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Vom Bürgermeister zum Kurdirektor: Ralf Wolter.

Ralf Wolter

Mit goldener Feder in die Kur

Nun gibt es kein Zurück mehr: Eppsteins scheidender Bürgermeister Wolter hat den Vertrag als Geschäftsführer der Bad Homburger Kur-Gesellschaft unterschrieben. Von Martina Propson-Hauck

Von MARTINA PROPSON-HAUCK

Seinen Arbeitsvertrag als Geschäftsführer der Kur- und Kongress GmbH unterschrieb er gestern früh im Bad Homburger Rathaus mit einem goldenen Füllfederhalter: ein Abschiedsgeschenk seiner Bürgermeisterkollegen aus dem Main-Taunus-Kreis. Und am kommenden Samstag feiert er nicht nur seinen 48. Geburtstag, sondern begeht auch seinen offiziell letzten Arbeitstag im Eppsteiner Rathaus - der scheidende Bürgermeister Ralf Wolter.

Gestern machte er bereits eine erste Arbeitsstippvisite im Kaiser-Wilhelms-Bad im Büro seines Vorgängers, Peter Bruckmaier. Damit der Übergang vom einen zum anderen nach 24 Dienstjahren nicht ganz so schwer wird, will Bruckmaier seinen Nachfolger einen Monat lang einarbeiten. So könne er sich gut "im Hintergrund warmlaufen", sagte Wolter, der ehemalige Zehnkämpfer und ambitionierte Hobbysportler gestern.

Als Geschäftsführer zeichnet er dann zwar erst ab 1. April, aber im März muss er sich bereits allein zurechtfinden, denn da feiert Bruckmaier restlichen Urlaub ab. Der scheidende Kurdirektor, den man mit dieser Bezeichnung jederzeit und ganz automatisch zu größeren Exkursen über die verantwortungsvolle Tätigkeit an der Spitze des modernen Großunternehmens Kur- und Kongress reizen kann, wird an seinem 65. Geburtstag, dem 27. Februar, mit einem großen Festakt in der Englischen Kirche verabschiedet.

Wolter behält die Socken an

Dass er in große Fußstapfen tritt, weiß Wolter und nimmt es - bei eigener Schuhgröße 48 - recht gelassen. Selbst als die Oberbürgermeisterin und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Kur während der Vertragsunterzeichnung ein wenig ungalant in Gegenwart des "Neuen" davon schwärmt, dass Bruckmaier allen doch in vielen Dingen fehlen wird. Dem Mann mit dem bayerischen Charme durfte nicht einmal das Wetter beim Homburger Sommer widersprechen: Deshalb trug er zu dessen Veranstaltungen niemals Socken.

Wolter hat ein anderes Temperament und kann das ganz gelassen nehmen. Er will auf jeden Fall baldmöglichst nach Bad Homburg ziehen. Nur der Tochter, die an einer Wiesbadener Schule gerade ein Jahr vor dem Abitur steht, will er keinen Schulwechsel verordnen. Seine Ehefrau, Lehrerin für Englisch und Sport, habe bereits einen Versetzungsantrag an eine der Schulen des Hochtaunuskreises ausgefüllt. Denn schließlich haben beide einst schon in Kirdorf geheiratet und zehn Jahre lang in Oberstedten gewohnt. Für den Wohnsitz in Bad Homburg müsse er allerdings auch erst "ein geeignetes Domizil finden".

Das lässt darauf schließen, dass er nicht die im Kaiser-Wilhelms-Bad vorhandene und von seinem Amtsvorgänger genutzte Dienstwohnung in Anspruch nehmen will. Frei wäre sie, denn Bruckmaier will nach Ende eines Vierteljahrhunderts in der Champagnerluft der Kurstadt in München mal wieder Großstadtluft schnuppern, Föhn inklusive.

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