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Erika Pazofsky kommt mit der Schenkung dem letzten Willen ihrer Schwester nach.

Bad Homburg

Gemäldegeschenk als letzter Wille

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Das Stadtmuseum im Gotischen Haus hat mehrere Bilder aus dem Nachlass der Malerfamilie Reinermann erhalten.

Zum offiziellen Termin hat Erika Pazofsky ihren Familienstammbaum mitgebracht. Er dürfte der Leiterin des Bad Homburger Stadtmuseums im Gotischen Haus, Ursula Grzechca-Mohr, die Arbeit erleichtern, die fünf Gemälde und zwei Grafiken genau zuzuordnen, die Pazofsky dem Museum schon vorab überreicht hatte.

Die Bilder stammen aus dem Nachlass ihrer Zwillingsschwester Liselotte Prigge, die 2018 in Bad Homburg-Gonzenheim verstorben ist. Als letzten Willen hatte sie Erika Pazofsky aufgetragen, die Exponate aus der Sammlung Reinermann/Prigge an das Stadtmuseum zu übergeben, wo von Dezember 2006 bis März 2007 eine Ausstellung über den Landschaftsmaler Friedrich Christian Reinermann zu sehen war.

Die Gemälde seien ihrer Schwester sehr wichtig gewesen, berichtete Erika Pazofsky. Sie hatte sie in ihrem Haus aufgehängt. Es handelt sich unter anderen um zwei Porträts eines älteren Paares, wohl der Eltern des Malers Friedrich Christian Reinermann, der in den Jahren um 1800 in der Rhein-Main-Region und Mittelhessen ein sehr gefragter Künstler war und zeitweise in Frankfurt eine Kunsthandlung betrieben hatte. „Wer damals etwas auf sich hielt, hat sich einen Reinermann geleistet“, sagte Ursula Grzechca-Mohr.

Das Gotische Haus beherbergt seit 1985 das Städtische historische Museum. Bekannteste Abteilung ist das Hutmuseum mit dem berühmten „Homburg“.

Derzeit ist darüber hinaus eine Sonderausstellung mit frühen Werken des Malers Carl Stolz zu sehen. Auch dabei hat das Museum von einer Schenkung profitiert. Die Schau läuft bis 7. Juli.

Geöffnet ist das Gotische Haus, Tannenwaldweg 102, von Dienstag bis Samstag 14–17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen 10–18 Uhr. twe

Ein weiteres Werk aus der Schenkung zeigt eine Schweizer Gebirgslandschaft. Die Jahre von 1793 bis 1803 habe der Friedrich Christian Reinermann in Basel verbracht, erläuterte die Museumsleiterin. Künstlerisch sei es das bedeutendste Bild aus der Schenkung. „Es ist nun sogar eines der wertvollsten Gemälde unserer Sammlung“, freut sich die Museumsleiterin. Das Gotische Haus besaß bislang nur eine kolorierte Zeichnung des Bad Homburger Schlosses aus der Feder Reinermanns. Hinzu kam eine Radierung – ebenfalls mit dem Schloss als Motiv – die aber wohl von seinem Sohn Albert Reinermann stammte.

Dieser dürfte auch das Porträt eines Offiziers gemalt haben, das nun neu in die Sammlung des Museums eingegangen ist. Das Bildnis eines jungen Mannes ist dagegen wohl ein Werk von Reinermanns Bruder Philipp. Darüber hinaus hat Erika Pazofsky dem Gotischen Haus ein kleines Aquarell und eine Karikatur sowie einen Ordner mit Familienunterlagen übergeben.

Damit gebe sie dem Museum „wichtige Impulse“, betonte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Die Bilder fügten sich sehr gut in die Porträtgalerie des Museums ein, ergänzte Ursula Grzechca-Mohr.

Bevor sie öffentlich gezeigt werden können, müssen die geschenkten Neuzugänge aber noch restauriert werden. Dabei gehe es etwa darum, den verschmutzten Firnis abzunehmen und die Leinwände neu aufzuziehen. Während dieser Arbeiten hofft die Museumsleiterin, weitere Hinweise zu den Urhebern der Bilder zu entdecken.

Das Gotische Haus selbst soll ab Ende des kommenden Jahres bis etwa 2023 saniert werden. Geplant ist, für diese Zeit ein Schaudepot im Horex-Museum einzurichten. Zur Wiederöffnung kann sich Ursula Grzechca-Mohr gut vorstellen, eine Sonderausstellung mit Werken der Malerfamilie Reinermann zu präsentieren.

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