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Gesundes Selbstbewusstsein senkt das Suchtrisiko

Vier Kindergärten versuchen mit dem Projekt Papilio, Jungen und Mädchen zu stärken

Vierjährige saufen und kiffen nicht. Warum also Prävention im Kindergarten?

So wie Sie fragen sich das viele. Es hat etwas mit der Entwicklung der Suchtprävention zu tun. Früher dachte man, wir zeigen abschreckende Bilder, das funktioniert. Abschreckung hilft aber nicht wirklich. Ebenso wenig sachliche Information. Jeder Raucher weiß, Rauchen ist schädlich, aber das interessiert ihn nicht. Oder, und da nenne ich als Beispiel das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo"...

...die Geschichte der drogensüchtigen Christiane F. ...

... Ja. Das war für viele Jugendliche besonders interessant, das war abenteuerlich, fiel aus dem Rahmen. Für gefährdete Jugendliche ist das eher interessant als abschreckend. Heute versuchen wir schon bei kleinen Kindern, bestimmte Lebenskompetenzen zu entwickeln, die hilfreich sind, um das Suchtrisiko zu minimieren.

Was heißt das?

Es geht um Schutzfaktoren, die Bestandteil jeder Erziehung sind. Die in der Prävention tätigen Institutionen haben die Aufgabe, diese Schutzfaktoren mehr in den Blickpunkt jener zu rücken, die an der Erziehung von Kindern und Jugendlichen beteiligt sind.

Können Sie das konkretisieren?

Es geht beispielsweise darum, bei den Kindern ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Ein Kind muss wissen, was es kann und nicht kann. Ein Risikofaktor wäre ein zu kleines Selbstbewusstsein, aber auch ein übertriebenes Selbstbewusstsein kann zum Risiko werden. Die Kinder sollen in ein inneres Gleichgewicht kommen, den richtigen Umgang mit Gefühlen lernen.

Sie bieten das Projekt Papilio an. Was steckt dahinter?

Papilio wurde vom Beta-Institut in Augsburg entwickelt. Papilio kommt von Schmetterling, der Sinnbild ist für Leben, Leichtigkeit, aber auch von Befruchtung mit guten Ideen. Im Mittelpunkt steht der Umgang der Kinder mit Gefühlen, auch mit schwierigen Gefühlen wie Wut, Ärger, Angst.

Arbeiten Sie direkt mit den Kindern zusammen?

Nein, ich bin für den gesamten Hochtaunuskreis zuständig, das kann ich nicht leisten. Ich qualifiziere Multiplikatoren, beispielsweise Erzieherinnen.

Wie arbeiten die dann mit den Kindern?

Da gibt es die vier Figuren Freudibold, Heulibold, Bibberbold und Zornibold. Bibberbold etwa erzählt via CD, dass er Angst hat, und fragt, ob sie das auch kennen. Dann fordert er die Kinder auf, Ideen zu entwickeln, zu erzählen, was sie machen, wenn sie ängstlich sind. Die Erzieherin bespricht das mit den Kleinen. Am nächsten Tag hören die Kinder den nächsten Teil, und Bibberbold bedankt sich für die vielen Ideen. Die Kinder werden direkt angesprochen und spüren, dass eine fremde Person sie wertschätzt. Und so geht das dann weiter mit Freude, Wut und Trauer.

Wie lange arbeiten die Erzieherinnen mit den Kindern?

Papilio zieht sich wie ein roter Faden durch die Kindergartenzeit und findet nicht nur mal vier Wochen statt. Das ist der Vorteil.

Provokant gefragt: Kann Papilio verhindern, dass ein Junge später mal ein Junkie wird?

Nein. Aber wir können damit ein Stückweit garantieren, dass Kinder besser mit ihren Gefühlen umgehen können. Das minimiert das Suchtrisiko zumindest.

Können Sie bei den Kindern einen Wandel im Umgang untereinander feststellen?

Befragungen von Erzieherinnen haben ergeben, dass sich in vielen Fällen Verhaltensauffälligkeiten verändert haben. Erfolge gab es vor allem bei Kindern mit besonderen Schwierigkeiten. Papilio ist nicht nur Suchtprävention, sondern auch ein Programm zur Gewaltprävention. Denn wer mit seinen Gefühlen umgehen kann, muss nicht um sich schlagen.

Wie ist denn die Nachfrage im Hochtaunuskreis nach Papilio?

Momentan machen vier Kindergärten mit. Es ist schwierig, Kindergärten dafür zu interessieren.Viele Erzieherinnen sind überlastet mit Anforderungen. Da ist eine umfangreiche Fortbildung von acht Tagen für viele Einrichtungen schwer umzusetzen.

Interview: Anton J. Seib

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