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Eisenwaren-Händler Krause

Herr über Schrauben und Muttern

Eisenwaren-Händler Krause vermisst gesunde Einzelhandelsstruktur

Wilhelm Kraus ist seit gestern 80 Jahre alt. Noch steht er jeden Tag in seinem Laden, einem im weiten Umkreis bekannten Fachgeschäft für Eisen- und Haushaltswaren. Wo in den besten Zeiten immerhin sechs Angestellte ihr Auskommen fanden, arbeiten heute die Tochter und eine Aushilfe. Es ist ruhig geworden in der Zitzergasse Nummer 6.

Mit der Vergrößerung des Baumarkts in Usingen kamen die Umsatzeinbrüche – zehn Jahre ist das jetzt her. „2002 lagen die Verluste schon bei 30 Prozent“, sagt Kraus, der seinen Laden vor 55 Jahren gründete und als erster Einzelhändler einen barrierefreien Zugang schuf.

„Eisenwaren verkaufen sich heute gar nicht mehr“ – zu mächtig ist die Konkurrenz des ansässigen Heimwerkermarktes. Wer nach Speziellem fahndet, wird beim „Krause-Wilhelm“ weiterhin fündig. Aus Schubladen und Regalen zaubert der gebürtige Usinger etwa Viereck-Muttern oder Rollen-Schnäpper: Artikel, die kaum noch hergestellt werden. „Wenn der gesamte Handel von Ketten dominiert wird, ist vieles nicht mehr erhältlich.“

Das Sortiment auf der 165 Quadratmeter großen Verkaufsfläche ist seit den Anfangstagen weitgehend gleich geblieben, Markenware für Haushalt und Garten. Ob seine Kinder den Laden übernehmen werden, ist fraglich. Wilhelm Kraus – „ich bin Kaufmann mit Leib und Seele“ – hat die gesammelten Unterlagen zur Usinger Gewerbegeschichte vor sich liegen. „Eine traurige Entwicklung.“

Eine gesunde Handelsstruktur habe es bis Anfang der 80er Jahre in der Innenstadt gegeben – „dann wurde der gesamte Mittelstand kaputt gemacht“. Reihenweise verschwanden traditionelle Häuser aus dem Stadtbild: Schiffl, Best, Hatzmann, Berger. Zu viele Discounter und Supermärkte seien angesiedelt worden, weitere Großflächen sogar noch in Planung.

Auch Gewerbeverein und Wirtschaftsförderung hätten in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen. An dem Durchgangsverkehr liege es nicht, dass die Laufkundschaft weniger werde: „Früher sind hier mehr Autos und Lastwagen durchgefahren.“ Und von hohen Mieten könne längst keine Rede mehr sein.

Wer immer nur auf Konzerne und Riesenflächen schiele, bereite dem eingesessenen Einzelhandel den endgültigen Garaus. „Mein Lebenswerk geht hier vor die Hunde.“ (ov.)

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