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Großeinsatz in der Schule

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Im Chemieraum hat es eine Verpuffung gegeben.
Im Chemieraum hat es eine Verpuffung gegeben. © Martin Weis

Mehr als 300 Rettungskräfte und Statisten üben in der Philipp-Reis-Schule für den Ernstfall. es ist der erste Test in dem Neubau, der viele Besonderheiten aufweist.

Von Martina Propson-Hauck

Dichter Rauch quillt aus den Fenstern im zweiten Stock der Philipp-Reis-Schule. Kurz darauf springt auch die Brandmeldeanlage an: „Aufgrund eines technischen Defekts bitten wir alle Klassen und Kurse ihre Räume zu verlassen und den Anweisungen der Lehrer Folge zu leisten“, schallt es aus den Lautsprechern auf den Hof. Nur wenige Minuten später rücken bereits Feuerwehr, Polizei und DRK mit ihren Rettungswagen an.

Ellen Kabs, Leiterin des Gymnasialzweigs, informiert die Einsatzleute, dass nicht alle Schüler auf den Sammelplätzen eingetroffen seien, 100 Mädchen und Jungen würden noch vermisst. Sie müssen dringend geborgen werden, denn vermutlich sind einige von ihnen schwer verletzt, weil es im Chemietrakt eine Verpuffung gegeben hat. Ein lauter Knall, dann sind Splitter umhergeflogen.

Moderne Funkanlage

Nach und nach bringen die 50 Einsatzkräfte des DRK und des Malteser Hilfsdienstes junge Menschen aus dem Schulgebäude, bringen sie auf Tragen in die flugs zum Behandlungszentrum umfunktionierte Mensa. Ein Bild des Schreckens tut sich auf: Rußgeschwärzte Gesichter mit Verbrennungen, Verätzungen, Splitter im Kopf und klaffenden Wunden, aus denen Blut läuft. Die Helfer beruhigen, versorgen und verteilen die Verletzten. Eine Notärztin kümmert sich um die schwereren Fälle sofort.

Währenddessen eilen Feuerwehrleute aus allen Stadtteilen sowie aus Karben und Rodheim durch Schulhausflure voller Rauch. Bei den Rettungsarbeiten seien auch noch Salzsäure und Aceton umgestoßen worden, erfahren sie per Funk. Drei Feuerwehrmänner springen aus ihren Hosen und quetschen sich in blaue Gummianzüge, um vor den Chemikalien geschützt zu sein.

Nach eineinhalb Stunden ist der Spuk vorbei. Denn was aussah wie eine Katastrophe, war eine Großübung in der mit 1850 Schülern größten Schule des Kreises. Seit Anfang des Jahres sind sie in den Neubau umgezogen. Für die Feuerwehr war es die erste Möglichkeit, den Neubau im Einsatz kennenzulernen. „Das ist eine verdammt große Schule mit verdammt langen Wegen“, sagte Ulrich Neeb. Man brauche mehr und bessere Karten.

Der Friedrichsdorfer Stadtbrandinspektor hat den Übungseinsatz mit mehr als 300 Rettungskräften und Statisten geleitet. Kreisbrandinspektor Carsten Lauer erwägt bereits für die Schule im Ernstfall Transportwagen einzusetzen. Zufrieden ist er, dass der Einsatz von Digitalfunk reibungslos geklappt hat. Denn die PRS ist das erste öffentliche Gebäude Hessens, dass mit einer Digitalfunkanlage ausgestattet ist. Durch die starke Dämmung des Passivbaus versagen analoge Funkgeräte hier nämlich. Auch Handyempfang gibt es nur an ganz wenigen Stellen.

„Wenn es zum Ernstfall kommt, bedarf diese Schule sehr vieler Rettungskräfte“, sagte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne). Der Amokalarm im August, habe aber gezeigt, dass man schnell sehr viele Rettungskräfte bündeln könne. Damals hatte eine Verkehrskontrolle der Polizei vor der Schule zu Gerüchten um eine Amokdrohung geführt.

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