Bad Homburg

Der grausame Tanz

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Im Eingangsbereich des Kollegs Humanwissenschaften am Wingertsberg in Bad Homburg zeigt eine Ausstellung Werken des politischen Künstlers Aloys Wach.

Ein Totentanz ist ein grausiger Reigen, ein schräger, ein schrecklicher Tanz. Der Tod kommt und holt sich die Lebenden. Er holt alle, ungeahnt ihrer Profession oder ihres Alters. Er spielt ihnen ihr Lied vom Tod, er kennt ihr Leid nicht, er lacht sie aus, er ist gnadenlos, verachtend.

Das Motiv aus dem späten Mittelalter hat der damals junge österreichische Maler Aloys Wach in den ersten Jahren des Ersten Weltkrieges in bedrückenden Radierungen verwandelt. Er malte den „Totentanz von 1914“ . Die Bilder aus dem Privatbesitz des Wach-Enkels Günther Bock hängen als vergrößerte Kopien derzeit im Eingangsbereich des Kollegs Humanwissenschaften am Wingertsberg in Bad Homburg. Das Historische Kolleg befasst sich in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt „1914“ und seinen tiefgreifenden Folgen.

Aloys Wach war ein politischer Künstler, 1938 verboten ihm die Nazis das Malen. Seine kleinen, großteils in ganz feinen Strichen gefertigten Radierungen spiegeln Szenen aus der Hölle. Angst, Hunger, Erschöpfung, Leid liegt in den Gesichtern der Menschen, oft sind es Soldaten. Immer dabei und meist mit Fiedel und Bogen wie in den allegorischen Darstellungen früherer Zeit: Der Knochenmann, der tanzt und Granaten schleudert und aus den Schornsteinen der Kriegsfabriken aufsteigt.

Die Monströsität des industriellen, Menschen und Material verschlingenden Krieges, das war neu am Ersten, dem „großen“ Krieg, sagte Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Historischen Kollegs, bei der Eröffnung der Ausstellung. Der Künstler Wach brachte diese erste Erfahrung mit der industrialisierten Tötung zum Ausdruck, er bildete die Realität des Todes auf drastische und gleichzeitig übertragende Weise ab.

Seine Bilder seien tief erschrockene, apokalyptische Szenen „vom Rand der Zerstörung“ formulierte Lutz-Bachmann. Sie zeigten den Verlust einer ganzen Zivilisation und ließen vorausahnen, was dem „großen“ Krieg folgte, nämlich Faschismus und Stalin-Terror.

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