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Sie halten die Erinnerung wach

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Der pensionierte Lehrer Friedebert Volk hält die Erinnerung an wichtige Personen der Stadtgeschichte wach. Zusammen mit seinen Schülern hat er ein Register über aller Häuser und seine Bewohner vergangener Jahrhunderte geschaffen. Dafür bekommen Friedebert Volk und seine Geschichts-AG den Saalburgpreis.

Von Klaus Nissen

Fürst Walrad, Ahnherr derer von Nassau-Usingen, wäre am Sonntag sicher gern bei der Saalburgpreis-Verleihung an Friedebert Volk dabei gewesen. Dieser pensionierte Lehrer nämlich hält die Erinnerung an den 1702 gestorbenen Fürsten wach. Walrad knackte anno 1683 als holländischer General mit seinen Verbündeten den Belagerungsring der Türken um Wien.

Ohne den Heimathistoriker Friedebert Volk wäre wohl auch der im 19. Jahrhundert weltbekannte Geiger August Wilhelmj vergessen, meinte Laudator Lupold von Lehsten beim Jahresempfang des Kreises in der Saalburg-Principia. Ebenso der Pfarrer Georg Philipp Wicht, der wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt wurde, aber fliehen konnte und im Exil den jüdischen Glauben annahm. Ein „gewaltiges Register“ ist laut Lehsten dem 75-jährigen Volk zu verdanken. Er schuf ein Verzeichnis aller Häuser Usingens mitsamt ihrer Bewohner von 1692 bis 1900. Warum? „Heimat ist ein Geschenk unserer Vorfahren. Wir sind verpflichtet, sie zu hegen. Heimat gibt auch Halt“, so Friedebert Volk. Aus der eigenen Heimat im Sudetenland wurde er als Zehnjähriger vertrieben.

Die Geschichts-AG der Bad Homburger Kaiserin-Friedrich-Schule erhielt am Sonntag einen Förderpreis aus der Hand von Landrat Ulrich Krebs. Die Gymnasiasten und ihr Lehrer Karl-Heinz Jörges hatten sich mit dem Leben und Denken des 1989 ermordeten Alfred Herrhausen befasst. Sie befragten seine Witwe, veranstalteten eine Podiumsdiskussion und schrieben eine Dokumentation. „Herrhausen hatte den fortwährenden Drang, sich weiterzubilden. Das sollte für alle Menschen gelten. Wir meinen, dass seine Ideen nicht in Vergessenheit geraten sollten“, befand die Schülerin Sarah Fried im Namen der AG vor mehreren hundert Gästen.

Bevor die Repräsentanten des öffentlichen Lebens zum Sekt mit Schnittchen schritten, sprach Landrat Krebs von der Zukunft: Mit 153 Millionen Euro investiere der Hochtaunus 2010 mehr als jeder andere deutsche Landkreis in den Schulbau. Das sei nicht ewig durchzuhalten. Wenn ab 2012 die Schülerzahl stagniert, brauche man Ideen, wie die Schulvielfalt zu erhalten sei, ohne neue Kapazitäten zu schaffen. Überhaupt, das Geld: Nicht mehr akzeptabel sei, dass Rheinland-Pfalz mit Transfermillionen aus anderen Bundesländern gebührenfreie Kitas schaffe, „während die Kämmerer unserer Städte und Gemeinden alle Kraftanstrengungen unternehmen müssen, um die Gebühren nicht noch zu erhöhen.“

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