1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Aus für Gerd Krämer

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Freut sich aufs Durchatmen: Gerd Krämer.
Freut sich aufs Durchatmen: Gerd Krämer. © Renate Hoyer

Oberursels Ex-Bürgermeister Gerd Krämer verabschiedet sich von der politischen Bühne. Jetzt will er sich auf die Fastnacht konzentrieren.

Von Jürgen Streicher

Nun also auch Gerd Krämer. Der Polit-Profi steigt aus, wird Privatier. Zumindest vorerst. Bis Ende des Jahres mindestens. Die Kabinettsumbildung des künftigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier bot ihm die Chance, in Wiesbaden Servus zu sagen. Nein, kein politisches Ausbooten, „rein persönliche Gründe“, sagt der 52-jährige Christdemokrat. Er habe Bouffier gesagt, dass er „nicht böse wäre, wenn er mich nicht berücksichtigen würde“.

Ausgerechnet Gerd Krämer, der die Karriereleiter so schnell erklommen hat. Der mit 34 Jahren Sozialdezernent in Oberursel wurde, noch keine 40 war, als er die erste Bürgermeisterdirektwahl mit hohem Vorsprung gewann und mit ähnlichem Ergebnis sechs Jahre später wiedergewählt wurde. Für höhere politische Weihen war er vorgesehen, das dachten zumindest viele. Und er selbst war dem Weg nach ganz oben in der Politik wohl auch nicht abgeneigt.

In Interviews hat Gerd Krämer mehrfach damit kokettiert, dass er einem Bundeskanzler Roland Koch gerne nach Berlin folgen würde. Es wurde erst mal ein Ruf nach Wiesbaden, Koch hat ihn im Frühjahr 2003 als Ministerpräsident gerufen. Und ihn zum Staatssekretär im Sozialministerium von Silke Lautenschläger (CDU) gemacht. Nun hat Koch Krämers Zeitplan mit seiner eigenen Demission durchkreuzt. „Schon länger“ habe er auch andere berufliche und private Pläne für „attraktiv“ befunden, bekennt Krämer. Aber eben frühestens nach dem Hessentag 2011 in seiner Wahlheimat Oberursel. Da wäre er schon gerne als Staatssekretär dabei gewesen, inzwischen im Ministerium für Wissenschaft und Kunst von Eva Kühne-Hörmann (CDU). Mit beiden Ministerinnen habe er gut zusammengearbeitet.

Nun wird Gerd Krämer schon ab morgen Pensionär sein, im einstweiligen Ruhestand. Mit 52 Jahren. „Nein, ich habe noch keine konkreten Pläne“, sagt der Historiker, dessen Aufstieg in der CDU Hochtaunus als Geschäftsführer der Kreistagsfraktion begann. Nach „25 Jahren in der Knochenmühle“ mit kaum einem freien Abend freut er sich aufs „Durchatmen“ im privaten Leben.

Mit dem Vorwurf der Fahnenflucht, der in der aktuellen politischen Rücktrittswelle immer wieder geäußert wird, kann er sich abfinden. „So ist das eben, wenn man Politiker ist. Und wenn man nicht loslässt, dann heißt es, man klebt an seinem Sessel. Nur bei einem Manager ist es schick, wenn er nach Jahren Tretmühle eine Auszeit nimmt.“ Gerd Krämer wird sie genießen, mit mehr Frohsinn vielleicht als manche Stunde in Wiesbaden. Mit mehr „Frohsinn“ auf jeden Fall, denn für seinen geliebten Karneval hat Ex-Prinz Gerd I. nun mehr Zeit.

Und für Engagement auf anderen Ebenen. Gerade ist er als Gründungsmitglied der Oberurseler Initiative „Rettet das Ehrenmal“ beigetreten. Er wird nach Absprache mit Bouffier den Aufsichtsratsvorsitz der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim behalten, stellvertretender Landesvorsitzender des hessischen Volkshochschulverbandes bleiben, auch Landesvorsitzender der CDU-Sozialausschüsse. Und nebenbei seinen Marktwert testen, denn zum Privatier auf Lebenszeit fühlt er sich noch nicht berufen.

Und die Politik? Nun ja, für den Kreistag will er nächstes Jahr kandidieren, wenn die Kreis-CDU einem Oberurseler Votum folgt und ihn im November auf die Kandidatenliste setzt. Um sich „in die Sozialpolitik einzumischen“, und um sich intensiv um die Partnerschaft mit dem israelischen Distrikt Gilboa zu bemühen. „Aber ich werde keinerlei Ämter anstreben und auch auf keinen Fall für das Oberurseler Stadtparlament kandidieren.“ Ausstieg ist Ausstieg – „Ich freue mich drauf.“

Auch interessant

Kommentare