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Hilfe bei der Bewerbung

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Von: Miriam Keilbach

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Steinbach Ehrenamtliche coachen jungen Migranten

In der Türkei, seiner Heimat, ging Mazlum Acar aufs Gymnasium. Vor drei Jahren kam der 19-Jährige mit seinen kurdischen Eltern als politischer Flüchtling nach Steinbach, ohne Deutschkenntnisse. Er machte den Hauptschulabschluss, jobbte nebenbei in einem Imbiss und suchte eine Ausbildungsstelle als Friseur. Dabei bekam er, wie 21 andere Jugendliche auch, Hilfe von dem Projekt „Bildungscoaching für junge Migrantinnen und Migranten in Steinbach“. Das verhalf ihm zu einem Praktikum in einem Salon in Frankfurt.

Mazlum Acar bekam einen ehrenamtlichen Mentor, der sich um ihn kümmerte – in schulischen wie in gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Es gab Bewerbungstraining in der Gruppe, Hilfe bei der Auswahl der Kleidung, beim Auftreten bei Bewerbungsgesprächen und Besuche bei Firmen. Nun hat Mazlum Acar ein neues Berufsziel: Er will Verkehrsplaner werden. Er hat eine Ausbildungsstelle bei einem Busunternehmen in Frankfurt bekommen. Derzeit arbeitet er als Disponent im Büro, ab Mitte November geht es in die Verkehrsplanung.

Projektleiterin Gülsün Firat lud zur ersten Zwischenbilanz des auf drei Jahre angelegten Caritas-Projektes, das vom Land und vom Kreis gefördert wird. Fast alle Jugendlichen sind vermittelt: Sie machen Jahrespraktika oder berufsvorbereitende Maßnahmen. Drei haben einen Ausbildungsplatz gefunden, ein Jugendlicher nahm ein Studium zum Informations- und Kommunikationstechniker auf. Im kommenden Jahr gilt es, elf weitere Jugendliche zu vermitteln.

Aysegül Sahin macht derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kindertagesstätte der Caritas in Bad Homburg. Die 17-jährige Türkin, die bereits etliche Praktika absolvierte, wollte Verkäuferin werden, die Mentoren sehen mehr in ihr. Aber sie hat nur einen Hauptschulabschluss, als Erzieherin bräuchte sie Mittlere Reife. „Vielleicht schaffe ich das ja“, sagt sie. „Es macht mir viel Spaß.“

Die Mentoren versuchen den Jugendlichen zu helfen, den richtigen Beruf für sich zu finden. Firat betont, dass das Projekt nun mit Eltern zusammen arbeitet. „Wir versuchen zu vermitteln, dass Eltern auf die Neigung der Kinder eingehen, und sie nicht einfach in die Fußstapfen treten müssen.“ Der Ehrenamtliche Tilo Stössel berichtet: „Die Hauptschüler machen ihre Pflichtpraktika häufig bei Verwandten, die aber gar nicht ausbilden können.“ Dabei können die Jugendlichen schon beim Pflichtpraktikum in der Schule einen Grundstein für die Ausbildung legen.

Die Arbeit des Coachings beruhe auf drei Säulen, so Firat, den Jugendlichen, den Ehrenamtlichen und den Arbeitgebern. Deshalb stehen zunehmend Kooperationen an: In der kommenden Woche besuchen die Jugendlichen etwa das Rolls-Royce-Werk in Oberursel. Auch mit dem Jobcenter in Bad Homburg, dem Bildungswerk der hessischen Wirtschaft und den Ausländerbeiräten arbeitet Firat zusammen. Bald sollen Alphabetisierungs- und Deutschkurse für Mütter folgen.

Caritas-Geschäftsführer Ludger Engelhardt-Zühlsdorff betonte, dass die Netzwerke, die durch das Projekt entstünden, langfristig die Integration erleichtern. „Die Beziehungen sollen über das Projekt hinaus weiterlaufen“. Firat ist zufrieden: „Wir haben erreicht, was wir wollten.“ Bürgermeister Stefan Naas (FDP) kündigte an, Gespräche aufzunehmen, wie man das Projekt auch über Sommer 2013 hinaus weiterführen könne. „Ich habe das Gefühl, es gibt mehr Ruhe und weniger Frust in Steinbach.“

Es werden noch Ehrenamtliche gesucht, Telefon: 06171 / 277 891 6.

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