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Gewerbsmäßiger Betrug: In Bad Homburg ergaunert sich ein Vermögensberater Privatkredite. 

Das Elend beginnt, als Heiko K. 16 ist. Auf dem Geburtstag der Oma schmeißt er Münzen in den einarmigen Banditen. Es kommen mehr Münzen raus, als er reinschmeißt. „So kann’s weitergehen“, wünscht sich Heiko K. Und manchmal können Wünsche wahr werden.

Das Elend endet vorläufig vor dem Frankfurter Landgericht, wo sich der 43 Jahre alte Heiko K. seit Dienstag wegen gewerbsmäßigen Betruges verantworten muss. Der Bad Homburger hatte, gewandet in den Schafspelz des Vermögensberaters, Versicherungs- und Immobilienmaklers, solvente Kunden, Nachbarn, Freunde und sogar die Hebamme seiner Frau dazu bequatscht, ihm laut Anklage „diverse Darlehen“ zu spendieren, die er „zeitnah“ in narrensichere Finanzgeschäfte zu investieren und mit fürstlicher Dividende zurückzuzahlen gedenke. Die Quelle sprudelte, etwa ein Dutzend Investoren liehen Heiko K. bereitwillig vier-, fünf- und gar sechsstellige Summen, oft mehrfach und über einen längeren Zeitraum. Mehr als 460 000 Euro kamen allein zwischen 2013 und 2017 zusammen. Heiko K. investierte das Anlegergeld in seine Kokain- und Spielsucht, mehr Dividende war nicht.

Der Angeklagte ist voll geständig. Und blickt voll Reue auf sein Leben: In den 90ern fällt dem gelernten Werkzeugmechaniker mit Hauptschulabschluss auf, „dass es in der Finanzwelt ein Leichtes war, an Geld zu kommen“. Er arbeitet zuerst nebenberuflich für eine große Vermögensberatung, die heute noch mit dem Slogan „Wir suchen Menschen, die mehr vom Leben wollen“ um Mitarbeiter wirbt. Und Heiko K. will mehr. Schnell verdient er nach eigenen Angaben 10 000 Mark im Monat nebenbei, er wird hauptberuflicher Vermögensberater, in guten Monaten kommen bis zu 30 000 Mark zusammen, er macht sich selbständig.

So viel Gehalt ist kaum noch verdaddelbar. „Dann kam das Große Spiel“, erinnert sich Heiko K., der bald in sämtlichen Casinos der Region Hausverbot hat und im Ausland weiterzockt. Und das Kokain – „um frisch zu sein für den Job“ und um die zahllosen Wochenend-Seminare zu ertragen, erklärt Heiko K., ein bis zwei Gramm am Tag; je mehr er verdient, desto höher werden seine Schulden. Aus der ersten Privatpleite retten ihn die Eltern, dann gehen die Betrügereien so richtig los, das Amtsgericht Aschaffenburg verurteilt ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, er legt Berufung ein, das Landgericht mildert das Urteil in eine Bewährungsstrafe. „Ich wünschte, ich hätte damals keine Bewährung bekommen“, sagt Heiko K. heute. Er bleibt sich bis zur Festnahme treu: „Was reinziehen, damit der Tag machbar wird – und die Hoffnung, etwas zu gewinnen.“

Heiko K.s Opfer haben viele Gesichter. Da ist der mittelalte Banker, der in „jungen Jahren so viel verdient“ hat, dass er es sich leisten kann, sein Geld mittlerweile durch ehrliches Pokerspiel zu verdienen, und den auch der fünfstellige Verlust „nicht ruiniert“ hat. Da ist der alte Schornsteinfeger, den der Verlust seiner Lebensersparnisse durchaus ruiniert hat und der sich heute noch wundert, weil Heiko K. doch für so viele klangvolle Finanzdienstleister gearbeitet und auch ansonsten ganz dem Bild eines seriösen Vermögensberaters entsprochen habe: „Er ist sogar einen Mini-Cooper gefahren!“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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