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Hessentag nützt den Indern

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Der Radler auf der Hohemarkstraße ist nur ein Vorbote. Etwa 4000 Pedaleure werden täglich den Hessentag besuchen.
Der Radler auf der Hohemarkstraße ist nur ein Vorbote. Etwa 4000 Pedaleure werden täglich den Hessentag besuchen. © Rolf Oeser

Die Macher des Hessentags in Oberursel planen Vorfahrt für Radler und Klima-Zertifikate: Zum ersten Mal gibt es im kommenden Juni einen klimaneutralen und umweltfreundlichen Hessentag.

Von Klaus Nissen

Das bedeutet: Alle Treibhausgase, die bei dem Großereignis entstehen, werden an anderer Stelle wieder eingespart. Und zwar in Indien. Gut 13 000 Tonnen Kohlendioxid entstehen nach Auskunft von Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) vor allem durch die Anreise der vielen Besucher. Etwa die Hälfte verursacht die aus Hessen anreisenden Gäste, sagt Jochen Gassner von der Bad Vilbeler Fachfirma first climate. Bis zu 30 Prozent der Treibhausgase kommen durch die überregionale Anreise per Auto, Zug oder Flugzeug zustande. Weitere klimaschädliche Gase entstehen durch das eigentliche Fest. Beispielsweise bei der Essenszubereitung, durch den Aufwand für Übernachtungen, Papierverbrauch und Elektrizität. Letzter ist übrigens enorm: Gut 300 000 Kilowattstunden werden zwischen dem 11. und 19. Juni bei den vielen Veranstaltungen über die Zähler laufen.

Diese Energie liefert eine Arbeitsgemeinschaft der Mainova und der Oberurseler Stadtwerke. Es fließe Ökostrom, versichert der Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Funke. Dieser Strom stammt aus österreichischen Wasserkraftwerken. Zum Ausgleich für die 13 000 Tonnen Treibhausgas werden voraussichtlich in Indien Öko-Investitionen gefördert, die die Entstehung weiterer Treibhausgase vermeiden.

„Wir denken an ein Biomasseprojekt“, so die Stadtwerke-Prokuristin Sandra Schmidt am Montag. Der Plan ist, bei der Zuckerherstellung die Reststoffe des Zuckerrohrs in eine neue Biogas-Anlage zu stecken. Sie produziert für den indischen Markt Strom, der ansonsten mit klimaschädlicher Kohle hergestellt würde.

Dabei tritt die Stadt nicht selbst als Investorin in Indien auf. Vielmehr kaufen die Stadtwerke Klimazertifikate von der Bad Vilbeler Agentur first climate. Jürgen Funke: „Das ist unser Geschenk an die Stadt.“ So ein Zertifikat vom Typ Voluntary Carbon Standard (VCS) kostet fünf bis sieben Euro pro Tonne Kohlendioxid. Die Firma first climate wandelt das Zertifikat dann in die konkrete Öko-Investitionen um. Warum gerade in Indien? „In Deutschland wären sie vier- bis fünfmal so teuer“, sagt Bürgermeister Brum.

Die Stadtwerke sind schon länger auf dem Ökosektor aktiv und betreuen 15 Bürgersolaranlagen. Beim Hessentag präsentieren sie im Themencluster „Der Natur auf der Spur“ im Maasgrund unter anderem Erdgas als Kraftstoff, Elektrofahrräder und die neue Energiegenossenschaft.

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