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Georg Oppermann zeigt an seinem prächtig funkelnden Stand in der Stadthalle Oberursel einen ebenso prächtigen Bergkristall. 

Oberursel

Mineralien- und Fossilienbörse in Oberursel

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Die Mineralien- und Fossilienbörse in der Stadthalle Oberursel ist fast schon ein „Familientreffen“ - auf jeden Fall ist sie aber eine ganz besonders prächtige Messe.

Ein Funkeln, wo immer das Auge hinblickt. Als wäre jeder Stein einzeln in Szene gesetzt. Ins Licht muss der Stein, dieses Kunstwerk, für das die Natur bei vielen Glitzerwerken Millionen Jahre gebraucht hat. Das Faible für diese uralten Natur-Kunstwerke und gleichzeitig die Demut bei ihrer Betrachtung und Veredlung eint die Sammler und Jäger, die Sucher und Finder und Weiterverteiler, die dankbaren Empfänger und Verschenker. Sie lieben diese wunderbare Welt der Steine, die „Schönheit der Natur“, wie es Marion Oppermann nennt, die seit der Premiere der Mineralien- und Fossilienbörse 1979 immer wieder zum „Familientreffen“ kommt.

Das Glitzern der Steine spiegelt sich in den Augen der Betrachter. Um sich bezaubern zu lassen, sind sie hergekommen, haben weite Wege in Kauf genommen, sind aus ganz Deutschland und der Alpenregion angereist. „Alles Eigenfunde“, sagt Bernhard Reimann, der Schweizer aus dem Tessin. Seit 25 Jahren kommt er mit seinen Steinen zur Börse in die Oberurseler Stadthalle, jedes Stück präsentiert er mit einem handgeschriebenen Zettel mit Infos über den Stein und seinen Fundort. Reimann ist 83 Jahre alt, „strahlen“ geht er noch immer. Strahler werden sie nicht nur in der Schweiz genannt, die Steinesucher, die mit Hammer und Meißel im Rucksack auf und in die Berge ziehen, um ihnen ein paar ihrer schönsten Kostbarkeiten mit Vorsicht zu entnehmen.

Die innere Schönheit offenbart sich bisweilen beim Aufbruch. Verborgene Schätze aus Marokko und Mexico zeigen sich da plötzlich in auf dem ersten Blick langweiligen Feldsteinen aus den Wüsten dieser Welt. Mit dem „Geoden-Knacken“ durch einen manuellen Steinebrecher kommen sie ans Licht, Zuckerquarz-Kristalle etwa. Für fünf Euro gibt es solche Modelle für Einsteiger, manch eine Strahler-Karriere wird so eingeleitet. Oft vererbt sich die Leidenschaft für glitzernde Steine über Generationen.

Über 40 Jahre hat Marion Oppermanns Mann Georg die Börse des Arbeitskreises Geologie und Mineralogie im Oberurseler Verein für Geschichte organisiert, man könnte die beiden salopp Urgesteine der deutschlandweit bekannten Veranstaltung nennen. Immer wieder ein Hingucker: Georg Oppermanns besonderer kleiner Showroom, ein entkernter alter Saba-TV-Kasten aus Holz. Mit langwelligem UV-Licht bestrahlt – Schwarzlicht wie im Partykeller – offenbaren seine fluoreszierenden Mineralien eine bunte Strahlkraft, die man ihnen im Tageslicht nicht ansieht. Fluorite aus Spanien, Hyalit aus Namibia, Ammonite, im Zusammenspiel der Steine ein Farbspektakel besonderer Art, wenn das schwarze Tuch zur Verhüllung des Kastens fällt.

Um den Stein in seiner ursprünglichen Form geht es den Strahlern. Schmuck- und Kunsthandwerk oder Mineralien und Fossilien, die zu Esoterik-Accessoires umgearbeitet wurden, sind zum Familientreffen nicht eingeladen. Alternative zu kommerziellen Börsen wollten sie hier immer sein. Deswegen sieht Oppermann die Börse auch in guten Händen bei Sascha Staubach. Der junge Geologe ist zum zweiten Mal Koordinator. An seinem Stand wirbt er im flotten Ton für „Frische Mineralien aus Bodenhaltung – 100 Prozent Geo“.

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