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Glück auf in Bad Homburg

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Von: Fabian Böker

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Steine und Wasser: Daniel Guischard im Stollen.
Steine und Wasser: Daniel Guischard im Stollen. © Rolf Oeser

Der Elisabethenstollen im Bad Homburger Stadtwald liefert 30 Prozent des täglich benötigten Trinkwassers. Seit Juli 2012 wurden dort neue Rohleitungen verlegt, nun ist die Sanierung abgeschlossen.

Immer geradeaus, 560 Meter lang. Alle vier Meter eine Erhöhung aus Asbestbeton, Stolpergefahr. Links oder rechts passt kein zweiter Mensch hin, dafür Rohre und heruntertropfendes Wasser. Die Decke hängt an einigen Stellen so tief, dass Entengang angesagt ist. So bewegt sich der Trupp gestern durch den Elisabethenstollen im Bad Homburger Stadtwald – Journalisten, Fotografen, angeführt vom Leiter der Feuerwehr, Daniel Guischard, und Christian Bacher, Wassermeister bei den Stadtwerken.

Der Grund war die Beendigung der Sanierungsmaßnahmen in dem Trinkwassergewinnungsstollen. Vier neue Rohrleitungen mit einer Gesamtlänge von 2,8 Kilometern wurden dort seit Juli 2012 verlegt. Immer wieder auftauchende Undichtigkeiten und Rohrbrüche hatten die Erneuerung notwendig gemacht. Etwa 1,2 Millionen Euro kosteten die Bauarbeiten. Der Stollen ist einer von vieren, aus denen in Bad Homburg Trinkwasser gewonnen wird. Er wurde zwischen 1955 und 1962 errichtet und liefert etwa 30 Prozent der täglichen Wassermenge, die in Bad Homburg verbraucht wird.

Die Enge in dem Schacht kann durchaus beklemmend wirken. Aber eigentlich kann nichts passieren, denn alle Pseudo-Bergmänner sind bestens ausgerüstet: Gummistiefel, Ganzkörperanzug, Helm mit Lampe und ein Selbstrettungsgerät für die Sauerstoffzufuhr, falls – Feuerwehrleiter Daniel Guischard wird nicht müde zu betonen, dass das eigentlich ausgeschlossen sei – doch mal etwas passieren sollte.

Nach 300 Metern stur geradeaus gibt es die erste Pause. Wassermeister Christian Bacher erläutert, dass es sich bei dem Wasser, durch das wir die ganze Zeit waten, um Sickerwasser handelt. Auch erfahren wir, dass diese Stolperfallen auf dem Boden die Halterungen für die bisherigen Rohre waren. „Vielleicht holen wir die auch irgendwann einmal hier raus“, blickt Bacher in die Zukunft. Bis es so weit ist, heißt es weiter, alle vier Meter den Gummistiefel-Fuß besonders hoch zu heben.

Dann ist endlich mal Platz. Links und rechts ergeben sich ungeahnte Freiräume, links zweigt ein Seitenstollen ab. Feuerwehrmann Guischard berichtet, dass dieser früher unbeleuchtet war. Um den Stollen-Novizen von der Presse zu zeigen, was das bedeutet, geht er ein paar Meter voran, bittet alle, die Helmlampen auszumachen, und sofort wird allen klar, was der alte Bergmannspruch „Vor der Hacke ist es duster“ bedeutet. Schnell weiter.

Nach wenigen Metern gibt der Stollen dann zur rechten Seite einen Blick auf etwas Ungewöhnliches frei. Eine Wendeltreppe, die 35 Meter steil nach oben führt. Im Falle des Falles ist sie eine der wenigen Fluchtmöglichkeiten nach draußen. Oben angekommen, liegt man dann zwar irgendwo im Stadtwald, ist aber immerhin in Sicherheit.

Die Treppe wäre wohl auch der erste Anlaufpunkt, wenn die Stautür, die kurz darauf und nach insgesamt 560 Metern erreicht wird, einmal bersten sollte. Damit Gefahren im Zusammenhang mit der Sanierung gemindert werden konnten, haben Daniel Guischard und ein Team von der Feuerwehr eigens eine Ausbildung zur Grubenwehr mitgemacht. Teilnehmen konnten nur Feuerwehrleute mit entsprechender Physis, „denn alleine ein Übungsdurchlauf hier im Stollen dauert zwei Stunden“, so Guischard. „Das geht an die Belastungsgrenzen.“

Das sehen die als Bergmänner verkleideten Schreiber und Fotografen ähnlich, es geht wieder zurück zum Eingang. Auf Höhe der Wendeltreppe bleibt der Trupp noch einmal stehen, gegenüber befindet sich ein weiterer Raum, der Barbaraschacht. Daniel Gui-schard hat sich eine Überraschung einfallen lassen: Im Inneren erwarten die Besucher eine Figur des heiligen Florian, Schutzpatron der Feuerwehrleute, Teelichter und Bergmann-Getränke. Doch bevor wir es uns heimelig machen konnten, rief der Feuerwehr-Chef zum Rückzug. Und nach 45 Minuten unter Tage tat das Tageslicht richtig gut.

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