Friedrichsdorf

Smartboard in jedem Klassenraum

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An der Philipp-Reis-Gesamtschule in Friedrichsdorf gehört digitaler Unterricht zum Alltag.

Kann das eine Schule der Zukunft sein? Gleich am Eingang ein laminiertes Pappschild mit einem durchgestrichenen Handy. Smartphoneverbot dort, wo Unterrichten und Lernen mit digitaler Technik schon lange zum Schulalltag gehört?

Als eine der ersten in Hessen erhielt die Philipp-Reis-Gesamtschule in Friedrichsdorf einen Breitband-Internetzugang. Und für jeden der rund 100 Klassenräume ein Smartboard – also eine elektronische Tafel, auf der Youtube-Videos gezeigt, mathematische Funktionen in Bewegung versetzt oder wie auf einem Tablet mit einem Handstreich Landkarten etwa zum Verbreitungsgebiet des Fuchsbandwurms und Textaufgaben zu dessen Lebenszyklus aufgerufen werden können.

„Wir haben uns mit dem Einzug in unseren Neubau von der Kreidezeit verabschiedet“, sagt Schulleiterin Ellen Kaps. Vor gut sechs Jahren war das. „Wichtig war uns, dass wirklich in jedem Raum ein Smartboard zur Verfügung steht, damit Lehrkräfte sich darauf verlassen können, diese jederzeit einzusetzen zu können.“

Das heißt nicht, dass auf den weißen Tafeln permanent bunte Bildchen oder Animationen flimmern. Kein Lehrer ist verpflichtet, digitale Medien zu nutzen. „Als Fremdsprachlerin will ich auch nur mal schnell ein paar Vokabeln aufschreiben, ohne Computer oder Beamer zu benutzen“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Frauke Piorreck, die Englisch und Geschichte unterrichtet. Auch das ist möglich.

Jeden Morgen um 7.55 Uhr fahren sämtliche Rechner an der Philipp-Reis-Schule automatisch hoch. So ist der Start in den Unterricht ohne Wartezeit möglich. „Wir haben zwei Glasfaseranschlüsse mit zusammen 200 M-Bit“, sagt Martin Sennelaub. Was vor sechs Jahren üppig schien, ist inzwischen gerade noch ausreichend. Wenn viele Lehrer gleichzeitig einen Film streamen, stellen die langen Ladezeiten Pädagogen und Klassen auf eine Geduldsprobe. „Wir könnten auch ein Giga-bit gebrauchen“, sagt Sennelaub.

Der Biologielehrer hat zusammen mit Informatiklehrer Christian Mehler dem Kollegium in zahlreichen Fortbildungen die digitale Unterrichtswelt nahegebracht. Sennelaub betreut auf dem Bildungsserver die Fachredaktion Biologie, Mehler entwickelt an der Lehrkräfteakademie das Schulnetzwerk Lanis, das Lehrern, Eltern und Schülern beispielsweise den Zugang zu individuell zugeschnittenen Vertretungs- und Stundenplänen ermöglicht. An der Philipp-Reis-Schule hat es die Verwaltungsarbeit enorm vereinfacht. Auch das gehört zur digitalen Schulwelt.

Zusammen mit zwei Kollegen bilden Sennelaub und Mehler das IT-Team der Schule. Zudem steht an drei halben Tagen je Woche ein Support zur Verfügung. Und doch rangiert ein IT-Techniker, der permanent präsent ist, ganz oben auf der Wunschliste. „Meine Lehrer sind ja zum Unterrichten da und nicht, um die Technik zu pflegen“, sagt Schulleiterin Kaps.

Tablets wollen sie an der Reis-Schule nicht. „Zum Schreiben und Sprechen brauchen wir die nicht“, ist Kaps überzeugt. Ebenso wenig wie Handys, die auf dem Schulgelände im Rucksack bleiben müssen. „Die Welt“, sagt Kaps-Vize Piorreck, „ist ohne Digitalität erlebbar.“ In den Pausen, da sollen sich die Schülerinnen und Schüler ansehen und ganz ohne Messengerdienst miteinander kommunizieren.

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