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Hilfe bei Demenz

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Alzheimer ist nicht heilbar, aber die Folgen lassen sich mildern. Wie, soll in Oberursel ein neues Projekt von Stadt, Caritas und Robert-Bosch-Stiftung zeigen.

Von Jürgen Streicher

Es passiert auch gesunden Menschen, dass sie in den Keller gehen, um etwas zu holen, und unten nicht wissen, warum sie dort sind. Wenn sie den Weg nicht zurückfinden, ist das allerdings ein Alarmzeichen. Oder wenn der Kopf sein Ziel immer wieder zwischen Wohnung und Keller verliert; wenn die Krankheit Demenz beginnt, ein zuvor selbstbestimmtes Leben aus der Bahn zu werfen. Wie bei Tausenden Betroffenen im Hochtaunuskreis, bei Millionen im ganzen Land mit steigender Tendenz.

Heilbar sind die Alzheimer-Krankheit oder andere Formen der Demenz nicht. Wohl aber lassen sich die Auswirkungen bei einer Früherkennung verzögern. Darauf setzt ein neues Projekt, das der Caritasverband für den Bezirk Hochtaunus mit städtischen Einrichtungen und der Seniorenbeauftragten im Oktober startet. Titel: „Oberursel bewegt sich – auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Kommune.“ Das zunächst für ein Jahr geplante Projekt soll andere, wie das Demenznetzwerk, ergänzen und Vereine, Kirchengemeinden und Schulen einbeziehen. Der Titel gibt die Richtung vor: Bewegung gilt nach neueren Forschungserkenntnissen als eine wichtigere Behandlung bei dementieller Erkrankung als eine reine Medikamentenbehandlung. Und als probates Mittel der Prävention.

Ein „Bewusstsein zu schaffen dafür, wie wichtig Bewegung ist, und wie sie vor Demenz schützen und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann“, sei primäres Ziel des Projekts, so die Leiterin der Alten- und Gesundheitshilfe im Caritasverband, Maria Kraus. Kraus, die städtische Seniorenbeauftragte Doris Bill und Renate Flora vom Demenznetzwerk „Lichtblicke“ wollen Multiplikatoren bei der Beschäftigung mit der Volkskrankheit der Zukunft in einer alternden Gesellschaft etwa in Vereinen, Kirchen und auch bei der Volkshochschule anwerben.

Engagierte Menschen wie Kurs- und Gruppenleiter sollen durch Schulungen befähigt werden, „bewegungsaktivierende und integrationsfördernde Angebote zu begleiten“. Modell sei etwa ein „3000-Schritte-Pfad“, denn eine halbe Stunde Gehen am Tag sei bereits ein probates Mittel, Demenz vorzubeugen. Bis 2050, so die Prognose, werde sich die Zahl der Demenzkranken mindestens verdoppeln.

Die Robert Bosch Stiftung fördert Projekte finanziell, die von der „Aktion Demenz“ begleitet werden. Nach Oberursel fließen 12000 Euro des Jahresetats in Höhe von 500000 Euro, weil die Idee mit dem Bewegungskonzept bei der Jury gut ankam. Das Projekt „Demenzfreundliche Kommune“ wurde als eines von 37 unter 234 Einsendungen ausgewählt.

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