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Gegen das schlechte Image

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Von: Andrea Herzig

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Meister aus dem Taunus werben für die Chancen ihres Berufs. Oft ist die Qualifikation ein Problem.

Dirk Velte ist sein bestes Beispiel. Mit 15, berichtet der Obermeister der Metall-Innung im Hochtaunuskreis, habe er nicht mehr so rechte Lust auf die Schule gehabt. Da hat mein Vater gesagt, jetzt machste erst mal eine Lehre. Die war damals noch dreijährig, Velte schaffte sie in zwei. Mit 20 war er der jüngste Meister in Hessen. Später kam noch der Betriebswirt des Handwerks, jetzt führt Velte einen Betrieb mit 18 Leuten in Oberursel.

Und er kümmert sich um den Nachwuchs. Von seinem eigenen Werdegang berichtet Velte gerne vor Schülern, um sie zu motivieren, ins Handwerk einzusteigen. Wir machen hier coole Sachen, wirbt der Meister. Weil in der Region viele Menschen mit Geld wohnten, gebe es ungewöhnliche Aufträge, zum Beispiel einen Kühlschrank in die Seitenwand eine Pickups einpassen oder ein versenkbares Hoftor bauen.

Aber so weit muss man die jungen Leute erst mal haben. Wir haben ein schlechtes Image, sagt der Handwerksmeister. Dabei gebe man vielen eine Chance, die mit der Schule nicht so klarkämen. Einer seiner besten Leute, erzählt Velte, habe ein halbes Jahr in der Schule gefehlt, bevor er bei ihm einstieg. Wir sind nicht dogmatisch, sagt Velte, dessen Firma in den 40 Jahren ihres Bestehens 68 junge Leute ausgebildet hat. Wichtig sei, ob einer wirklich will. Aber viele Eltern, bedauert Velte, pflegten einen geradezu krankhaften Ehrgeiz, da zähle nur ein Studium.

"Es hapert am Grundlegenden"

Die Eltern sind nicht das einzige Problem der Ausbilder. Ein weiteres ist die Qualifikation. Dirk Velte ist als Obermeister seiner Innung regelmäßig in den berufsbildenden Schulen wie der Hochtaunusschule in Oberursel unterwegs. Im Januar brachte er einen Berufseignungstest mit, 224 Schüler der Abschlussklassen machten mit. 70 Prozent war allgemeines Wissen, 30 Prozent bezog sich auf Kenntnisse für bestimmte Berufe. Velte seufzt. Die Ergebnisse waren zum Teil deprimierend, es haperte an Grundlegendem wie dem Übertragen einer Längenangabe in verschiedene Maßeinheiten.

Dabei sei es gar nicht so viel, was die jungen Leute mitbringen müssten, sagt Kreishandwerksmeister Gernhard: Dreisatz, die Grundrechenarten. Aber nicht wenige könnten das eben nicht leisten. Auch sei es heutzutage nicht einfach, die wirkliche Eignung der jungen Leute einzuschätzen. So einige haben ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, aber es steckt wenig dahinter.

Eltern überschätzen Kinder

Gernhard, Maschinenbaumeister mit Betrieb in Oberstedten, sieht den Schlüssel zu mehr Azubis bei den Eltern. Sie überschätzten und überforderten ihre Kinder oft, was deren schulische Fähigkeiten angehe und schickten sie nur auf Schulen und nicht in die Lehre.

Auch Gernhard hat ein Beispiel parat, dass der Erfolg groß werden kann, wenn man als kleiner Handwerker angefangen hat. Einer seiner Lehrlinge studiert jetzt an der TH Aachen. Nach der Lehre machte er Abi auf der Feldbergschule, dann einen Abschluss in Metallbau an der FH Rüsselsheim.

Selbst in den Semesterferien, wirbt Meister Gernhard, könne man ja leichter einen Job finden, wenn man vorher was Richtiges gelernt hätte.

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