt, dass es auf die Decken drückte, statt sie zu tragen. Risse und Bodensenkungen waren die Folge. 

Bad Homburg: Alte Fliesen im Ankleidezimmer der Kaiserin

Um den Königsflügel zu stabilisieren, war bereits 2013 eine Hängekonstruktion aus Stahl eingebaut worden. Diese verhindere weitere Verformungen, erklärte der LBIH-Direktor. Die Summe der Schäden habe aber zusätzlich eine intensive Instandsetzung von Decken und Wänden erforderlich gemacht. Immer wieder seien neue Lösungen beim denkmalgerechten Umgang mit der historischen Bausubstanz nötig gewesen, begründete Platte die jahrelange Dauer der Arbeiten. 

Zumal gleichzeitig auch die technische Infrastruktur erneuert worden sei. Dadurch sei es etwa möglich geworden, die Kronleuchter in der kaiserlichen Wohnung im ersten Obergeschoss des Königsflügels wieder zu elektrifizieren, wie es auch schon zu Zeiten von Wilhelm II. der Fall war. 

Ziel sei, das Appartement möglichst originalgetreu zu rekonstruieren, kündigte Kirsten Worms an. Das sei dank der Quellenlage und der noch vorhandenen Einrichtungsgegenstände auch gut möglich. 

Durch die laufenden Arbeiten sind zudem einige Ausstattungsdetails wiederentdeckt worden, die jahrzehntelang hinter Wandverkleidungen versteckt waren. So kamen im ehemaligen Ankleidezimmer von Kaiserin Auguste Viktoria Abdrücke von Fliesen im Delfter Stil zum Vorschein, vor denen ursprünglich eine Badewanne gestanden hatte, die wiederum von einem großen Schrank umschlossen war. 

Der Schrank sei bereits in den 1920er Jahren abgebaut worden, erläuterte Nils Wetter, der sich in der Schlösserverwaltung um Bauangelegenheiten und Denkmalpflege kümmert. Doch das mächtige Möbel sei noch vorhanden und soll demnächst auch wieder an seinem alten Platz aufgestellt werden. 

Das Kaiserappartement soll wieder orginalgetreu eingerichtet werden.

Bis dahin gilt es aber erst einmal, Stuck, Verputz, Tapeten oder Wandbespannungen in den historischen Räumen zu restaurieren. Die Arbeiten dazu sind bereits in vollem Gange. So sind im früheren Speisesaal Spezialisten dabei, Risse zu schließen und die mit Stuckmarmor ausgekleideten Wände auszubessern. „Das ist eine arbeitsintensive handwerkliche Technik“, erläuterte der Leiter der Restaurierungsabteilung im Schloss, Ulrich Haroska. In einem weiteren Schritt sollen auch die Deckengemälde mit Hilfe von Leimfarbe erneuert werden. 

Parallel dazu werden die Einrichtungsgegenstände restauriert. Zum Teil sei deren Stoffbespannung noch im Original vorhanden, wie etwa bei zwei Stühlen aus dem früheren Schlafzimmer der Kaiserin. „Die haben wir nachweben lassen“, berichtete Haroska. 

Allein für die Restaurierung der Ausstattung benötige man 1,5 Millionen Euro, teilte Kirsten Worms mit – wobei ein Großteil der Arbeit sogar vom eigenen Personal übernommen werden könne. Finanziell unterstützt wird das Ganze vom Kuratorium Bad Homburger Schloss, das vor 35 Jahren zur Sanierung der Schlosskirche entstanden war. Zunächst in Form einer Stiftung, seit Anfang 2018 unter dem Dach des Kuratoriums selbst sammelt es private Spenden zur Restaurierung ausgewählter Einrichtungsgegenstände. Mehr als 50 Objekte konnten dadurch bereits wiederhergestellt werden. 

Für die Sanierungsarbeiten veranschlagt der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen 7,7 Millionen Euro. Er gehe davon aus, dass das Budget eingehalten werden könne, betonte Direktor Thomas Platte. Schließlich seien die ersten Bauabschnitte bereits abgerechnet – und zwar im vorher kalkulierten Kostenrahmen. Für den dritten Bauabschnitt habe man auch bereits „alle Firmen an Bord“. Derzeit sei man dabei, noch einige restauratorische Arbeiten auszuschreiben. 

Was die Präsentation der künftigen Ausstellung angeht, will Kirsten Worms nicht nur auf den Charme des Historischen setzen. Es sei auch an „didaktische Räume“ unter Einsatz moderner Technik gedacht. „Wir wollen alle Sinne der Besucher ansprechen“, betont sie. In Planung sei darüber hinaus eine „Kaiserzeit-App“.

Das Schloss im Überblick:

Schloss Homburg wurde unter Landgraf Friedrich II. von dem Baumeister Paul Andrich um 1679–86 anstelle einer mittelalterlichen Burg errichtet. Letztes Relikt der Burg ist der begehbare „Weiße Turm“ aus dem 14. Jahrhundert, der als Wahrzeichen der Stadt Bad Homburg gilt.

Die barocke Schlossanlage wurde im frühen 19. Jahrhundert durch den Darmstädter Hofbaumeister Georg Moller und nochmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts baulich verändert. Das Schloss war bis 1866 Residenz der Landgrafen von Hessen-Homburg und diente danach den preußischen Königen und deutschen Kaisern als Sommersitz.

Wegen der Sanierungsarbeiten im Königsflügel kann derzeit nur ein Teil der Schlossanlage besichtigt werden. Geöffnet ist der sogenannte Englische Flügel mit dem Appartement von Landgräfin Elisabeth (1770–1840).

Führungen durch das Schloss werden derzeit stündlich von 10 bis 14 Uhr angeboten, ab März bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche zahlen einen Euro beziehungsweise 1,50 Euro.

Der Schlosspark und die Schlosshöfe sind frei zugänglich. Die Tore zum Park sind täglich bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet.

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