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Grün gewinnt

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Dieter Rosentreter (l.) führt Nachfolger Fink ins Amt ein.
Dieter Rosentreter (l.) führt Nachfolger Fink ins Amt ein. © R. Oeser

Christof Fink tritt als Erster Stadtrat mit Vertrauensvorschuss an

Von Jürgen Streicher

Vor knapp 25 Jahren haben sich erste Oberurseler Grüne in die Höhle des Löwen im Rathaus begeben. Mit Christof Fink haben die Grünen nun erstmals ganz oben im Rathaus einen aus ihren Reihen – er wird am 1. April seine Stelle als Erster Stadtrat im hauptamtlichen Magistrat antreten. Als Demonstrant im Kampf gegen die Rodung des Stadtwalds für den Bau des „Feldbergzubringers“ erlebte der 37-jährige Oberurseler seine politische Initiation, schon mit 21 Jahren saß er für die Grünen im Parlament.

Es spricht für seine Geradlinigkeit, seine stets klare, offene und berechenbare Linie, dass er seine Bewerbung für das hohe Amt mit dieser Episode einleitete. Aus Zeiten, in denen er mal mit grünen, mal mit orangenen Haaren auftrat, auch noch im Stadtparlament. Und dennoch kein „bunter Hund“ war, wie Eggert Winter (SPD) in seiner Werbung für den Kandidaten der neuen Koalition betonte. „Knochentrockene Sachlichkeit“ sei die Stärke des Grünen, Charakterzüge, die auch die neue CDU/FDP-Opposition hervorhebt.

Es war neben dem Tragen einer grünen Krawatte das „einzige Zugeständnis“, das der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Uhlig machen wollte. Denn Finks „klares politisches Profil“ sei das Problem für die CDU. Etwa seine extreme Position in Fragen der Verkehrs- und Energiepolitik, die von der CDU nicht mitgetragen werden könnten. Uhlig kündigte vor der geheimen Wahl am Donnerstagabend 15 Nein-Stimmen an, die FDP zwei Ja-Stimmen als „Vertrauensvorschuss“ für einen Mann, dem sie zutraue, das Erbe ihres Parteifreunds Dieter Rosentreter anzutreten.

Dass schließlich 16 von 42 abgegebenen Stimmzettel mit einem „Nein“ ausgezählt wurden, obwohl auch der einzige Linke im Parlament Zustimmung signalisierte, störte die grüne Freude nicht. Auf U-Boot-Suche in der Koalition aus SPD, Grünen und OBG wollte sich niemand begeben, nicht einmal die Opposition sah Anlass zu Sticheleien.

Den schwierigsten Job hatte nach der Wahl der amtierende Erste Stadtrat und Sozialdezernent Dieter Rosentreter (FDP). Weil Bürgermeister Brum (SPD) Urlaub macht, musste dessen erster Stellvertreter die Amtseinführung des Mannes übernehmen, für dessen politische Karriere er „geopfert“ wurde, wie es die CDU nannte. Bis 2015 gewählt und auch willens, die Amtszeit zu erfüllen, muss er wegen Erreichen der Altersgrenze im März 2012 seinen Hut nehmen.

„Der Kopf sagt Ja, das Herz Nein, es war kein Routinejob“, so Rosentreter. Dem jungen grünen Nachfolger mit Schlips gratulierte er professionell und schenkte ihm zwei selbstgestrickte grüne Topflappen, „damit er sich nicht die Finger an den vielen heißen Eisen verbrennt“. Beim Umtrunk mit Bio-Sekt nach der Wahl war er nur kurz zu sehen.

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