1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Gewalt und üble Sprüche

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Justitia
Justitia © ddp

Er schlägt und tritt regelmäßig um sich - und fühlt sich deshalb von Richtern und Staatsanwälten verfolgt. Ein 32 Jahre alte Mann aus dem Hintertaunus steht deshalb mal wieder vor dem Usinger Amtsgericht.

Von Sabine Maurer

Seine Sätze sind oft nicht verständlich, seine Ausdrucksweise ist jedoch äußerst gewählt. Er ist arbeitslos, lebt seit Jahren auf Kosten seiner Stiefmutter und betont gerne, dass er dem Staat nicht auf der Tasche liegt. Das sei ja schließlich würdelos. Er rastet oft aus, schlägt auch schon mal zu und fühlt sich dabei völlig im Recht. Und er fühlt sich verfolgt. Von der Justiz, die ihn gesundheitlich und finanziell völlig ruinieren wolle. Und vor allem von Jugendlichen, die angeblich immer extra vor seinem Haus in Usingen Randale machen. „Kerlchen“ nennt der 32-Jährige sie und regt sich dabei fürchterlich auf. Vor einiger Zeit hat er das Fenster eines Autos eingetreten, während die „Kerlchen“ darin saßen. „Damit habe ich ein Zeichen gesetzt. Seitdem ist Ruhe“, brüstete er sich im Usinger Amtsgericht.

Dort wurde schon häufiger gegen den Mann mit dem Hang zur Selbstjustiz verhandelt. Mal geht es um Auseinandersetzungen mit den Jugendlichen, dann hat er einmal einen 80-jährigen Mann geschlagen und gegen einen Lastwagen geschleudert: Dieser hatte seiner Meinung nach ein Auto nicht schnell genug weggefahren. Grund genug für ihn, den Lack zu zerkratzen und dann auf den alten Mann loszugehen.

Nun ist die Justiz dran

Jetzt hat er sich auch noch mit der Justiz angelegt, von der er als Mann mit rechter Gesinnung ohnehin nicht viel hält. Den Strafrichter bezeichnete er in einem Schreiben als „gekränkten Provinzrichter“, der „zutiefst parteiisch“ sei und ein „unsittlich hohes Strafmaß“ gegen ihn verhängt habe. Die Zeugen hätten falsch ausgesagt, seien auch falsch befragt worden. Außerdem hätten Richter und Amtsanwältin sich wohl abgesprochen und es solle „ein Exempel am Deutschtum statuiert werden“, wie er bei der aktuellen Verhandlung im Usinger Amtsgericht meinte.

Dort saß er unter anderem wegen übler Nachrede, weil er den Strafrichter in dem Schreiben verunglimpft hatte. Außerdem hatte er eine ältere Frau übel beschimpft, was er selbst allerdings gar nicht so sieht. Doch die Frau war vor Gericht glaubwürdiger als er. Der in seiner Berufsehre gekränkte Strafrichter, der als Zeuge aussagen musste, sowieso. „So langsam ist das Maß einfach voll“, meinte dieser. Das sah auch sein Kollege so, der die Verhandlung führte und den Mann schließlich zu einer Geldstrafe von 2200 Euro verurteilte. Seine Meinung über den 32-Jährigen: „Wenig einsichtsfähig und Defizite in der Lernfähigkeit“.

Auch interessant

Kommentare