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Das Freibad in Oberursel hat eine der schönsten Liegewiesen in der Region.

Oberursel

Letzte Saison im alten Freibad

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Das Oberurseler Freibad an der Altkönigstraße öffnet ab Freitag seine Pforten. Im Herbst soll die gesamte Anlage saniert werden. Von Jürgen Streicher

Ein bisschen was vom Charme der 30er Jahre hat es sich bis heute bewahrt: Zum Beispiel die alten, der Hanglage angepassten Reihen mit Umkleidekabinen aus Holz. Stammgäste schätzen sie, für wenig Geld ein abschließbares Hüttchen für die ganze Saison mit Blick über das weiträumige Gelände am höchsten Punkt der Stadt. Raum für Nostalgie - doch im Herbst werden die Hütten aus den 30er Jahren für immer abgeräumt.

Die letzte Saison im alten Freibad an der Altkönigstraße beginnt früh. Schon am 1. Mai wollen die Stadtwerke angesichts der dauerhaft warmen Außentemperaturen das Bad für den Publikumsverkehr öffnen. Die Schwimmer mussten lange darben, die Hallensaison ist bekanntlich wegen des bevorstehenden Abrisses des alten Hallenbades ausgefallen.

Ein bisschen Waldbad-Atmosphäre

Die Hausgärtner haben den Park in den vergangenen Wochen vorbereitet. Kaum ein Blick auf Häuser stört. Hohe Bäume, darunter viele Kiefern, deren abgeworfene Zapfen unter nacktem Fuß den Gang der Badenden bisweilen grotesk aussehen lassen, sorgen für ein bisschen Waldbad-Atmosphäre. Vor allem im unteren Bereich, den die Kinder "Liebestal" nennen, weil dort der eine oder andere frühe Kuss getauscht wird und Damen bisweilen auch mal das Bikini-Oberteil ablegen.

Das ist die gute Nachricht: Die "grüne Lunge", das Freigelände, wird nahezu unangetastet bleiben. Nur am Südrand wird ein etwa 30 Meter breiter Streifen als öffentliche Grünanlage abgetrennt. Um den "sozialen Abstand" einzuhalten, wie es die Stadtplaner nennen. Auf dem bisherigen angrenzenden Parkplatz ist zur Refinanzierung des Parkbad-Projektes mit neuem Hallenbad der Bau von Wohnhäusern geplant.

Noch wird in den politischen Gremien gerungen, morgen wird der Bauausschuss den Weg frei machen, damit im Herbst die neue Badezeit eingeläutet werden kann. Nach 72 Jahren im alten Becken steht die Wende an, die letzten Änderungen zum Vorentwurf müssen noch die parlamentarische Hürde nehmen. Es geht um verbesserten Lärmschutz, den die Nachbarn einklagen, und um die Neuordnung der Becken im Freien.

Eröffnung 1937

"Oberursel will schwimmen - aber es hat kein Geld." Die Überschrift eines Zeitungsartikels von 1928 würde auch heute passen. Ein paar Jahre später war das Geld da, 1937 wurde das Bad mit Zehn-Meter-Sprungturm auf dem Gelände einer alten Kiesgrube am Borkenberg den Bürgern der Stadt offiziell als Schwimm-, Licht- und Luftbad übergeben. Erstellt vom Reichsarbeitsdienst und von vielen verpflichteten Oberurseler Arbeitslosen. Mit Geld aus der Privatschatulle hatten einige Bürger dazu beigetragen, den Traum vom Bad zu finanzieren. "Eine bis aufs Letzte moderne, großzügige und vorbildliche Anlage steht hiermit der Bürgerschaft Oberursels und allen Erholungssuchenden der nahen und weiten Umgebung zur Verfügung, ein Gesundbrunnen, auf den Oberursel stolz sein kann", schrieb im Sommer vor 72 Jahren der Oberurseler Bürgerfreund. Auf solche Schlagzeilen hoffen die modernen Bad-Macher auch, wenn die Badesaison 2010 beginnt.

Die Kosten für das Freibad sind beim gedeckelten 15-Millionen-Euro-Projekt "Parkbad Oberursel" der geringere Posten. Fast eine Million Euro mehr als bei der ersten Planung werden es trotzdem, auch das muss morgen durchgewunken werden. Die Untersuchung des Freibadbeckens hat es an den Tag gebracht - erhebliche Wasserverluste durch Risse im Beton, fehlende Standsicherheit, um die geplante Edelstahlwanne aufzunehmen. Vorgesehen ist nun die Auflösung in drei Einzelbecken - für Schwimmer, Springer und Nichtschwimmer. Das kostet 800 000 Euro mehr, soll aber durch die Möglichkeit unterschiedlicher Temperierung energetische Pluspunkte bieten.

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