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Mit Wut gegen Zumtobel-Schließung

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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In Usingen gehen die Leuchten aus: Auch dagegen richtete sich die Kundgebung in Oberursel.
In Usingen gehen die Leuchten aus: Auch dagegen richtete sich die Kundgebung in Oberursel. © Renate Hoyer

Der Warnstreik der Metaller wird zum Fanal für den Zumtobel-Standort. 156 Arbeitsplätze sind in Oberursel bedroht.

"Ja, Zumtobel. Scheißdreck.“ Eine Streikende schüttelt den Kopf, als im Gespräch mit Kollegen das Thema auf den Leuchtenhersteller kommt. Sie ist nicht selbst betroffen, aber alle wissen es: Zumtobel will sein Usinger Werk in vier Monaten schließen, 156 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Es war die beherrschende Nachricht unter den Metallern im Warnstreik, die am Freitag vom Rolls-Royce-Standort mit wehenden Fahnen zum Jürgen-Ponto-Brunnen auf dem Rathausplatz zogen. Dort demonstrierten die rund 400 Beschäftigten diverser Firmen eigentlich für ein Lohnplus von fünf Prozent.

Die Arbeitgeber zeigen sich im schwelenden Tarifstreit bislang unnachgiebig, machen Angebote, die für die Gewerkschaft als inakzeptabel bezeichnet werden. „Aber bei Zumtobel hat man derzeit mit anderen Dingen zu kämpfen“, betonte der Betriebsratsvorsitzende von Rolls-Royce in Oberursel, Rolf-Dieter Dreyer. Es gehe um nichts weniger als die Existenz der Mitarbeiter in Usingen.

Viele von ihnen waren bei der Kundgebung der IG Metall dabei. Wie alle im Werk erfuhr die Zumtobel-Betriebsratschefin Gaby Sandberg am Donnerstag um 5 vor 9 am Morgen von den Plänen, den Standort Usingen zu schließen. Es war ein Schock. „Die meisten von uns sind schon seit 25 bis 35 Jahren dabei, man kann sich denken, wie alt die sind.“ Die Chance auf einen Wechsel zu einem anderen Unternehmen sehen sie deshalb nicht.

Beschäftigte wollen kämpfen

Doch die Beschäftigten wollen kämpfen, fast alle von ihnen sind gewerkschaftlich organisiert. Wirtschaftlich stehe der Standort in Usingen sehr gut da, betont Sandberg. Die Pläne zur Schließung zum 31. August gebe es, „weil andere Werke nicht ausgelastet sind“, sagt sie. So ziehe man eben Kapazitäten ab und lasse Usingen ausbluten.

Konzepte und Pläne, einen strategischen Partner ins Boot zu holen, gab und gibt es. Aber die habe die Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Vorarlberg / Österreich allesamt abgeschmettert, fügt Sandberg hinzu. Noch im Februar waren potenzielle Investoren in Usingen zu Besuch.

In dem Leuchtenwerk werden neben Lampen auch medizinische Versorgungseinheiten gefertigt, die in Krankenzimmern von Kliniken für die Anschlüsse für Sauerstoff und Elektronik benötigt werden. Gerade diese Sparte aber hatte zuletzt geschwächelt. Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Elke Barth nimmt bei der Kundgebung Anteil am Schicksal der Zumtobel-Beschäftigten. Vorangegangenen Beteuerungen, den Standort zu halten, sei plötzlich die Nachricht von der Werksschließung gefolgt. „Es ist schon erstaunlich, wie schnell dann plötzlich Sozialpläne bereits fix und fertig ausgearbeitet vorliegen“, sagt Barth bitter. Ein schwerer Schlag sei das für die Stadt Usingen insgesamt.

Für Dienstag, 10. Mai, sind am bedrohten Zumtobel-Standort ein Streik, eine Betriebsversammlung und eine Protestkundgebung geplant.

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