Die fleißigen Damen vom An-zieh-Eck.
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Die fleißigen Damen vom An-zieh-Eck.

Oberursel

"Gelebte Integration"

  • Fabian Böker
    VonFabian Böker
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Am Wochenende feiert das An-Zieh-Eck in Oberursel sein Jubiläum. Seit 40 Jahren versorgt die ökumenische Einrichtung bedürftige Menschen mit Kleidung und Haushaltsgegenständen.

Wer hier in der Gegend mal so richtig Klamotten shoppen gehen will, fährt im Regelfall nach Frankfurt. Auf der Zeil ist das Angebot riesig. Doch auch das An-Zieh-Eck in Oberursel kann sich über ausbleibende Kundschaft nicht beklagen. Ob das ein gutes Zeichen ist, ist allerdings fraglich. Denn das An-Zieh-Eck bedient die Menschen, die sich einen Einkauf im normalen Geschäft gar nicht leisten können. Am Wochenende feiert die ökumenische Einrichtung 40-jähriges Jubiläum.

50 Cent für ein paar Socken oder ein Handtuch, zwei Euro für das Polo-Hemd oder den Bettbezug, sieben Euro für den Anzug, 15 Euro für die Lederjacke. Auch T-Shirts, Hosen, Schuhe oder Pullover gehören zum Angebot, ebenso Kleinigkeiten für den Haushalt wie Geschirr, Besteck, Gläser, Tassen oder Brettspiele. „Alles in gutem Zustand“, wie Sandra Anker betont. Sie ist Gemeindereferentin bei der katholischen St. Ursula-Pfarrei in Oberursel und mitverantwortlich für das An-Zieh-Eck. Die evangelischen Innenstadtgemeinden sind die anderen Träger.

Ein Team aus 30 Helferinnen

Bezeichnungen wie „Leiterin“ oder „Chefin“ will Anker aber nicht hören. „Wir funktionieren vor allem als Team“, sagt sie mit Blick auf die 30 Helferinnen. Alle arbeiten ehrenamtlich, und es sind tatsächlich durchweg Frauen, „plus unser Quotenmann.“

Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Spenden, die an drei Tagen in der Woche – montags, mittwochs und samstags, jeweils von 9 bis 12 Uhr – an der Hohemarkstraße 27 ankommen, gesichtet, sortiert und eingeräumt werden. Mittwochs und Samstags erfolgt dann auch parallel die Ausgabe. Erstanden werden Kleidung und Haushaltsgegenstände „mittlerweile von einem breit gefächerten Publikum“, hat Sandra Anker beobachtet. Rentner, junge Mütter, Hartz-IV-Empfänger, Geringverdienende, Männer, Frauen, Deutsche, Ausländer, ein Querschnitt durch die Gesellschaft eben.

Und da jeder auf seine Art bedürftig sei, der zum An-Zieh-Eck komme, gebe es auch keine Kontrollen. Inhaber eines Oberursel-Passes erhielten 50 Prozent Rabatt, so Sandra Anker. „Aber hier muss niemand an der Kasse seine Bedürftigkeit nachweisen.“

Nachweisen kann dagegen das An-Zieh-Eck eine bald 40-jährige Historie. Angefangen in der St. Ursula-Gasse – das Gebäude existiert heute nicht mehr – ging es recht bald an den Hollerberg, wo man sich als „Hollerberg-Boutique“ einen Namen gemacht hat. Christel Fickert und Helene Netz haben schon damals mitgeholfen. Wenn sie heute auf diese 40 Jahre zurückblicken, stellen sie fest, dass sich so manches geändert hat. „Es sind vor allem einfach mehr Menschen geworden, die bedürftig sind und daher zu uns kommen“, berichtet die 77-jährige Christel Fickert.

Woran sich nichts geändert habe, sei ihre Motivation. „Ich möchte einfach nur helfen.“ Kollegin Helene Netz nickt. Und freut sich, dass sie mittlerweile auch zwei türkischstämmige Damen im Team haben, die am Hollerberg noch zu ihren Kunden zählten. „Gelebte Integration“ nennen sie es, und falten den nächsten Pulli zusammen.

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