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Anprobieren mach Spaß: Beim „Jedermannverkauf“ lassen sich Schnäppchen machen.

Jedermannverkauf

Zweites Leben für gute Sachen in Bad Homburg

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Im Caritas-Laden kaufen Familien mit geringem Einkommen günstig ein. Beim Jedermannverkauf zweimal im Jahr darf jeder zuschlagen.

Der „Jedermannverkauf“ zum Saisonwechsel ist ein besonderer Tag im Caritas-Laden. Kleiderständer in der Hofeinfahrt des schlichten Hauses in der Dorotheenstraße, in dem auch die Communità Cattolica Italiana Räume besetzt, weisen den Weg. Direkt hinter der Eingangstür leuchtet im Morgenlicht dezenter Luxus auf. Braut- und Ballkleider, ein knallrotes Kleid mit Tüll, Schleifen und Perlen am Dekolleté ist der Blickfang. Beim Glockenschlag 10 Uhr von der benachbarten Erlöserkirche strömen Dutzende Frauen, Männer und Kinder in den Laden mit den kleinen Verkaufsräumen. Menschen, die nicht für ein Ballkleid kommen – Alltagskleidung für kleines Geld ist das, was sie suchen.

Die Damen, die im Team von Projektkoordinatorin Andrea Drümmer ehrenamtlich arbeiten, wissen um den Zwiespalt, der sich hier auftut. Das rote Schmuckstück, einmal getragen beim Wiener Opernball, hat eine Homburgerin vorbeigebracht, sie brauchte es nicht mehr nach dem Auftritt. Reiches Bad Homburg, bedürftiges Homburg, so ist das eben in der Kurstadt. Aber: „Die Kunden sind dankbar für schöne Sachen, wir bekommen hier auch ganz tolle und hochwertige Kleidung“, sagt Ingrid Bergauer, die mit Monika Loose eine Kasse betreut. Man müsse das auch pragmatisch sehen. „Wir profitieren vom Reichtum.“

Das ist die Idee: Solidarität und Unterstützung. Die Caritas will dazu beitragen, dass Familien und Alleinstehende mit geringem Einkommen auch gute Ware günstig einkaufen können. Dafür gibt es eine Kundenkarte, sie wird mittwochs und samstags gegen Vorlage eines Einkommensnachweises ausgestellt. An vier Tagen in der Woche ist der Laden geöffnet. Neben Kleidung und Schuhen wird Babyausstattung verkauft, Kinderwagen, Spielzeug, Bettwäsche und Haushaltswaren gehören zum Angebot, das komplett aus Spenden stammt.

„Jedermannverkauf“ zum Saisonwechsel

Der „Jedermannverkauf“ zum Saisonwechsel ist der etwas andere Tag. Nicht nur, weil der Laden dann für alle offen ist, ob mit oder ohne Kundenkarte. Zweimal im Jahr, im Februar und im September, lautet das Motto „Alles muss raus“, wie einst beim Winter- oder Sommer-Schlussverkauf in großen Kaufhäusern, als die Wühltische mit der Öffnung der Türen gestürmt wurden. Kurz vor zehn Uhr versammelt Andrea Drümmer ihr helfendes Damen-Dutzend und den jungen Gimie Salih aus Eritrea um sich, wünscht „viel Erfolg und vor allem einen guten Geist“ bei der Lagerräumung. Binnen Minuten herrscht multikulturelles Gedränge in den kleinen Räumen mit improvisierten Umkleidekabinen, getrennt für Kinder- und Erwachsenenkleidung, das Büro dient als Ausweich-Garderobe mit Spiegel. Gimie Salih kann bei Fragen auch dolmetschen.

Gehandelt wird im Caritas-Laden nicht, Flohmarkt-Atmosphäre soll nicht entstehen. „Es geht schon auch um den Wert der Dinge“, sagt Andrea Drümmer. Das ist für die Kunden wichtig, auch die Spender brauchen ein gutes Gefühl, dass ihre Spende an einen „guten Ort“ kommt, wie sie es bei der Caritas nennen. Preise für Haushaltswaren, Porzellan, schöne Gläser, Schmuck werden festgesetzt, in dieser Abteilung mischen sich Schnäppchenjäger unter diejenigen, die hier aus dringender Bedürftigkeit einkaufen und den Laden mit großen gefüllten Ikea-Taschen verlassen. Winterklamotten für Erwachsene – beim „Jedermannverkauf“ geht alles für einen Euro über den Tisch, auch Schuhe. In der Kinderabteilung wird alles für 50 Cent verkauft. Das rote Ballkleid soll ein bisschen mehr kosten.

Der Caritas-Laden in der Dorotheenstaße 11 ist Mittwoch bis Samstag von 10 bis 13 Uhr, Mittwoch und Freitag auch von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Das gilt auch für die Annahme von Spenden. Kundenkarten werden mittwochs und samstags von 10 bis 12.30 Uhr ausgestellt.

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