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Hände wie Flügel

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Nikolai Karlychanow macht sich an die Arbeit.
Nikolai Karlychanow macht sich an die Arbeit. © Rolf Oeser

Der Bildhauer Nicolai Karlychanow erschafft eine Chopin-Skulptur für Oberursel. Dass er beim 3. Bildhauersymposium gastiert, ist Ausdruck der Städtepartnerschaft zwischen Oberursel und dem russischen Lomonossow, wo der Künstler lebt.

Nicolai Karlychanow setzt nach einem prüfenden Blick den Meißel an und schwingt dann den Hammer. Von dem tonnenschweren Marmorblock vor ihm fliegen mit jedem Schlag scharfkantige Splitter in hohem Bogen ab, die Luft um den Bildhauer ist voll von feinem, weißen Staub. Karlychanow setzt Frédéric Chopin in Oberursel ein Denkmal. Die fertige Skulptur wird die Hände des Komponisten beim Klavierspiel zeigen.

Dass Karlychanow in Oberursel beim 3. Bildhauersymposium gastiert und die Skulptur für die Stadt erschafft, ist Ausdruck der Städtepartnerschaft zwischen Oberursel und dem russischen Lomonossow, wo der in Kasachstan geborene Künstler lebt.

Familien stifteten viel Geld

Die Kosten für die Skulptur, also etwa für das Material und die Anreise Karlychanows, werden durch Sponsoren gedeckt. Insgesamt 16 000 Euro wurden dafür gespendet, der größere Teil der Summe von vier Oberurseler Familien. 7000 Euro stiftete die Taunus Sparkasse.

Den Block aus Carrara-Marmor hat einer der Stifter von einem befreundeten Steinbruch-Betreiber in Italien erstanden. Von dort wurde das acht Tonnen schwere Ungetüm dann auf einem Lastwagen nach Oberursel gebracht.

Die Skulptur soll nach ihrer Vollendung auf dem Chopin-Platz aufgestellt werden. Die feierliche Übergabe ist für den 6. September anlässlich des von der Chopin-Gesellschaft Taunus veranstalteten Festivals Intermusicale vorgesehen. Der Chopin-Platz war im Mai 2012 eingeweiht worden und ist nach Angaben der Stadt der einzige in Deutschland, der offiziell diesen Namen trägt. Es sei „eine tolle Idee“, Kunst und Musik an einem zentralen Ort zusammenzubringen, sagt Karlychanow, der Kunst in St. Petersburg studiert hat.

Bürgermeister bedankt sich

Eine Skulptur von Karlychanow mit dem Namen „Struck by Moonlight“ steht bereits seit dem Hessentag 2011 im Oberurseler Lomonossow-Park. Für sein aktuelles Projekt habe er bei Konzerten sehr genau die Hände von Pianisten beim Spiel in Augenschein genommen und auch Fotos gemacht. „Die Hände eines Pianisten sind wie die Flügel eines großen Vogels“, meint Karlychanow.

Der Oberurseler Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) erinnert daran, dass in Zeiten knapper öffentlicher Kassen der Einsatz von Stiftern bei kulturellen Projekten für die Stadt so gut wie unverzichtbar ist: „Den Familien Herrmann, Kappus, Lienhard und Mehler danke ich herzlich für ihr sehr großes bürgerschaftliches Engagement“, sagt Brum, der auch der Taunus Sparkasse seinen Dank für ihren Beitrag ausspricht.

„Letztlich ist es nur uns allen gemeinsam gelungen, diese schöne Idee in die Tat umzusetzen“, betont Bürgermeister Brum.

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