+
Seit 2011 kann man in Bad Homburg auf 18 Bahnen abschlagen.

Stadtentwicklung

Golfplatz-Pläne in Bad Homburg vorerst gestoppt

  • schließen

Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) zieht nach Protesten seine Vorlage zurück, will nun aber eine breite Diskussion zur Zukunft des Areals an der Saalburgchaussee anstoßen.

Die Pläne zur Erweiterung der Anlage des Bad Homburger Golfclubs sind vorerst gestoppt. Wie Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mitteilte, habe er die Vorlage zum Aufstellungsbeschluss für den entsprechenden Bebauungsplan zurückgezogen. Es gebe „verwaltungsintern noch weiteren Beratungsbedarf“, begründete Hetjes sein Vorgehen.

Aber auch in der Politik hatte das Thema hitzige Diskussionen ausgelöst. Dabei ging es vor allem um Überlegungen, die Golfanlage an der Saalburgchaussee in Dornholzhausen um 4,4 Hektar in den angrenzenden Wald auszuweiten.

„Der Stadtwald darf nicht angetastet werden“, fordert der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste Bad Homburg (BLB), Armin Johnert. Sein Pendant von der FDP, Wolfgang Hof, hatte ebenfalls Widerstand angekündigt. Und auch aus seiner eigenen schwarz-roten Koalition bekam Hetjes Gegenwind.

Nichtsdestotrotz werde er an einer „konstruktiven Unterstützung“ des Clubs festhalten, betonte der Oberbürgermeister. Es könne nicht sein, dass die Golfer von der Stadt schlechter behandelt würden als andere Vereine. Eine „Neiddebatte“ führe nicht weiter.

Aktuell sei der Verein zwar auf Wachstumskurs und mache eine gute Jugendarbeit, doch gerade Nachwuchsspieler wanderten wegen der schwierigen Platzverhältnisse zu anderen Vereinen ab, hatte der Präsident des Royal Homburger Golfclubs, Robert Gaertner, im Gespräch mit der FR geschildert.

Die nötigen Veränderungen seien auf Basis des bestehenden Bebauungsplans jedoch kaum oder nur schwer möglich, sagt Oberbürgermeister Hetjes. Dennoch wolle die Stadt nun nach „unbürokratischen Lösungen“ suchen, um zumindest kleinere Neuerungen zu ermöglichen – etwa das Anlegen eines Chipping Green oder den Umbau der Driving Range, auf der Golfer ihre Abschläge üben. Außerdem müsse der vereinseigene Betriebshof verlegt und das Wassermanagement verbessert werden. Um solche Fragen zu besprechen, will Hetjes möglichst bald Vertreter aus der Stadtverwaltung, von Naturschutzbehörden, Forstbetrieb und dem Verein an einen Tisch holen. Wichtig seien vor allem Gespräche mit dem Regierungspräsidium, das Abweichungen von dem bestehenden Bebauungsplan genehmigen müsste.

Bad Homburg: Golfclub benötigt Perspektive

Allerdings benötige der Club auch eine Langfristperspektive. Dazu wolle er nun eine breite Diskussion anstoßen, die am Ende in einen Golfentwicklungsplan münden solle, kündigte Hetjes an. Das solle mit einer möglichst großen Transparenz geschehen. Er verwies dabei auf das Stadtentwicklungskonzept „ISEK 2030“, bei dem es auch eine umfassende Bürgerbeteiligung gegeben hatte.

„Es geht für den Verein letztlich darum, den höheren Anforderungen an das Golfspiel sowie der Konkurrenz zu anderen Golfplätzen gerecht zu werden“, sagte Hetjes. Dabei führte er auch die wirtschaftlichen Interessen der Stadt an. „Gerade für amerikanische und asiatische Firmen ist ein funktionstüchtiger Golfplatz ein wichtiges Standortargument.“

In der nun zurückgezogenen Magistratsvorlage wird als Ziel „die Entwicklung eines regelkonformen 18-Loch-Golfplatzes mit 72 Paar mit internationalem Standard“ genannt. Dafür wäre eine Erweiterung des bisherigen Geländes nötig, räumt Hetjes ein. Sollte es als Ergebnis der nun anstehenden Diskussion dazu kommen, seien aber in jedem Fall entsprechende Ausgleichsmaßnahmen nötig. Sprich: Gefällte Bäume müssten an anderer Stelle wieder aufgeforstet werden.

In diesem Zusammenhang verwies der Oberbürgermeister auf die intensive Pflege von Flora und Fauna, die der Golfclub schon jetzt auf seiner Anlage in Dornholzhausen betreibe. Dort hatte es bereits vor acht Jahren um deren Ausbau auf 18 Bahnen harte Auseinandersetzungen mit Naturschützern gegeben.

Der Verein

Der Bad Homburger Golfclub hat 900 Mitglieder, darunter 100 Jugendliche. Seit 2013 darf er als einziger Verein in Deutschland den Titel „Royal“ führen.

Das Vereinsgelände im Stadtteil Dornholzhausen ist 2011 zu einer 18-Loch-Anlage ausgebaut worden.

Darüber hinaus betreut der Verein den traditionsreichen „Old Course“ im Kurpark. Die zwischen 1889 und 1891 errichtete Anlage war der erste Golfplatz auf deutschem Boden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare