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Geld für die Hochkultur

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Auf dem Weg zum Expressionismus  in Wiesbaden.
Auf dem Weg zum Expressionismus in Wiesbaden. © dpa

Trotz seines Defizits von knapp 38 Millionen Euro bleibt der Hochtaunuskreis ein mächtiger Sponsor der Hochkultur im Rhein-Main-Gebiet.

Von Klaus Nissen

Der Ausstieg aus dem Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main ist für den Kreistag trotz aller Sparzwänge Unsinn. Die Grünen beantragten am Montagabend vergeblich, den Mitgliedsbeitrag zu streichen und die Hälfte dieser Summe gezielt für Kulturprojekte im Kreisgebiet auszugeben.

Genau 452580 Euro zahlt der Kreis 2011 an die im Bad Homburger Landratsamt sitzende Kulturfonds-GmbH. Das sei „rausgeschmissenes Geld“, findet der Linken-Kreistagsabgeordnete Bernd Vorlaeufer-Germer. Und die Grünen-Fraktion hält Kultur zwar für einen wichtigen Standortfaktor – doch der Kulturfonds siedele seine Leuchtturm-Projekte eher in Frankfurt an, bemängelte die Grünen-Sprecherin Jutta Bruns. „Die Mittel fließen hauptsächlich in die Großstädte.“ Seit 2008 habe der Hochtaunuskreis 1,2 Millionen Euro in den Fonds eingezahlt, aber nur 391000 Euro als Projektförderung erhalten. Das seien gerade zwei Prozent des Kulturbudgets. Dabei stelle der Kreis 18 Prozent der Bevölkerung.

„Das ist eine spießige Vorstellung von Kultur“, widersprach der FDP-Kreistagsabgeordnete Stefan Ruppert. „Man kann nicht nur Kulturpolitik nach Standort machen.“ Bei den vom Kulturfonds geförderten Konzerten und Ausstellungen im Rhein-Main-Gebiet treffe man doch zuvörderst Menschen aus dem Hochtaunuskreis. Mit der Mehrheit von CDU und FDP lehnte der Kreistag den Geld-Stopp für den Kulturfonds ab.

Zwei Euro pro Einwohner

Der vom ehemaligen Städel-Direktor Herbert Beck und Albrecht Graf Kalnein geleitete Kulturfonds hat pro Jahr rund sechs Millionen Euro zur Verfügung. Jeweils zwei Euro pro Einwohner und Jahr zahlen die Städte Frankfurt und Darmstadt, die Kreise Hoch- und Main-Taunus. Weiteres Geld kommt vom Land. Aktuell fördert der Kulturfonds damit die Christian Rohlfs-Werkschau im Bad Homburger Sinclair-Haus, eine Modefotografie-Ausstellung im Frankfurter Museum für Moderne Kunst und die Kleist-Inszenierung „Die Marquise von O.“ am 20. und 21. Dezember im Frankfurter Schauspiel.

Zusätzlich fördert der Hochtaunus mit 50 Cent pro Einwohner und Jahr die Kulturregion-GmbH, die die „Route der Industriekultur“ und das Programm „Garten Rhein-Main“ betreut. Nach der Wahl im März steht die Fusion von Kulturfonds und Kulturregion auf der Tagesordnung.

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