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Der Gonzenheimer Franke kehrt heim

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Von: Olaf Velte

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Umbau des Fachwerkhauses Am Kitzenhof 4
Umbau des Fachwerkhauses Am Kitzenhof 4 © Michael Schick

Das denkmalgeschützte Haus im Gonzenheimer Kitzenhof wird zum Museum umgebaut. Am Tag des offenen Denkmals kann es besichtigt werden.

Wenn Ernst Henrich ins Obergeschoss des alten Hauses steigt, befindet er sich auf bekanntem Terrain. Hier hat der Vorsitzende des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim 30 Jahre lang gewohnt – genauso wie seine Vorfahren. Von Wohnlichkeit kann aber derzeit keine Rede sein, das denkmalgeschützte Haus im Kitzenhof wird umgebaut zu einem Museum.

Wie weit die Bauarbeiten gediehen sind und was in den sanierten Räumlichkeiten geplant ist, können Besucher am Tag des offenen Denkmals am 12. September erfahren. Ernst Henrich wird die Gruppen durch das Gebäude führen, während Heinz Humpert das „Familienbuch Gonzenheim“ vorstellt. Zum letzten Mal vor der Drucklegung können die Einwohner des früheren landgräflichen Amtsdorfes in dem mächtigen Manuskript blättern – und entscheiden, ob sie in dem 2600-Seiten-Werk erwähnt werden wollen. In limitierter Auflage soll der Mehrbänder im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

Ahnenforscher Humpert hofft, dass dann auch das Museum seine Pforten öffnen kann. Noch liegt aber viel Arbeit vor den Handwerkern und Heimatforschern. Der geplante Einzug zum Ende des laufenden Jahres musste verschoben werden: Immer wieder tauchen marode Balken auf, die durch neues Eichenholz zu ersetzen sind. Die tragenden Deckenbalken wurden bereits mit Stahlwannen unterfangen – der Statik gilt das Hauptaugenmerk der Sanierung.

An der Außenwand steht die Verschieferung des Erdgeschosses noch aus. Zwischen dem 1619 errichteten Haus und dem ebenfalls zum Kitzenhof gehörenden Vereinsheim ist ein Treppenhaus mit barrierefreiem Aufzug entstanden. Ob die veranschlagte halbe Million Euro alle Kosten decken wird, ist ungewiss.

Exponate zur Früh- und Ortsgeschichte sollen im Erdgeschoss ihren Platz finden, der obere Stock ist Sonderausstellungen und Veranstaltungen vorbehalten. Auf den 120 Quadratmetern werden nicht nur Werkzeuge und historische Gerätschaften präsentiert, auch ein Modell der bis in die 1970er Jahre über die Weltmeere dampfenden „MS Gonzenheim“ ist zu sehen. „Der Reeder hat in der Promenade gewohnt“, sagt Henrich. Und die Promenade gehörte lange zur Gonzenheimer Gemarkung – bis die „Zwangseingemeindung“ 1937 auch das Aus für das Rathaus im Kitzenhof bedeutete. Danach diente das ehemalige Gehöft als Wohnstätte.

„Magnet“ des künftigen Museums, so Heinz Humpert, soll der Gonzenheimer Franke aus dem nahen Gräberfeld sein. Derzeit noch in der Saalburg ruhend, kommt das Skelett hier unter einem Stück Glasboden zu liegen. Vorerst kann der Besucher aber das alte Flechtwerk der Wände oder die geschwärzten Deckenbalken in der einstigen Küche bestaunen.

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