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OB Michael Korwisi ,  Christian Weizmann und Walter Mittmann  (von links)   an der Gedenkstätte für die Glaubensflüchtlinge.
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OB Michael Korwisi , Christian Weizmann und Walter Mittmann (von links) an der Gedenkstätte für die Glaubensflüchtlinge.

Waldenser Hugenotten

Gedenkstätte für die Waldenser

Der Friedhof von Dornholzhausen ist Teil des Europäischen Hugenotten- und Waldenserpfades. Eine Stele erinnert jetzt dort an die Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die den Stadtteil einst gegründet haben.

Von Martina Propson-Hauck

Der Friedhof von Dornholzhausen ist Teil des Europäischen Hugenotten- und Waldenserpfades. Eine Stele erinnert jetzt dort an die Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die den Stadtteil einst gegründet haben.

Eine Stele steht im Mittelpunkt, an der Wand des Friedhofs hängen mehrere Grabplatten. Die Namen und Inschriften sind meist französisch. „Içi repose en Dieu Emma Bailly“ ist auf einer der Platten zu lesen. Emma, 1894 gestorben, war nur 32 Jahre alt geworden und entstammte einer Hugenottenfamilie aus Sedan. Sie wuchs in Dornholzhausen als Vollwaise gemeinsam mit zwei Schwestern beim Großvater in sehr bescheidenen Verhältnissen auf.

Emma steht beispielhaft für die Geschichte des Stadtteils, die Geschichte von Waldensern, die Dornholzhausen gegründet haben, und Hugenotten, die eine ganz ähnliche Glaubens- und Fluchtgeschichte teilen.

Auf dem Friedhof an der Valkenierstraße ist nun eine neue Gedenkstätte für die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft und ihre zahlreichen Nachfahren eingerichtet worden ist. Die Stele war bereits zuvor vorhanden, die Grabplatten waren teilweise zugewachsen auf dem Friedhof verteilt. Sie sind jetzt auf Initiative des Geschichtsvereins Dornholzhausen und mit Unterstützung der Stadtverwaltung im Museum für Sepulkralkultur in Kassel gereinigt und wiederhergestellt worden, so dass man jetzt alle Inschriften wieder lesen kann. Zudem gibt es am Friedhofseingang jetzt auch ein Informationsblatt über Waldenser und Hugenotten zum Mitnehmen.

Gegründet wurde Dornholzhausen 1699 von 40 Waldenserfamilien, die mit 165 Personen aus dem Piemont geflüchtet waren, weil sie ihrem protestantischen Glauben treu bleiben und sich nicht zum Katholizismus Ludwigs XIV. bekehren wollten. Die Waldenser hatten sich 1532 dem Genfer Reformator Calvin angeschlossen. Unter dem Homburger Landgrafen durften sie sich hier ansiedeln und ihren Glauben frei ausüben. Die Hugenotten gründeten das benachbarten Friedrichsdorf, die Waldenser Dornholzhausen.

Nur ein Grab ist erhalten

Eheschließungen untereinander führten dazu, dass sich auch in Dornholzhausen viele hugenottische Namen auf dem Friedhof finden. Nur das Grab von Henriette Scheller, einer Nachfahrin der Waldenser Familie Bertalot, ist an der Friedhofsmauer erhalten. Der Friedhof wurde erst 1856 eingerichtet. Zuvor begruben die Waldenser ihre Toten auf dem Kirchplatz. „Die Waldenser haben von Grabsteinen nichts gehalten“, sagt Walter Mittmann vom Geschichtskreis Dornholzhausen.

Christian Weizmann, Vorsitzender des Vereins, freut sich, dass es nun neben Kirche und Pfarrhaus noch einen dritten Ort im Stadtteil gibt, an dem der Waldenser gedacht wird. „Wir wünschen uns noch ein Denkmal als vierten Ort“, sagte er gestern.

Die neue Gedenkstätte soll künftig auch Teil des Europäischen Hugenotten- und Waldenserpfades sein wird. „Das wird wohl nicht der neue Jakobsweg werden“, sagte Weizmann scherzhaft. Dennoch habe sich im vergangenen Jahr bereits eine Familie mit zwei Kindern in Dornholzhausen eingefunden, die sich auf die Spuren der Waldenser begeben hat.

Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) sagte, dieser Ort des Nachdenkens erinnere nicht nur an die Geschichte des Stadtteils, sondern auch an Menschen, die in der Gegenwart wegen ihrer Religion verfolgt werden, auf der Flucht sind oder Asyl suchen.

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