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Hörnerklang in der Herberge

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Das Jugendsinfonie-Orchester des Hochtaunuskreises beim Üben.
Das Jugendsinfonie-Orchester des Hochtaunuskreises beim Üben. © FR/Oeser

Wie im Trainingslager: Das Jugend-Sinfonie-Orchester des Hochtaunuskreises hat sich nach Bad Homburg zurückgezogen, um eine Woche lang für sein erstes Konzert zu proben. Von Martina Propson-Hauck

Von Martina Propson-Hauck

Das jüngste Mädchen an der Geige ist gerade mal elf Jahre alt, der älteste Bläser ist 20 und hat sein Abitur bereits in der Tasche. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Schulen des Hochtaunuskreises und kennen sich untereinander kaum. Trotzdem verbringen die 70 Kinder und Jugendlichen jetzt eine Woche zusammen in der Bad Homburger Jugendherberge. Nicht für eine lockere Freizeit, sondern für ein großes Ziel: Sie proben täglich neun Stunden lang für das erste Konzert des Jugend-Sinfonie-Orchesters Hochtaunus. Die erste Hörprobe der Bläser klingt schon ganz vielversprechend. Lars Keitel, der künstlerische Leiter des Projekts, ist trotzdem ziemlich aufgeregt.

Das Projekt ist einzigartig: Als einziger Landkreis in Hessen leistet sich der Hochtaunuskreis ein Jugend-Sinfonie-Orchester. Im Landkreis Offenbach gibt es Vergleichbares, allerdings in Zusammenarbeit mit einer Musikschule.

"Das Orchester soll die Lücke zwischen den Schulorchestern und dem Landesorchester schließen", sagte Landrat Ulrich Krebs gestern bei der Vorstellung der jungen Musiker. Die Mitglieder mussten sich bei einer Art Casting im Februar einer Expertenjury stellen. 150 junge Musikerinnen und Musiker hatten sich beworben, 70 sind genommen worden. Einige seien versierte alte Hasen, die bereits im Landes-Sinfonie-Orchester spielten, andere hätten noch keinerlei Erfahrung in einem so großen Orchester, erläuterte Keitel.

Er koordiniert die Proben der einzelnen Stimmen in der Jugendherberge, in der Erlöser- und Sankt Marienkirche, leitet die Gesamtproben und wird die Konzerte dirigieren. Er sorgt aber auch dafür, dass die jungen Musiker gemeinsam Fußball gucken und sich beim Tischtennis und anderen Aktivitäten von der großen Anspannung erholen können.

Das Programm des ersten Konzerts ist ambitioniert. Dabei ist etwa die West Side Story von Bernstein oder Beethovens Ouvertüre zu "Egmont". Als nur sehr selten gespieltes Stück, zumal von Jugendorchestern, wird Haydns Sinfonia concertante in b-Dur zu hören sein, die vier sehr gute Solisten an der Violine, am Cello, an der Oboe und am Fagott verlangt. "Die haben wir", versichert Keitel. Die Auserwählten sind Noémi Zipperling, Lars Pescara, Marie Becker und Reinhard Sabow.

Unterrichtet werden die einzelnen Stimmen des Orchesters von echten Profis: Dozenten der Musikhochschule Frankfurt und Darmstadt, vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester, von der Frankfurter Philharmonie und vom Theater Erfurt.

Finanziert wird das 20000 Euro teure Orchesterprojekt durch Sponsoren und Mittel der Johann- Isaak-von-Gerning-Stiftung, einer Kulturstiftung des Kreises.

Das Jugend-Sinfonie-Orchester soll auch in Zukunft regelmäßig mindestens einmal pro Jahr zu Proben und Konzerten zusammenkommen. "Wir wollen den Schulorchestern aber keine Konkurrenz machen", stellt Keitel klar. Im Gegenteil: Die ausgewählten Musiker sollen das in den intensiven Proben gewonnene Können und Wissen zurück in ihre Schulorchester tragen.

Das erste Konzert findet am Mittwoch, 30. Juni, ab 20 Uhr in der Stadthalle Oberursel statt. Einen Tag später, am Donnerstag, 1. Juli, 20 Uhr, spielen die Jugendlichen im Hessenpark. Karten beim Taunus Touristik Service im Landratsamt und bei der Tourist-Info im Hessenpark sowie an der Abendkasse.

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