Sebastian Göbel (links) löst Peter Leiding ab.

Hochtaunus

Hilfe für prügelnde Männer

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Peter Leiding berät seit fünf Jahren Täter von häuslicher Gewalt - und zieht nun zum Abschied Bilanz.

Ob Taxifahrer, Manager, Handwerker, Lehrer oder Auszubildender – Peter Leiding hat es in den vergangenen fünf Jahren mit Männern aus den verschiedensten Berufsgruppen und sozialen Schichten zu tun gehabt. Gemeinsam war ihnen, dass sie ihre Frauen und zum Teil auch Kinder geschlagen oder in anderer Form „häusliche Gewalt“ ausgeübt hatten.

Während äußerlich kein klares Muster zu erkennen sei, glichen sich die Täter jedoch in ihrer psychischen Struktur, erklärt der Berater und Therapeut. Die meisten hätten als Kind Gewalt in der eigenen Familie erlebt. Und fast allen sei ein recht holzschnittartiges Selbstbild eigen. „Sie sehen ausschließlich ihre Stärken oder ihre Schwächen“, sagt Leiding.

Genau daran versuche er in der Therapie anzusetzen. Deshalb sei es ihm auch immer wichtig, die Version der jeweiligen Partnerin zu hören und die Klienten mit der Opferperspektive zu konfrontieren – zum Beispiel in Form von Rollenspielen.

Zum 1. April wird Peter Leiding in Rente gehen und die Beratungsstelle „Täterarbeit bei häuslicher Gewalt“ beim Diakonischen Werk in Bad Homburg an den Diplom-Sozialpädagogen Sebastian Göbel übergeben. Eine gute Gelegenheit, um Bilanz zu ziehen. Dabei räumt Leiding ein, dass er es nicht in jedem Fall geschafft hat, die Männer zur Einsicht in ihr Fehlverhalten zu bringen und eine Verhaltensänderung zu bewirken. Lediglich bei einem Drittel seiner Klienten sei ihm das nachhaltig gelungen.

Viele der Täter seien leider nicht erreichbar, bedauert Leiding. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sei, dass die Täter Verantwortung für ihre eigene Gewalthandlungen übernehmen. Wobei auch die Motivation der Männer eine Rolle spiele, die zu ihm kommen. Am besten sei es, wenn sie direkt nach der Tat aus eigenem Antrieb kämen. Andere werden von Gerichten oder Jugendämtern zu ihm geschickt.

Immerhin 42 Männer hätten das komplette Programm absolviert, das mindestens acht Monate dauert und 20 Treffen umfasst. Für ihn seien es die schönsten Momente gewesen, wenn die Partnerinnen ihm bestätigt hätten, dass das Zusammenleben wieder besser funktioniert, sagt Peter Leiding.

Aus Sicht der Verantwortlichen bei Diakonie und Hochtaunuskreis, der das Angebot finanziert, ist das durchaus als Erfolg zu werten. Schließlich habe man dadurch nicht nur Beziehungen wieder kitten können, sondern auch verhindert, dass Kinder in Obhut genommen werden mussten, betont der Leiter des Kreis-Jugendamtes, Heinz Rahn.

„Täterarbeit ist aktiver Opferschutz“, ergänzt die Sozialdezernentin des Hochtaunuskreises, Katrin Hechler (SPD). Es gehe darum, den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen, der sich durch die Wirkung auf die Kinder in der folgenden Generation oft fortsetze. Ziel sei „eine Kommunikation ohne Schreien, Schubsen und Schlagen“.

Die Täterarbeit im Hochtaunuskreis ist in ein Hilfesystem integriert, in dem Frauenunterstützungseinrichtungen, Polizei, Justiz, Jugend- und Sozialämtern, Gleichstellungsbeauftragte, Stadtteil- und Familienzentren und anderen Beratungsstellen zusammenarbeiten.. Von einem „guten Austausch“ spricht Ursula Kopp-Salow, Familienrichterin am Bad Homburger Amtsgericht. Für die Justiz sei es hilfreich, dass dabei die Situation der Kinder stärker in den Fokus rückt. Kinder seien in einem Strafverfahren als Zeugen oft nur Randfiguren, psychisch aber genau so betroffen als wären sie selbst Gewaltopfer.

Im Hochtaunuskreis hat die Polizeistatistik in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 199 und 279 Fälle von häuslicher Gewalt verzeichnet - wobei von einer hohen Dunkelziffer nicht angezeigter Taten auszugehen ist. Experten rechnen mit dem Fünffachen. In rund 90 Prozent der Fälle sind Männer die Täter. Deswegen werde die Beratungsstelle „Täterarbeit bei häuslicher Gewalt“ auch nach dem Ausscheiden von Peter Leiding fortgeführt, versichert Katrin Hechler.

Dessen Nachfolger Sebastian Göbel ist derzeit in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen tätig. Dabei arbeite er auch regelmäßig mit Tätern und Opfern von Gewalt, erklärt der 43-Jährige. „Es gibt also eine gewisse Ähnlichkeit mit meiner künftigen Tätigkeit.“

Das Angebot

Therapeut Peter Leidinghat in den fünf Jahren seiner Tätigkeit 237 Klienten betreut (Stand Ende 2018). Dabei hat er 1567 Gespräche geführt. Hinzu kamen 85 Paargespräche und 119 Treffen mit den Partnerinnen der jeweiligen Männer.

Ein Tätertrainingist auf mindestens 20 Sitzungen angelegt. 42 Männer haben das komplette Programm absolviert.

Träger der Beratungsstelleist das Diakonische Werk Hochtaunus in Bad Homburg, Heuchelheimer Straße 20. Termine können unter Telefon 06172/308803 vereinbart werden oder per E-Mail an peter.leiding@diakonie-htk.de.

Weitere Informationengibt es unter www.diakonie-htk.de. 

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