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Stefan Ruppert. (Archiv)

FDP im Hochtaunus

Hochtaunus: Mit Lust und neuer Kapitänin in die Zukunft

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Stefan Ruppert, der Landesvorsitzende der FDP, nimmt Abschied.

Mit „Lust auf Zukunft“ geht die FDP im Hochtaunus ins neue Jahr. Trotz eines herben Verlustes an der Parteispitze. Der scheidende Landesvorsitzende der hessischen FDP, Stefan Ruppert, hatte das Motto für den Einstieg in die „Neuen Zwanziger Jahre“ am Vorabend beim Neujahrsempfang der Landtagsfraktion geprägt. Bei den Hochtaunus-Liberalen, die am Samstag traditionell zu Jahresbeginn auf die Saalburg geladen hatten, wurde es zum Mantra derer, die vor Gästen aus allen Parteien und viel politischer Prominenz zum Mikrofon griffen. Stolz darauf, dass der Hochtaunus mit inzwischen über 500 Mitgliedern den zweitstärksten Kreisverband der Freien Demokraten in Hessen stellt. Bereit für noch mehr Zukunft.

Natürlich war Stefan Ruppert Ehrengast und Festredner auf der Saalburg. Der Oberurseler mit starker Bindung an seine Heimat, auch noch beim zweiten Intermezzo als Abgeordneter des Deutschen Bundestages in Berlin nach den Jahren 2009 bis 2013 und wieder ab 2017 und nach insgesamt sechs Jahren Politik als Beruf. Einer, der Verantwortung für den Neuaufbau der Partei übernommen hat. Der geholfen hat, sie innerlich wieder aufzurichten, als es ihr gar nicht so gut ging, wie er selbst einmal sagte. Damals 2013, als sie aus dem Bundestag fiel und auch im Hessenland längst nicht alles nach Plan lief. Nur ein paar Stimmen den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde und den Platz im Hessischen Landtag retteten. Stefan Ruppert übernahm die Nachfolge von Jörg-Uwe Hahn als Landesvorsitzender, zweimal wurde er mit über 90 Prozent Stimmen wiedergewählt.

Es passt zum promovierten und habilitierten Juristen und zu seiner stets diplomatischen Art, dass er sein Politikverständnis, seinen Glauben an die „Idee von Freiheit und Verantwortung“ und sein Menschenbild des „freiheitlich eigenverantwortlich handelnden Menschen“ in den Mittelpunkt seiner emotionalen Abschiedsrede stellte. Und dass er sich nun die Freiheit nahm, seinem Leben eine neue Wendung zu geben. Mit jetzt doch schon 48 Jahren und immer noch jungenhaftem Charme.

Ruppert hat Bettina Stark-Watzinger als seine Nachfolgerin in Stellung gebracht. (Archiv)

Sein politisches Feld hat Stefan Ruppert bestellt, in aller Stille nach dem Paukenschlag kurz vor Weihnachten mit der Mitteilung, Ende März sein Mandat im Bundestag abzugeben und Anfang Juni den Vorsitz der Landes-FDP. Im kurzen persönlichen Gruß zum wahrscheinlich langen Abschied von der hauptberuflichen Politik hat er auf der Saalburg galant „die nächste Landesvorsitzende Bettina Stark-Watzinger, die das ganz toll machen wird“, in finale Stellung gebracht. Wie schon am Vormittag im Landesvorstand, als Ruppert die Personalie en passant einbrachte, bevor andere ambitionierte mögliche Kandidaten wie etwa René Rock, der Fraktionsvorsitzende im Landtag, ihren Hut für alle wahrnehmbar in den Ring werfen konnten. Formell muss die 51-jährige Bundestagsabgeordnete aus Bad Soden, die in ihrer Heimatstadt auch Stadtverordnete ist, am 6. Juni beim Parteitag in Wetzlar noch bestätigt werden. Bettina Stark-Watzinger wird Ruppert wohl auch als Parlamentarische Geschäftsführerin in Berlin beerben.

„Weltoffenheit und Weitsicht“ wünscht sich Stefan Ruppert für das Jahr 2020, auch seinen Parteifreunden. In einem politisch „möglichst unaufgeregtem Umfeld“. Zwar sei der Zeitgeist nicht liberal, doch sei er überzeugt, dass die „neuen Zwanziger Jahre ein liberales Jahrzehnt“ werden, wenn auch ein sehr schwieriges Jahrzehnt. Zumindest ehrenamtlich wird Ruppert die FDP weiter begleiten, beruflich aber in den Vorstand der B. Braun Melsungen AG aus der Medizinbranche wechseln und dort in Zukunft als Arbeitsdirektor mit Zuständigkeit für Personal und Recht Verantwortung für 65 000 Mitarbeiter tragen. Und der Heimat Oberursel als Lebensraum mit Frau und zwei Kindern nach zuletzt „etwa 290 bis 310 Terminen im Jahr“ wieder näher rücken.

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