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Google kapituliert vor dem Wetter

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Bald sind sie im Taunus unterwegs, die Google-Kameras.
Bald sind sie im Taunus unterwegs, die Google-Kameras. © dpa

Längst sollten Googles Kamera-Autos im Hochtaunuskreis unterwegs sein, um Straßen für das Internet-Angebot Google Street View abzufilmen. Doch der Internet-Gigant muss seine Aufnahme-Touren verschieben. Von Anton J. Seib

Von Anton J. Seib

Auch noch so moderne Technik muss kapitulieren, wenn das Wetter nicht mitspielt. Eigentlich sollten seit Anfang November die Kameraautos im Hochtaunuskreis unterwegs sein, um sämtliche Straßen für das neue Internet-Angebot Google Street View abzufilmen. "Derzeit sind die Teams nicht unterwegs, weil das Wetter zu schlecht ist", sagt eine Google-Sprecherin. Sie sollen erst im Frühjahr wieder starten.

Bis dahin wird auch die Wählergruppe Kronberg für Bürger (KfB) eine Antwort des Magistrats auf ihre Anfrage haben, die sie bei Stadtverordnetenvorsteherin Blanka Haselmann eingereicht hat. Darin verlangt die KfB Antwort auf die Frage, ob die Stadt darüber informiert ist und ob sie daran denkt, von Google Geld für die Filmrechte zu verlangen.

Liste der Kommunen

"Ein Bürger hat uns informiert, dass Google derzeit in Kronberg und im gesamten Kreis unterwegs ist", sagt KfB-Fraktionsmitglied Rainer Schmidt. Der Internet-Suchmaschinenanbieter Google hat auf seiner Homepage die Liste all jener Kommunen veröffentlicht, die derzeit genauestens erfasst werden. Die aufälligen Autos mit dem Kameramast auf dem Dach hat noch niemand gesichtet, dennoch sorgen sich manche Kronberger, dass ihre Intimsphäre durch die Aufnahmen für die Google-Internetplattform verletzt werden könnte. Dazu gehört auch Schmidt: "Ich halte grundsätzlich nichts davon, über die Köpfe der Bürger etwas zu machen, nur weil es möglich werden kann", so Schmidts Credo, der als IT-Sicherheitsspezialist besonders sensibel für solche Themen ist.

Viele Prominente

Zudem leben in Kronberg eine Reihe Prominenter, die kein Interesse daran haben dürften, dass ihre Häuser, Autos oder gar sie selbst im Internet zu sehen sein werden. Schmidt: "Vielleicht formiert sich auch von dieser Seite Widerstand."

In Bad Homburg zeigte man sich überrascht über die Google-Aktion. "Im Rathaus ist davon nichts bekannt", sagte Magistratsdirektor Horst Freund. Eine Nachfrage bei den städtischen Ordnungspolizisten habe ebenfalls keine Erkenntnisse gebracht.

Auch im Landratsamt ist nichts bekannt von den Kamerafahrten. Der Kreis sei auch nicht zuständig, so Kreispressesprecherin Pamela Ruppert. Dass die Kamera-Touren an den Behörden vorbeigehen, ist für Freund verständlich: "Die müssen sich keine Genehmigung dafür einholen."

Widerstand gegen die Datensammelwut von Google hat bereits der Oberurseler Rechtsanwalt Jürgen Ronimi geleistet. Er wehrte sich gegen Luftbilder von seinem Grundstück für Google Earth. Allerdings weigerte sich die Staatsanwaltschaft Frankfurt, Ermittlungen aufzunehmen.

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