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Im Himmel singt Jack Johnson

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Friedhof
Friedhof © dpa-tmn

Schüler der Humboldtschule sprechen in der Oberurseler Liebfrauenkirche über den Tod und was danach kommen könnte.

Von Julia Wacket

Gibt es ein Leben nach dem Leben? Auf die größte aller Fragen, kann mir keiner eine Antwort sagen“, singt Schlagersängerin Christina Stürmer von der CD. Danach ertönt der Singer-Songwriter Jack Johnson. Wie im Himmel, könnte man denken und läge damit gar nicht so falsch. Denn die Katholische Fachstelle für Jugendarbeit Taunus veranstaltet in dieser Woche ein Projekt unter dem Titel „Das Beste kommt eh zum Schluss“, 600 Jugendliche nehmen teil. Es geht um Sterben, Tod, Auferstehung und ewiges Leben.

Auch die 20 Schüler der Bad Homburger Humboldtschule erleben an diesem Tag ihren Religionsunterricht einmal ganz anders. Sie tauschen für 75 Minuten Klassenzimmer gegen Kirchenraum. In der Liebfrauenkirche in Oberursel angekommen, gibt es nicht nur Musik, sondern die Elftklässler müssen sich für einen von drei Wegen entscheiden. Die meisten, vor allem die männlichen Teilnehmer, gehen den Weg mit dem Titel „Kein Zurück – Von der Faszination des Todes“. Sie sehen einen Film über Suizid und Nahtoderfahrungen, anschließend diskutieren sie darüber. Die drei Schülerinnen Tabea, Eva und Stephanie beschäftigen sich mit der Frage, was sie vor ihrem Tod erreichen wollen. Ihre Antworten schreiben die Mädchen auf Zettel und pinnen sie an eine überdimensionale Uhr. Auf dieser ist es fünf vor zwölf. Die Ziele der Schülerinnen ähneln sich: „Eine Familie gründen, viel reisen, ein guter Job“, sagt die 16-jährige Eva. „Mein Abitur schaffen“, ergänzt ihre Mitschülerin Stephanie.

Danach geht es weiter in den symbolischen Himmel: Rote Liegestühle stehen bereit, Stroh liegt am Boden, ein blaues Tuch mit Lichtern ist über den Köpfen aufgespannt. Auf Plexiglasscheiben sollen die Mädchen schreiben, wie sie sich den Himmel vorstellen. „Im Himmel sind alle gleich“ oder „Im Himmel sehen alle Menschen gut aus“ ist dort zu lesen. Tabea schreibt „Geborgenheit“, „Freiheit“, „sorgenlos“ auf das Glas. Bildlich darstellen können die Mädchen den Himmel nicht. „Der Himmel ist für mich mehr als bloß ein Ort, eher eine Art Befreiung“, sagt Stephanie.

Auseinandergesetzt mit dem Thema Tod haben sich die drei bis jetzt nur im Firmunterricht. „Angst vor dem Tod habe ich nicht“, sagt Stephanie. „Eher Angst davor, geliebte Menschen zu verlieren.“ In Evas Familie ist der Tod gegenwärtig: Ihre Muter arbeitet in einem Hospiz. „Ich habe eigentlich nur Angst vor der Ungewissheit, was danach kommt“ sagt die Schülerin. Ihre eigene Beerdigung wollen sich alle drei aber nicht vorstellen.

Erst das Leben

Später treffen sich alle in der Mitte der Kirche, im „Garten des Lebens“. Auf Blumen schreiben sie, was für sie das Leben lebenswert macht: Freunde, Familie, Sport, Musik. Für die Schüler war es eine gelungene Abwechslung zum Schulalltag. Nur, was nach dem Tod kommt, das wissen sie immer noch nicht. Und bis dahin? „Das Thema Tod ist wichtig. Aber jetzt wollen wir erstmal Spaß haben, das Leben leben“ sagt der 17-jährige Massimo Mancini.

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