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Ralf Gandenberger kämpft für bessere Radwege in Bad Homburg.

Bad Homburg

Bad Homburg auf letztem Platz bei Fahrradklimatest

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Beim ADFC-Fahrradklimatest hat Bad Homburg den letzten Platz in Hessen belegt. Ein Interview mit Ralf Gandenberger von der lokalen ADFC-Gruppe.

Beim Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist Bad Homburg hessenweit auf dem letzten Platz gelandet. Woran das liegt und was sich aus seiner Sicht ändern muss, erklärt Ralf Gandenberger vom ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf im FR-Interview.

Herr Gandenberger, wie gefährlich ist es, in Bad Homburg mit dem Rad zu fahren?
Ich zähle mich zu den unerschrockenen Radlern. Aber auch ich habe Angst, beispielsweise über den Hessenring zu fahren. In Bad Homburg gibt es insgesamt kaum Radwege, auf denen man wirklich sicher ist. Und das schreckt leider viele Alltagsradler ab. Laut Untersuchungen nutzen 60 Prozent der Bevölkerung nur dann das Rad, wenn die Bedingungen gut sind.

Bad Homburg belegt im ADFC-Fahrradklimatest mit der Note 4,54 hessenweit den letzten Platz. Welche Note würden Sie selbst vergeben?
4,5 bis 5 ist aus meiner Sicht eine angemessene Benotung.

Wo liegen die größten Defizite?
Insgesamt fehlen einfach Radwege. Die, die es gibt, sind oft in einem schlechten Zustand. Und wenn von der Stadt etwas gemacht wird, geschieht das meist nur halbherzig.

Woran liegt das? Immerhin gab es mit Michael Korwisi fünf Jahre lang einen grünen Oberbürgermeister und auch sein Nachfolger, Alexander Hetjes (CDU), hat immer wieder betont, dass er den Radverkehr stärken will...
Wenn man dem Radverkehr mehr Flächen zuweist, müsste man sie dem Autoverkehr wegnehmen. Und da scheinen in der Politik manche querzuschießen. Es wäre an der Zeit, dass der Oberbürgermeister und die anderen Verantwortlichen an der Stadtspitze die Förderung des Radverkehrs wirklich zur Chefsache machen. Wir befürchten aber, dass nach dem katastrophalen Ergebnis des Fahrradklimatestes nun zwar nach außen einiges versprochen wird, aber faktisch nicht viel passiert.

Das Stadtparlament hat Ende 2018 ein Radverkehrskonzept beschlossen, das mehr als 80 Einzelvorhaben beinhaltet. Außerdem gibt es seit etwa einem Monat eine Radverkehrsbeauftragte im Rathaus. Sind das nicht erfreuliche Signale?
Es sind erste Schritte. Wir haben die Beschlüsse im vergangenen Jahr auch öffentlich gelobt. Doch jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Leider sehen wir bislang noch keine echten Fortschritte. Aus unserer Sicht müsste in Verkehrsfragen grundsätzlich zugunsten des Fahrrads entschieden werden.

Der ADFC war aber immerhin im Arbeitskreis Radverkehr mit dabei, der das Konzept erarbeitet hat...

Zur Person

Ralf Gandenberger ist Sprecher des Arbeitskreises Radverkehr im ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf. Der 57-Jährige lebt seit 1996 in der Kurstadt. Der Arbeitskreis hat aktuell 20 Mitglieder.

Am Fahrradklima-Test 2018 haben sich 285 Bad Homburger beteiligt. Die Gesamtnote hat sich gegenüber 2016 noch einmal von 4,4 auf 4,5 verschlechtert. 2012 lag sie bei 4,1. (twe)

Ja, aber wir konnten unsere Ideen leider nur sehr eingeschränkt durchsetzen. Das Konzept ist stark von Kompromissen geprägt und enthält sogar einige Vorschläge, die nicht dem Stand der Technik entsprechen. So sind auf manchen Straßen viel zu schmale Schutzstreifen vorgesehen. Das ist etwas, das wir nicht mittragen können, wenn es so umgesetzt werden sollte.

Was würden Sie selbst als Erstes tun, wenn Sie freie Hand hätten?
Das Wichtigste wäre, gute durchgehende Verbindungen vom Bahnhof und aus den Stadtteilen in die Innenstadt zu schaffen. Außerdem könnte die Stadt Fahrradstraßen einrichten, in denen Radfahrer Vorrang haben. Dafür würden sich beispielsweise die Elisabethen- oder die Dorotheenstraße gut eignen.

In der Diskussion um das Stadtentwicklungskonzept haben die Planer vom Büro Albert Speer auch die Kaiser-Friedrich-Promenade als mögliche Fahrradstraße ins Spiel gebracht. Was halten Sie davon?
Das können wir uns auch gut vorstellen. Zwischen dem Schwedenpfad und der Bahnunterführung in Gonzenheim sehe ich da kein Problem. Ansonsten muss man die Auswirkungen auf den übrigen Verkehr berücksichtigen, vor allem auf die Busse, die in Richtung Kirdorf unterwegs sind.

Haben Sie noch weitere Forderungen?
Heute wollen die Menschen auf abgetrennten, sicheren Radwegen fahren. Das Radverkehrskonzept arbeitet überwiegend mit Schutzstreifen, das ist völlig unzureichend. Weiterhin sollte die Stadt die Louisenstraße und auch die Parks freigeben. In der Louisenstraße ist es derzeit nur von 20 bis 9 Uhr erlaubt, mit dem Fahrrad fahren.

Dabei handelt es sich um eine Fußgängerzone. Sorgt das nicht wieder für neue Konflikte?
Die Freigabe müsste man natürlich mit einer Aufklärungskampagne flankieren. Entscheidend ist die gegenseitige Rücksichtnahme. Dass das funktionieren kann, zeigt etwa das Beispiel „Offenbach fährt fair“.

Konnten Sie in den vergangenen Jahren nichts erreichen?
Wir haben immerhin die Freigabe von Einbahnstraßen für Fahrräder in beide Richtungen angestoßen. Da ist auch schon etwas passiert. Allerdings gibt es bislang noch keine Bewegung beim Schulberg. Wenn die Stadt wollte, könnte der Schulberg in der nächsten Woche provisorisch freigegeben sein. Nötig wären nur ein paar Halteverbotsschilder, eine Lösung für die Ampel und Markierungen.

Mit welcher Note rechnen Sie beim nächsten ADFC-Test?
Ich hoffe, dass Bad Homburg in zwei Jahren zu den Aufholerstädten gehört. Wie das geht, hat Wiesbaden vorgemacht. Nötig wäre eine massive Offensive für den Radverkehr. Dafür muss die Stadt aber auch ordentlich Geld in die Hand nehmen. Nur ein paar Markierungen aufpinseln reicht nicht aus. Da sind nun der Oberbürgermeister und die Parteien im Stadtparlament gefragt.

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